Irans innere Feinde: Mystiker, Evangelikale und Meta-Therapeuten


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Bild: BR

Während in den arabischen Staaten der Islam privat wie politisch an Bedeutung gewinnt, leeren sich ausgerechnet in der Islamischen Republik Iran die Moscheen. Auf der spirituellen Suche wenden sich viele Menschen dem Christentum, den Derwischorden oder Psychosekten zu.

Von Ali SadrzadehTransparency for Iran

„Im Iran wird niemand wegen seines Glaubens verfolgt“, beteuert Mohammed-Javad Laridschani, der Vorsitzende der iranischen Menschenrechtskommission, immer dann, wenn er nach der Verhaftung von Andersdenkenden oder –gläubigen gefragt wird. Die Realität sieht anders aus. Der jüngste Fall: Elf Hausfrauen wurden in der Stadt Shahrud im Nordosten des Landes verhaftet aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu der Sekte „Interuniversale Mystik“. Die Frauen hätten wöchentlich eine sechsstündige Lehrsitzung veranstaltet, so der Vorwurf. Die Lehrerin des Kurses — eine Juristin — sei dafür extra aus der rund 700 Kilometer entfernten Stadt Isfahan angereist. Die Frauen hätten sich zudem nicht nur mit der „obskuren Mystik“, sondern auch mit einer „schädlichen Psychotherapie“, der sogenannten „Meta –Therapie“, beschäftigt, berichtet die Nachrichtenagentur Fars.

2 Comments

  1. Viele wissen Vielleicht auch nicht, warum ein schon mal säkularisiertes Persien wieder in einem Gottesstaat unterging.
    😉

    Irans Problem heute ist ein repressiver Gottesstaat, hier in seiner schiitische Form. Sein juristische Staatsoberhaupt ist immer noch ein frühmittelalterlicher Zombie, der sogenannte „verborgene“ zwölfte Imam Muhammad ibn Hasan al-Mahdi, der durch den jeweiligen obersten religiösen Rechtsgelehrten – jetzt durch Ali Chamene’i – vertreten wird. Folglich kennt der Islamische Iran auch keine UNO Menschenrechte, die ja erst 1948 ausgerufen wurden. Im Vielvölkerstaat Iran leben viele Bevölkerungsgruppen manche als Bürger 2. Klasse geduldet wie seit 2000 Jahren ansässige Christen, Juden und Zoroasten, obwohl sie als religiöse Minderheit im Parlament vertreten sind.

    Besonders harsch geht der Islam bekanntlich mit Menschen um, die vom Islam „abfielen“ also „kürzlich missioniert“ wurden. Dies erleben die Bahai’s wie viele neue christliche Kulte. Der Abfall und die Mission werden mit der Todesstrafe bedroht, vielleicht mit unserer „bewährten“ Inquisition im gesamten europäischen Mittelalter bis zur Aufklärung zu vergleichen. 😉

    Im 20. Jahrhundert war der Iran sogar schon mal säkularisiert.

    Aber wegen seines Ölreichtums und seiner strategischen Lage zur Sowjetunion mischten sich die Westmächte nach dem 2. Weltkrieg massiv ein. Da die westlichen Ölfirmen das iranische Volk nicht an den Gewinnen teilhaben lassen wollten, putschten sie 1953 den demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh in der „CIA Operation Ajax“ aus dem Amt und liessen ihn dann von iranischen Gerichten aburteilen und bis zu seinem Tod festsetzen.

    Ein USA gestützter Schah Reza Pahlewi kam aus dem Exil zurück und ersetzte damals eine keimende iranische Demokratie und verwandelte den Iran mit geheimdienstlichen Mittel in einen westlichen Klientelstaat. Besonders Israel war beim persischen Shah wegen der eigenen Spannung zu den Arabern besonders beliebt.

    Bei einem West-Berlin Besuch brachte der Shah sogar seine „Prügel Perser“ mit, die demonstrierende Dissidenten zusammen knüppelte, unter den Augen unserer Polizei und wie auch unter den Augen der Berliner Alliierten.

    Die Repression des persischen Volkes durch den Schah -auch mithilfe unserer Geheimdienste – war so massiv, dass die Bürger Persiens wie auch die Militärs 1979 eine „islamische Revolution“ Ajatollah Khomeini’s von Frankreich aus duldeten.

    Um eine Wiederholung der „US Operation Ajax“ zu verhindern, nahmen iranische „Studenten“ damals das grosse Kontingent von US Geheimdienstlern zur Geisel, die noch mit diplomatischen Ausweisen des SchahRegimes in der US Vertretung in Teheran werkelten.

    Ein Versuch der USA diese militärisch zu befreien, scheiterte für die USA in der persischen Wüste, in einem militärischen Debakel; viel iranische Symphatie brachte das beim Volk nicht ein. 😉

    Seit dieser Zeit gibt es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran, sondern wie Kuba wurde der Iran fortan vom Westen systematisch isoliert.

    Statt dessen ermunterten die USA 1980 einen arabischen Despoten Saddam Hussein, über das nach der Umwandlung zum Gottesstaat militärisch geschwächtes Persien herzufallen und sich an dessen sprudelnden Ölquellen zu bedienen.

    Damals waren die US Republikaner Dick Cheney und Donald Rumsfeld gern gesehene Gäste in Bagdhad. 😉

    Die USA (wie auch die alte BRD) lieferten dem Irak auch schöne neue Kriegswaffen gegen den Iran – inklusive geächteter Chemiewaffen – die Saddam Hussein -welche Überraschung!- dann auch an der iranische Volksarmee ausprobierte, in der auch Jugendliche und Alte kämpften.
    Die Iraner wehrten sich unter sehr grossen Verlusten gegen den mit dem Westen verbündeten Saddam Hussein, was beim iranischen Volk nicht auf Symphatien stiess. 😉

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  2. Viele wissen es vielleicht nicht. Aber auf den Straßen getrauen sich Mitglieder der religiösen Parteien kaum ihre religiösen Kluften zu tragen, da sie sonst von den Normalbürgern angepöbelt würden.
    Das Regime hält sich nur dank den gut organisierten Schlägertrupps, meist Jugendliche die bei der hohen Arbeitlosigkeit froh sind dampf abzulassen und dafür Geld zu kassieren.

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