Weil Gott frei ist, spielt er mit der Welt


Für den griechischen Philosophen Heraklit war „Gott ein Spieler“ – ganz im Gegensatz zum christlichen Glauben. „In jedem Fall ist die Idee des spielenden Gottes eine der mächtigsten Gottesvorstellungen und wahrscheinlich die am meisten befreiende“, formuliert der Philosoph und Psychotherapeut Dr. Martin Poltrum (Anton Proksch Institut Wien).

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Er fragt: „Was soll die Transzendenz anderes tun als zu spielen? Spiel ist die vollkommenste Tätigkeit, sie genügt sich selbst, sie tut was sie tut aus keinem anderen Grund als um des Spieles willen.“ Poltrum variiert Heraklits Assoziation, „Ewiges Leben“ sei ein „spielendes Kind“, und folgert: „Hinter diesem naiv klingenden Gedanken steht die Einsicht, dass das Spiel die vollkommenste aller Tätigkeiten ist; und wenn die Welt eine Ordnung ist, dann erhält sie sich auf spielerische und selbstverständliche Weise.

Das Spiel ist es auch, das die Gottesidee sinnvoll erscheinen lässt. Gott und die Welt spielen miteinander. Weil Gott frei ist, spielt er mit der Welt.“

Als „Zeugen“ kann Poltrum hier Martin Heidegger zitieren: „Das Spiel ist ohne Warum. Es bleibt nur Spiel: das Höchste und Tiefste. Aber dieses ´nur´ ist Alles, das Eine, das Einzige. Die Frage bleibt, ob wir und wie wir – die Sätze dieses Spiels hörend – mitspielen und uns in das Spiel einfügen.“

Martin Poltrum: Musen und Sirenen. Ein Essay über das Leben als Spiel.

Pabst, 168 Seiten Hardcover, ISBN 978-3-89967-838-3


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