Über die fragwürdige Glückseligkeit des Paradieses

Bild: DIE WELT

Wenn Gott das Leid der Menschen fühlt, muss er beständig in Trauer leben. Ist ER zufrieden, dann lässt IHN die Not der wohl Welt kalt. Gedanken eines der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Von Leszek KolakowskiDIE WELT

Die erste Biografie Siddharthas, des späteren Buddha, enthüllt, dass er für lange Zeit überhaupt nichts vom Elend der menschlichen Existenz wusste. Als Königssohn verbrachte er seine Jugend in Freude und Luxus, umgeben von Musik und weltlichen Genüssen. Er war schon verheiratet, als die Götter beschlossen, ihn zu erleuchten. Eines Tages beobachtete er einen hinfälligen alten Mann; dann das Leiden eines sehr kranken Mannes; dann einen Toten. Erst danach war er von der Existenz des Alters, des Leidens und des Todes – all der schmerzlichen Tatsachen des Lebens, derer er unbewusst gewesen war – überzeugt. In ihrem Angesicht beschloss er, der Welt den Rücken zu kehren, um Mönch zu werden und den Weg ins Nirwana zu suchen.

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Die Macht der Religionen

napoleon_religionWie frei ist, darf und sollte die Religionsausübung in einem Staat sein? Wo liegen in der Auslegung des eigenen Glaubens und der eigenen Überzeugung die Grenzen der Religionsfreiheit, wo endet das Grundrecht auf Meinungsäußerung und religiös motiviertes Handeln?

Von Christoph MöllersDeutschlandfunk

Autor Christoph Möllers ist Verfassungsrechtler an der Humboldt-Universität zu Berlin.

I. Von der Distanz zum eigenen Glauben

Die Freiheit der Religion gilt als altes Grundrecht. Schon die englischen Pilger auf ihrem Weg nach Amerika beriefen sich auf sie. Der deutsche Staatsrechtler Georg Jellinek plädierte in einem berühmten Buch im Jahre 1895 gar dafür, dass man sie als das historisch erste Grundrecht verstehen müsse. Dies bleibt eine umstrittene These; unbestritten dürfte dagegen sein, dass alles, was wir heute wie selbstverständlich zur Freiheit der Religion zählen, vergleichsweise neu und durchaus voraussetzungsreich ist: Dass sich ein Einzelner auf seine Religionsfreiheit berufen kann, und zwar gänzlich unabhängig davon, welcher Religion er angehört, wäre den meisten Europäern noch im 19. Jahrhundert sehr seltsam vorgekommen.

Schließlich spielen sich die meisten Religionen in einer Gemeinschaft ab, über deren Vorstellungen kein Einzelner verfügen können soll. Rechte aus Religion waren zunächst Rechte einer religiösen Gemeinschaft darauf, in ihrer – auf den Innenraum beschränkten – Praxis vom Staat unbehelligt zu bleiben. Das Recht eines Einzelnen auf öffentliche religiöse Präsenz war davon nicht umfasst.

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Kirchentagspräsident kritisiert Arbeitgeber Kirche

Gerhard Robbers, Bild: kirchentag.de

Der Präsident des Evangelischen Kirchentages, Gerhard Robbers, hat die Kirchen als Arbeitgeber kritisiert. Die Kirchen müssten „in ihren Einrichtungen ein Beispiel sein und besser wirtschaften – nicht mehr Geld verdienen, sondern ein Vorbild im Umgang mit den Beschäftigten sein“, sagte Robbers der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“.

FinanzNachrichten.de

Es gebe „zu viele Betriebe, die das nicht sind.“ Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände sind mit mehr als 1,2 Millionen Beschäftigten der größte Arbeitgeber nach dem Staat. Robbers, der an der Universität Trier Staatsrecht lehrt, forderte die Kirchen auf, enger mit Gewerkschaften zusammenzuarbeiten. „Mich macht betroffen, dass es über Jahrzehnte zwischen Kirche und Gewerkschaft eher Konfrontation gab als das Bewusstsein, dass man sich gemeinsam um Behinderte, Alte, Junge oder Verschuldete kümmern muss“, sagte er.

Bisher handeln die Kirchen Tarife in eigenen Kommissionen aus und verbieten Streiks und Aussperrungen. Vor vier Wochen hat das Bundesarbeitsgericht dagegen Streiks in Kirchen erlaubt, wenn die Gewerkschaften nicht an Tarifverhandlungen beteiligt sind. Wie Robbers sagte, will der kommende Evangelische Kirchentag im Mai in Hamburg Konzepte entwickeln, „in denen Gewerkschaften und Kirchen künftig partnerschaftlicher zusammenarbeiten können.“

Islam: Doug Sanders und der Mythos der Überfremdung

So wie im 19. Jahrhundert Karl Marx zufolge «das Gespenst des Kommunismus» in vielen Köpfen als Alptraum herumgeisterte, hat sich heute eine andere Vorstellung von der Zukunft ausgebreitet.

Westfälische Nachrichten

Irgendwann würden so viele Muslime zugewandert sein, dass sie die Mehrheit in den westlichen Ländern bilden. Nüchtern und vor allem auf Basis konkreter Zahlen will der kanadisch-britische Autor Doug Saunders in «Mythos Überfremdung» damit aufräumen.

«Einwandererfrauen haben umso weniger Kinder, je länger sie in Frankreich leben», heißt es da aus dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung in Westeuropa (vier Millionen). Saunders hat fleißig, penibel und auf vertrauenerweckende Weise Statistiken sowie Prognosen gesammelt. Danach soll sich zum Beispiel die Geburtenraten von Muslimen und Nicht-Muslimen im Jahr 2030 auch in Deutschland angeglichen haben.

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Weil Gott frei ist, spielt er mit der Welt

Für den griechischen Philosophen Heraklit war „Gott ein Spieler“ – ganz im Gegensatz zum christlichen Glauben. „In jedem Fall ist die Idee des spielenden Gottes eine der mächtigsten Gottesvorstellungen und wahrscheinlich die am meisten befreiende“, formuliert der Philosoph und Psychotherapeut Dr. Martin Poltrum (Anton Proksch Institut Wien).

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Er fragt: „Was soll die Transzendenz anderes tun als zu spielen? Spiel ist die vollkommenste Tätigkeit, sie genügt sich selbst, sie tut was sie tut aus keinem anderen Grund als um des Spieles willen.“ Poltrum variiert Heraklits Assoziation, „Ewiges Leben“ sei ein „spielendes Kind“, und folgert: „Hinter diesem naiv klingenden Gedanken steht die Einsicht, dass das Spiel die vollkommenste aller Tätigkeiten ist; und wenn die Welt eine Ordnung ist, dann erhält sie sich auf spielerische und selbstverständliche Weise.

Das Spiel ist es auch, das die Gottesidee sinnvoll erscheinen lässt. Gott und die Welt spielen miteinander. Weil Gott frei ist, spielt er mit der Welt.“

Als „Zeugen“ kann Poltrum hier Martin Heidegger zitieren: „Das Spiel ist ohne Warum. Es bleibt nur Spiel: das Höchste und Tiefste. Aber dieses ´nur´ ist Alles, das Eine, das Einzige. Die Frage bleibt, ob wir und wie wir – die Sätze dieses Spiels hörend – mitspielen und uns in das Spiel einfügen.“

Martin Poltrum: Musen und Sirenen. Ein Essay über das Leben als Spiel.

Pabst, 168 Seiten Hardcover, ISBN 978-3-89967-838-3