“Die Homöopathie-Lüge” – Ein Interview (Teil 2)


Bild: brightsblog
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Fortsetzung von “Die Homöopathie-Lüge”: Interview mit Christian Weymayr, Teil 1

Wie definieren Sie „Scientabilität“?

gwup | die skeptiker

 Man könnte „Scientabilität“ mit „klinischer Überprüfbarkeit“ übersetzen.

Das bedeutet: Bevor es an klinische Studien geht, sollte man erst einmal fragen, ob das behauptete Verfahren im Einklang mit den gesicherten Erkenntnissen der Naturwissenschaften steht. Ist das nicht der Fall, sollte es keine klinische Untersuchung geben, weil die Ergebnisse irrelevant sind. Damit wird sichergestellt, dass positive Ergebnisse, die zum Beispiel auf dem Hidden Bias oder auch nur auf Zufall beruhen, nicht missbraucht werden können.

Das sagen übrigens nicht nur wir.

Ähnlich argumentieren beispielsweise auch der Epidemiologe Jan P. Vandenbroucke, der Mediziner und einer Vorreiter der Evidenz-basierten Medizin in Deutschland Johannes Köbberling, und Harriet Hall, die beim World Skeptics Congress im Mai in Berlin diesen „blinden Fleck“ der Evidenz-basierten Medizin kritisiert hat.”

Ebenso der Arzt Kimball Atwood beim CSICon-Skeptikerkongress Ende Oktober in Nashville. In diesem Kontext ist auch das Bonmot von IQWiG-Chef Prof. Jürgen Windeler beim Berliner WSC zu sehen: „Lasst uns darüber lachen, lass es uns ignorieren, untersucht es nicht.“ Was würde das für die Homöopathie-Debatte bedeuten?

 Uns geht es um einen radikalen Schnitt, der auch rückwirkend gilt. Homöopathie ist nicht scientabel, also ist die gesamte Studienlage irrelevant. Weder die negativen noch die positiven Studien können etwas über die Wirkung eines homöopathischen Arzneimittels aussagen und taugen deshalb nicht länger als Argument, für keine der beiden Seiten.

Die Skeptiker verlieren dabei nichts, denn bekanntermaßen akzeptieren Homöopathen negative Studienergebnisse sowieso nicht. Sie lassen sich dadurch in ihrem Glauben nicht erschüttern.”

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