Jüdischer Zentralrat kündigt neue Qualitätsstandards bei Beschneidung an


bundestag_zirkumzisionNachdem der Deutsche Bundestag die Universalität der Menschenrechte auf dem Altar der Religionen geopfert hat, genau am 12.12.2012, kündigt nun Generalsekretär Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland neue Qualitätsstandards bei Beschneidungen von Jungen an.

Inwieweit der Zentralrat religiöse Weisungsbefugnisse oder Kompetenzen hat, wäre extra zu Hinterfragen.
Von Januar 2013 an soll eine zertifizierte Zusatzausbildung für jüdische Beschneider angeboten werden. Ob sich rituelle Beschneider daran halten bleibt abzuwarten. Die Brit Mila selbst wird in Gen 17,10–14 wie folgt beschrieben:

„Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen […] Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden.“

Das ist das geoffenbarte Wort Gottes, für orthodoxe Juden zählt das und nichts anderes. Die Brit Mila ist eines der 248 Gebote der Mitzwot, den 613 einzelnen Pflichten des Judentums. Bibelfundamentalismus und nichts anderes. 200 Jahre nach der Haskala sanktioniert das deutsche Parlament voraufklärerische Rituale.

Es geht nicht um Qualität, es geht um das Recht auf körperliche Unversehrtheit, welches deutsche Politik ganz in die Hände der erziehungsberechtigten Eltern legt. Glück ist, dass bisher bei der christlichen Taufe noch kein Täufling ersoffen ist. Man ahnt, schränkt man jüdische Rituale ein, sind als nächstes die christlichen Rituale, deren Rechtsstatus hinterfragt würde, an der Reihe. Die Zustimmung zur Beschneidung ist politisch und juristisch betrachtet das kleinere Übel.

«Wir sind es der Gesellschaft und auch uns selbst schuldig, die Diskussion mit den Kritikern zu führen», sagte Kramer. Er hoffe, dass «wir dann irgendwann einen Status quo erreichen, mit dem wir nicht nur alle leben können, sondern der uns höchstmögliche Qualitätsstandards sichert».

Da Kramer seinerzeit von einem konstitutiven Recht auf Beschneidung sprach, ist sein Diskussionangebot pure Heuchelei zu nennen. Da gibt es eben nichts mehr zu diskutieren. Solange Religionsgemeinschaften archaische Riten praktizieren, sind diese zu kritisieren. Und zwar solange, bis der Wille zur Veränderung von den Religionsgemeinschaften selbst ausgeht. Ob nun Beschneidung im Judentum oder Islam, es betrifft wehrlose Kinder, deren Widerspruch nicht gehört werden kann.
Und ich bezweifle dass der Zentralrat der Juden in Deutschland für die Sephardim und Chassidim sprechen kann. Das ist ungefähr so, als wenn der Papst in Rom Bischöfe der evangelischen Kirchen benennen und einsetzen würde.

Ich denke, dass ich das folgende Zitat nicht weiter zu kommentieren habe.

„Eine hypothetische Frage: Ich werde dabei erwischt, wie ich, ein Mann von siebenundfünfzig Jahren, einem männlichen Baby am Penis lutsche. Wut und Ekel würden mir entgegenschlagen. Aber selbstverständlich habe ich eine Erklärung zur Hand: Ich bin ein Mohel und wurde bestellt, eine Beschneidung vorzunehmen. Meine Autorität beziehe ich aus einem Text des Altertums, der mir aufträgt, den Penis des kleinen Jungen in die Hand zu nehmen, die Vorhaut ringsum einzuschneiden und die rituelle Handlung zu beenden, indem ich den Penis in den Mund nehme, die Vorhaut absauge und die amputierte Haut samt einem Mundvoll Blut und Speichel ausspucke. Diese Praxis ist bei den meisten Juden nicht mehr üblich, weil sie unhygienisch ist und zudem unangenehme Assoziationen weckt, doch die chassidischen Fundamentalisten, die bis heute auf einen Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem hoffen, führen sie noch durch. Sie betrachten den primitiven Ritus des Peri’ah Metsitsah als Teil des ursprünglichen und unzertrennlichen Bundes mit Gott. Im Jahr 2005 wurde in New York bekannt, dass sich mehrere kleine Jungen bei dem von einem siebenundfünfzig Jahre alten Mohel durchgeführten Ritual mit Genitalherpes angesteckt hatten, an dem mindestens zwei Kinder starben. Unter anderen Umständen hätte sich das Gesundheitsamt durch diese Nachricht dazu veranlasst gesehen. das Ritual zu verbieten, ….“ Weiter zu lesen in:

Hitchens Christopher: „DER HERR IST KEIN HIRTE“ ISBN: 978-3-453-620036-0 Seite 67 ff.

2 Comments

  1. Neben der Zwangsbeschneidung des Sexualorgans kleiner Jungen gibt es auch noch andere bewährte religiöse Bräuche, wie die Witwenverbrennung bei den Hindu’s.

    Der hellenistische Historiker Diodorus berichtet bereits im 1. vorchristlichen Jahrhundert über den alten Brauch der Witwenverbrennung bei den Hindus. Die verbrannte Witwe wird eine „Sati“ und im Jenseits mit ihrem Mann sofort wiederverheiratet.

    „Nach der Entscheidung (? der Witwe) wurde früher eine aufwändige Zeremonie vorbereitet, die sich je nach Region unterschied, bei der aber stets Priester beteiligt waren. Außerdem waren begleitende Musikanten, geschmückte Gewänder, sowie Geschenke üblich. Die Witwe strab meistens durch Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Selten ward sie Lebendig begraben. Zudem…..“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Witwenverbrennung

    Wenn die Hindi heute bei uns auch gewisse „Qualitätsstandards“ bei der Verbrennung von Witwen zur Sati garanantieren -ähnlich der des Zentralrat der Juden bei der folkloristischem Säuglingsmisshandlung am Penis-, müsste man diese hinduistische Folklore bei uns doch auch als „Religionsfreiheit“ einordnen, vor allem wenn die Witwe im Gegensatz zum Säugling oder Knaben sogar sebst einwilligt, was im Beisein eines Notar’s möglich wäre?

    😉

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  2. Ich schätze und hoffe, dass dieses Gesetz letztendlich wieder vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird. Wenn nicht, dann dauert es möglicherweise nicht mehr lange, bis andere, möglicherweise sogar eigentlich abgeschaffte, Rituale, die mit der Beschneidung vergleichbar und ebenfalls wehrlose Kinder treffen, oder sogar schlimmer sind, legalisiert werden mit Berufung auf die Legalisierung der Beschneidung. Hoffen wir mal, dass das nicht passiert.

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