Deutscher Bundestag: Dodo des Monats Dezember 2012


Dodo des Monat Dezember 2012
Dodo des Monat Dezember 2012

bundestag_zirkumzisionIm Jahr 2012 unserer Zeitrechnung, Monat Dezember, feierte der demokratisch-freiheitliche Maoismus, im deutschen Parlament, fröhliche Urständ. Aus einer nicht näher zu verifizierenden Quelle wurden auf der Grundlage uralter, will sagen archaischer Rituale, gesetzliche Normative begründet.

Cédric Poyet

In vorislamischer Zeit wurden sowohl Männer wie auch Frauen der Beschneidung unterzogen. Die Beschneidung der Männer wird im arabischen „hitân“ , der Frauen hingegen als „hafd“ bezeichnet. Obwohl es im Qur’an kein Ayat (Vers) über die Beschneidung exisitiert, wird es als Symbol der Muslime anerkannt.
Nach der Überlieferung beschnitt als erster Mensch der Prophet Ibrahim (Abraham) im Alter von 80 Jahren sich selbst:

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, daß der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Abraham, Allahs Friede auf ihm, vollzog für sich die Beschneidung, als er im Alter von achtzig Jahren war, und bediente sich dazu der Axt.“ [BUCHARI:780]

Da auch die Juden Abraham als ihren Stammesvater anerkannten , folgten sie dem Beispiel des Propheten und führten auch die Beschneidung durch. Dies änderte sich nicht bis zum Propheten Isa (Jesus). Die Christen indessen interpretierten unglücklicherweise unter hitan, die Säuberung des Herzens, und führten keine Beschneidungen mehr durch.

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, daß der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Zur Fitra (bei Erschaffung des Menschen) gehören fünf Dinge: Die Beschneidung, das Abrasieren der Schamhaare, das Kurzschneiden des Schnurrbarts, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel und das Auszupfen der Achselhaare.“ [BUCHARI:1216]

1. Buch Mose, Kapitel 17

Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. (1. Mose 35.11) (1. Mose 48.15) (2. Mose 6.3) 2 Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir machen und ich will dich gar sehr mehren.
3 Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: 4 Siehe, ich bin’s und habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. 5 Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker (Römer 4.11) (Römer 4.17) 6 und will dich gar sehr fruchtbar machen und will von dir Völker machen, und sollen auch Könige von dir kommen. 7 Und ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinem Samen nach dir, bei ihren Nachkommen, daß es ein ewiger Bund sei, also daß ich dein Gott sei und deines Samens nach dir, 8 und ich will dir und deinem Samen nach dir geben das Land, darin du ein Fremdling bist, das ganze Land Kanaan, zu ewiger Besitzung, und will ihr Gott sein. (1. Mose 23.4) (1. Mose 35.27) (Hebräer 11.9-16)
9 Und Gott sprach zu Abraham: So halte nun meinen Bund, du und dein Same nach dir, bei ihren Nachkommen. 10 Das ist aber mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden. (3. Mose 12.3) (Apostelgeschichte 7.8) 11 Ihr sollt aber die Vorhaut an eurem Fleisch beschneiden. Das soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. 12 Ein jegliches Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. 13 Beschnitten werden soll alles Gesinde, das dir daheim geboren oder erkauft ist. Und also soll mein Bund an eurem Fleisch sein zum ewigen Bund. 14 Und wo ein Mannsbild nicht wird beschnitten an der Vorhaut seines Fleisches, des Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk, darum daß es meinen Bund unterlassen hat.

Das ist der irrationale Teil der Geschichte. Greifbar wird sie mit dem Landgericht Köln, welches rituelle Beschneidung von Minderjährigen als strafbare Handlung versteht. Es war kein Verbot der rituellen Beschneidung, es war ein zeitliches Aussetzen, bis der Betroffene selbst entscheiden kann, ob er das überhaupt will.

Damit entwickelte sich ein Krieg, ein Vorhaut-Krieg, Menschenrechte, Elternrechte, religöse Traditionen, Sinn-und Identitätsstiftungen. Vom Heiligen Land eilte ein Rabbi ins renitente Deutschland, Zentralräte tagten, protestierten, Kritiker der religiösen Standpunkte waren sehr schnell Nazis, Faschisten, Islamophobe, Antisemiten, unwert überhaupt zu leben. Es kam sogar der Vergleich, von einem Idioten, dass das Verbot der Beschneidung die schlimmste Einschränkung des Judentums seit dem Holocaust sei. Diese Äußerung an sich ist schon fast Holocaust-Leugnung, kann man doch den Holocaust nur mit dem Holocaust vergleichen. Punkt.

