Religiöser Fundamentalismus und zelotische Atheistenschelte

religion_dark_agesWenn religiöse Fundamentalisten und eifernde Religionsverächter den Ton angeben, haben die Zweifelnden und die Suchenden, die es auf beiden Seiten gibt, das Nachsehen. Es gälte, den Dialog zwischen denen, die sich in ihrem Glauben, und denen, die sich in ihrem Nichtglauben irritieren lassen, zu eröffnen.

Von Jan-Heiner TückNeue Zürcher Zeitung

In der medialen Öffentlichkeit haben Dissonanzen eine grössere Chance, gehört zu werden. Das bedeutet für die gesellschaftliche Wahrnehmung von Religion, dass die Frontstellung zwischen dem neuen Atheismus, der Religion für eine vormoderne und aufklärungsresistente Angelegenheit hält, und einem religiösen Fundamentalismus, der mit seiner buchstäblichen Lektüre der heiligen Schriften diese Vorbehalte nur bestätigt, das Bild weithin beherrscht. Dieses Bild ist einseitig. Es verdeckt, dass es in den spätmodernen Gesellschaften Suchbewegungen gibt, welche die Grenzen zwischen Glaube, Halbglaube und Nichtglaube durchlässig werden lassen. Jenseits militanter Gotteswahnvorwürfe oder zelotischer Atheistenschelte, die sich gegenseitig hochschaukeln, gibt es im säkularen Raum Potenziale zur Verständigung zwischen Gläubigen, Suchenden und Nichtgläubigen, die nicht ungenutzt bleiben sollten.

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Religion auf dem Prüfstand

Eine Langzeitstudie hat ergeben, dass Mönche im Schnitt vier Jahre älter werden als Männer, die außerhalb von Klostermauern leben. Auch tibetanische Buddhisten (unten) wurden untersucht, und zwar auf neurologische Funktionen während der Meditation. Zweifelhaft sind beide Experimente . . . Foto: apa
Eine Langzeitstudie hat ergeben, dass Mönche im Schnitt vier Jahre älter werden als Männer, die außerhalb von Klostermauern leben. Auch tibetanische Buddhisten (unten) wurden untersucht, und zwar auf neurologische Funktionen während der Meditation. Zweifelhaft sind beide Experimente . . . Foto: apa

Sitzt Gott im Gehirn? Von der „Neurotheologie“ bis zur Frage, ob Glaube gesünder macht, gibt es jede Menge wissenschaftliche Untersuchungen. Letzte Antworten kann keine davon geben.

Von Andreas Lorenz-MeyerWiener Zeitung.at

Der Neurologe Uffe Schjødt versammelte sehr unterschiedliche Menschen in einem Labor an der Aarhus Universität in Dänemark: 18 fromme Pfingstchristen und 18 nicht-religiöse Menschen. Die Probanden legten sich in einen Magnetresonanztomographen, eine High-Tech-Röhre, die neuronale Prozesse im Gehirn scannt, und lauschten dort Fürbittgebeten. Diese sprachen abwechselnd ein Nichtchrist, ein Christ und ein Christ mit der Gabe der Heilung – zumindest dachten die Probanden das. In Wirklichkeit handelte es sich bei allen drei Betern um normale Christen ohne heilerische Fähigkeiten.

Hinterher untersuchte Schjødt die Aufnahmen aus dem Inneren der Köpfe. Die neuronalen Reaktionen der Gläubigen unterschieden sich voneinander, je nachdem, wem sie gerade zugehört hatten. Sprach der „Nichtchrist“, ging es im präfrontalen Cortex, einem Teil des Stirnlappens, der für kritisches Denken zuständig ist, ganz rege zu – ein Zeichen von Skepsis oder Misstrauen. Betete dagegen der „Wunderheiler“, war in dem Hirnareal kaum „Betrieb“, es schien durch die Stimme der charismatischen Person wie abgeschaltet.

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Baptisten-Lümmel Jody Hice: Weniger Waffen in den USA wären verheerend

Jody Hice, Bild: wonkette.com
Jody Hice, Bild: wonkette.com

Christian Gonder sprach mit dem populären Baptisten-Prediger Dr. Jody Hice: mehr Sicherheit durch weniger Waffen?

