Merkels Neujahrs-Bullshistic

Bild: bundesregierung.de
Bild: bundesregierung.de

Die Neujahrsbotschaft der Kanzlerin hatte es in sich, oder sollte man besser sagen der Bundespredigerin? Da sitzt sie vor der Kamera und grinst, als wenn sie gerade den Dalai Lama gefressen hat.

Inhaltlich klingt ihre Rede wie die Aneinanderreihung von Sprüchen aus chinesischen Glückskeksen. Verbindlich wie das Wort zum Sonntag. Grundtenor der Ansprache, der Glaube. Erinnert man sich, dass Merkel ja von der CDU kommt, der Glaube also die oberste Prämisse politischen Handelns ist, erscheint plötzlich Sinn im Gerede. Wir können von Glück sagen, dass sie nicht die katholische Liturgie beherrscht. So redet Merkel wie eine evangelische Pfarrerin, die ihre Religion zum Nutzen politischer Macht missbraucht. Nach dem göttlichen Rührstück, Merkelscher Prägung, dürften etliche zum Taschentuch gegriffen haben.

Merkel will die Probleme der Gesellschaft „mit Gottes Hilfe“ lösen. Forschung und Bildung sollen Arbeitsplätze sichern, warum, erläutert sie nicht. Gottvertrauen sieht anders aus und hört sich anders an. Die Ungläubigen, die sich ihrer Syntax von der Hilfe Gottes verweigern, werden schon mal politisch ausgegrenzt. Mit einem Satz zerstört sie die staatliche Neutralität der religiösen Balance. Wahrlich, religiöse Idiotie feiert fröhlich Urständ in Deutschland.

Professoraler Schwachsinn: Ob Jesus twittern würde?

„Das können weder klassische Medien noch öffentliche Foren in dieser einmaligen Art und Weise leisten“, sagt Rolf Krüger über Blogs. Foto: Strixcode (Fotolia)

Einen Blick in die katholische Blogosphäre wirft das Onlinemagazin „Sinnstiftermag“ in seiner aktuellen Ausgabe. Der Theologe Norbert Kebekus fordert: Die Kirche muss im Web auf ihr Verkündigungsmonopol verzichten und sich der Konkurrenz auf dem Markt der Sinnangebote stellen.

pro Medienmagazin

„Sich in einem prinzipiell hierarchiefreien Kommunikationsraum zu bewegen, in dem die Grenze zwischen Anbieter und User verschwimmt, ist für die Kirche völlig ungewohnt“, schreibt Kebekus, der Leiter des Referates Medienpastoral im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg ist. Es sei aber notwendig, dass sie den „schwierigen Balanceakt“, die innerkirchliche Pluralität zuzulassen, ohne den Wahrheitsanspruch der eigenen Lehre aufzugeben, wage. Ansätze dazu sieht er in der katholische Bloggerszene, der sogenannten „Blogözese“.

In der Szene tummelten sich ganz unterschiedliche Menschen, auffallend sei aber, dass es überproportional viele Autorinnen und Autoren gebe, die konvertiert seien oder erst im Erwachsenenalter zum Glauben gefunden hätten. Institutionelle Blogs, etwa von Diözesen oder Kirchgemeinden, gebe es im deutschsprachigen Raum wenige. Vorbild vieler christlicher Blogger sei Paulus. „Paulus hat im Altertum Briefe geschrieben, heute würde er bloggen“, sei eine Begründung dafür. Doch gerade von kirchlicher Seite werde Bloggern nach wie vor große Skepsis entgegengebracht.

weiterlesen

Demonstranten besetzen Botschaft des Vatikan

Foto: afp, MIGUEL MEDINA Dutzende Aktivisten haben in Paris die Botschaft des Vatikan, die apostolische Nuntiatur, besetzt. Sie fordern eine bessere Behandlung für illegale Einwanderer. Auf einem Spruchband, das die Demonstranten aus einem Fenster des Diplomatensitzes hielten, stand: „Jesus hat sich für Ausländer eingesetzt. Christ, was hast du für deine Brüder ohne Papiere gemacht?“

Dutzende Demonstranten haben am Montag in Paris die Botschaft des Vatikan, die apostolische Nuntiatur, besetzt. Sie drückten damit ihre Solidarität mit einer Gruppe illegaler Einwanderer aus, die mit einem Hungerstreik im nordfranzösischen Lille für eine Aufenthaltsgenehmigung kämpfen, wie eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

RP ONLINE

Auf einem Spruchband, das die Demonstranten aus einem Fenster des Diplomatensitzes hielten, stand: „Jesus hat sich für Ausländer eingesetzt. Christ, was hast du für deine Brüder ohne Papiere gemacht?“

Die Nuntiatur bestätigte die Besetzung, die am Vormittag begann, ohne weitere Angaben zu machen.

weiterlesen

Bunga Bunga und Lobeshym(n)en

Bild: seattlepi.com

Der ehemalige italienische Premierminister Silvio Berlusconi hat seiner Enttäuschung darüber Ausdruck verliehen, dass einige Kreise im Vatikan offenbar die erneute Kandidatur von Mario Monti unterstützen.

Radio Vatikan

Diese Kreise seien, so Berlusconi, wohl durch die „politisierten Untersuchungen der Staatsanwälte in Mailand“ in die Irre geführt worden. „Ich kann nicht sagen, dass ich glücklich über das Verhalten des Vatikans bin“, so der Milliardär in einem Interview für den italienischen Radiosender Radio Capital. „Doch ich bin guter Dinge, denn ich weiß, wie es tatsächlich steht. Ich habe viele Reden zu ethischen Themen und den Beziehungen des italienischen Staates mit dem Vatikan gehalten, für die ich viel Anerkennung und Lobeshymnen erhalten habe,“ versicherte Berlusconi, und weiter: „Ich denke, dass am Ende die konkreten Fakten zählen.“ Außerdem, so der Unternehmer, der selbst mit einer Kandidatur für den Premiersitz liebäugelt, habe er das politische Programm Mario Montis „quergelesen“. Dabei habe er „kein einziges Wort“ über ethische Themen gesehen, die doch für die Kirche so wichtig seien.