Schnell war klar, es geht um Macht, um religiöse Macht, die Vorhäute kleiner Jungs spielten nur noch in den Foren und Plattformen des Internets eine Rolle. Und es ging um die Verzahnung politischer Macht mit religiöser. Die Bundesregierung sicherte schnell eine entsprechende Gesetzesregelung zu. Sie beugte sich religiösem Druck. Alternativen wurden nicht in Erwägung gezogen, bei einer Kanzlerin deren Lieblingswort „alternativlos“ ist, schon höchst bedenklich. Es kann nicht Aufgabe des säkularen Staates sein, auf der Grundlage von Sagen und Märchen, juristische Normative zu begründen. Den weltanschaulich neutralen Staat ficht das nicht an. Es ist Aufgabe der Religionsgemeinschaften ihre Traditionen, Rituale und Gebräuche an die säkulare Gesellschaft anzupassen, Übergangs-und Anpassungszeiträume sind tolerierbar. Die aufgeklärte, moderne Gesellschaft lässt sich nicht von Idioten erpressen, deren Existenzrecht sich scheinbar von den Vorhäuten kleiner Jungs herleiten lässt.

Das säkulare Gemeinwesen sichert die allgemeinen Menschenrechte, gewährleistet auf dieser Grundlage die Wahrung der Würde des Menschen und dazu gehört auch die körperliche Unversehrtheit von Kindern und sichert die freie Ausübung der Religion zu. Das heisst aber nicht, dass Religionsgemeinschaften, mit diesem Recht auf freie Ausübung der Religion, Rechte auf die Religiösen ableiten können.

Man kann sich von muslimischer und jüdischer Seite über die polemische Art und Weise der geführten Debatte aufregen. Blankoschecks für religiöse Riten wird es nicht geben. Sie müssen akzeptieren, dass ihre archaischen Riten hinterfragt werden und in der Kritik stehen.

Das Gesetz
beschlossener Gesetzestext


§ 1631d Beschneidung des männlichen Kindes
(1) Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des nicht einsichts- und urteilsfähigen männlichen Kindes einzuwilligen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.
(2) In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen Beschneidungen gemäß Absatz 1 durchführen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durchführung der Beschneidung vergleichbar befähigt sind.

erlaubt die nicht medizinisch erforderliche Beschneidung durch Delegierung ins Elternrecht. Eltern dürfen ihre Kinder nicht züchtigen, schlagen usw. aber sie dürfen darüber befinden, aus religiösen Gründen natürlich, ob ihr kleiner Junge beschnitten werden muss.

Die Bundesregierung, das Parlament und die säkulare Bewegung in Deutschland haben versagt. Die Parlamentarier hatten die Möglichkeit dieser religiösen Barbarei ihre Zustimmung zu entziehen. Parteiübergreifend war das Versagen, Gegenstimmen nicht gehört, Betroffene ausgesessen, geopfert religiösem Druck auch unter der Prämisse, dass wenn es gelingen würde, religiöse Rituale an die Volljährigkeit einer Person zu gründen, weit mehr Rituale betroffen wären als nur die Thematik der Beschneidung. Offensichtlich musste das ganz, aus christlicher Sicht natürlich, unterbunden werden.

434 Dodos, auf einen Rutsch, für den juristischen Rückfall in graue Vorzeit, für die hohe Akzeptanz von Sagen, Märchen und Mythen, für die beispiellose Ignoranz des Wählers, immerhin lehnen 70% der Bevölkerung Beschneidung ab. Mögen Euch die 434 Dodos auf den Kopf scheißen.

Zum Abschluß noch ein Fall aus der Türkei, 2013 bekanntgeworden:

Die Familie eines dreijährigen Kindes, dessen Penis während eines kollektiven Beschneidungsfestes in der südöstlichen Provinz Batman abgeschnitten wurde, hat nun zwei Millionen türkische Lira Entschädigung vom türkischen Gesundheitsministerium gefordert. Der Staatsrat wurde bereits angerufen. Ein Urteil steht noch aus.

3 Comments

  1. Es ist eine ganz harmlose Prozedur von überaus qualifizierten Fachkräften durchgeführt – sagt ein Super-Religiot

    http://www.humanist-news.com/beschneidung-einem-kind-wird-aus-versehen-ganzer-penis-abgeschnitten/
    Wien. (HN) In der türkischen Provinz Batman hat eine Familie das Gesundheitsministerium auf 2 Millionen türkische Lira Schadensersatz geklagt. Der Grund dafür war ein Unfall während einer Massenbeschneidung von kleinen Jungen im Jahr 2010. Dem damals dreijährigen Sohn der Familie Çetinkaya wurde während der Beschneidungszeremonie versehentlich der gesamte Penis abgeschnitten.

    Damals wurde der Familie des Jungen von einem Gericht 600.000 Lira Schmerzensgeld zugesprochen. Für das Kind 400.000 und für jedes Elternteil je 100.000 türkische Lira.

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  2. es ist ja eine lüge von den politikern zu behaupten dieses gesetz schütze die freie ausübung der religion durch die eltern. in dem gesetz ist ja überhaupt nicht von religiösen gründen die rede! jeder kann seinen sohn beschneiden lassen, egal aus welchem grund. das setzt dem ganzen beschneidungirrsinn ja die krone auf. da ist der deutsche bundestag in seinem vorrauseilendem gehoram mal gehörig übers ziel hinausgeschossen.
    für mich gibt es nur eine lösung. wer sich beschneiden lassen will soll das gerne tun, wenn er 18 jahre alt ist. fertig. lasst die messer weg von den schniepeln unserer kinder!

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