Kreis Anzeiger

Der schmale Mann mit der sanften Stimme sieht aus wie der typische Ostküsten-Eierkopf aus einem Woody-Allen-Film. Lässig schlendert er durch den Gemeindesaal seiner Baptistenkirche, begrüßt Brüder und Schwestern und verschwindet anschließend im Königreichssaal. Dr. Jody Hice, 52, ist ein amerikaweit bekannter Pfarrer, Schriftsteller sowie Radio- und Fernsehmoderator. Als Kandidat der Republikaner kandidierte er 2010 für ein politisches Mandat in Washington – scheiterte aber knapp. Vor allem in den Südstaaten, im sogenannten „Bible Belt“, wo die Baptisten ihren Schwerpunkt haben, gilt Hice als feste Größe. Christian Gonder sprach mit ihm über Konsequenzen des Massakers an Kindern in Newtown.

Doktor Hice, wie viele Kinder müssen noch sterben, bevor US-Politiker das liberale Waffengesetz in Amerika verschärfen?

Eine Verschärfung des Waffenrechts hätte verheerende Folgen für die amerikanische Nation, die seit der Verabschiedung der Verfassung 1791 das fundamentale Freiheitsrecht besitzt, Schusswaffen zu tragen. Den Gründungsvätern ging es damals weder ums Jagen noch um das Recht auf Selbstverteidigung. Der zweite Zusatzartikel ist ein Widerstandsrecht, konstituiert in Lockes Gesellschaftsvertrag und absolut notwendig. Nur eine bewaffnete Gesellschaft kann sich gegen eine tyrannische Regierung wehren, die uns unsere Freiheit rauben will.

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Dodo Meisner: „Die Kirche ist eine Thermoskanne“

meisner_400qDas Gott verzeiht auch das Banale
„Ehrfurchtlosigkeit und Banalisierung greifen um sich“, beklagt Erzbischof Kardinal Meisner und bezeichnet die Kirche als Thermoskanne: innen warm und außen kalt. Experten gehen ohnehin davon aus, dass sich der Glaube immer individueller zusammensetzt – bis er zur einsamen Privatsache wird.

n-tv

Deutschland hat kurz vor Weihnachten ein Thema gefunden, das von einem Vatikan-Berater als „dd“ bezeichnet wird – als dumm und dreist. Die Rede ist von „das Gott“. Die Äußerungen von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder brachte der Unionspolitikerin beißende Kritik aus der katholischen Kirche ein. Von „erschreckendem religiösem Analphabetismus“ ist die Rede, auch von einem „hemmungslosen Opportunismus“.

Mitten in dieser Diskussion warf der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner der Kirche einen Mangel an Ausstrahlungskraft vor. Ihn erinnere die Kirche „an eine Thermoskanne“. „Die hält die Wärme nach innen fest und strahlt sie nicht aus“, sagte Meisner der Zeitung „Die Welt“. Er beklagte die Ehrfurchtslosigkeit und, dass viele Christen gar nicht mehr auf ihren Glauben angesprochen werden wollten. Sie könnten den Glauben „nicht mehr zur Deckung bringen mit ihrer gegenwärtigen Situation“, sagte der Kardinal. „Viele von uns Christen sind sogar froh, wenn sie niemand mehr danach fragt.“

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Mehrheit der Deutschen gegen Beschneidungsgesetz

Streitthema Beschneidung (Operationsbesteck): Keine Volksmehrheit für Gesetzgebung, DPA

Für den Bundestag ist die Angelegenheit erledigt, für das Volk noch nicht: Laut einer repräsentativen Studie ist die Mehrheit der Deutschen nicht einverstanden mit dem jüngst verabschiedeten Gesetz zur Beschneidung von Jungen.

SpON

70 Prozent der Deutschen lehnen das vor rund zwei Wochen vom Bundestag mit großer Mehrheit beschlossene Gesetz zur Beschneidung von Jungen ab. Das ergab laut einer Vorabmeldung der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Vereins Mogis (Missbrauchsopfer gegen Internetsperren).

Lediglich 24 Prozent der 1000 am 18. und 19. Dezember Befragten halten das Gesetz für richtig. Die Regelung für religiös motivierte Beschneidungen, wie sie in der jüdischen und islamischen Kultur üblich sind, wurde am 12. Dezember von 434 Abgeordneten im Bundestag gebilligt, 100 stimmten dagegen, 43 enthielten sich.

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