Fleischatlas – Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel


Viel zu selten fragen wir uns, was wir eigentlich gerade essen. Dabei ist Essen nicht nur ein kulinarischer Genuss, sondern eine politische und ethische Entscheidung. Was hat das Schnitzel auf unserem Teller mit dem Regenwald im Amazonas zu tun? Und wie hängt es mit ländlicher Armut und Hunger in Kamerun zusammen? Wie werden die Tiere, die wir essen, gehalten und welche Auswirkungen hat die Massentierhaltung auf unser Klima?

Heinrich Böll Stiftung

All diese Fragen lassen sich nicht allein durch einen Blick auf die Verpackung von Wurst und Fleisch im Supermarkt beantworten. Gerade darum ist es der Heinrich-Böll-Stiftung und dem BUND ein Anliegen, über die vielfältigen Dimensionen der Fleischproduktion dessen Konsum zu informieren und Alternativen aufzuzeigen.

In der traditionellen bäuerlichen Tierhaltung muss das eigene Land ausreichend Futter für die Tiere geben. Mist und Gülle wiederum werden auf die hofeigenen Felder ausgebracht und sind gut für die Bodenqualität. Nur so können lokale Nährstoffkreisläufe entstehen, die eine zukunftsgerichtete und gerechte Landwirtschaft ausmachen und auch den Tierrechten Rechnung tragen.

Mit unserem Atlas möchten wir Sie einladen zu einer Reise um die Welt und Einblicke in globale Zusammenhänge geben, die mit unserem Fleischkonsum verbunden sind. Denn nur informierte und kritische Konsumentinnen und Konsumenten können richtige Entscheidungen treffen.

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Wovon wir reden….  
… wenn wir von Fleisch, Fett, Speck, Mett und Wurst sprechen: Viele Bezeichnungen für fleischliche Nahrung in den indoeuropäischen Sprachen gehen auf Wurzeln zurück, die Eigenschaften und Tätigkeiten ausgedrückt haben. Die Verwandten solcher Wortfamilien sind manchmal kaum noch zu erkennen.

Eine kurze Geschichte des Nein
Auf tierische Nahrung zu verzichten, ist ein uraltes philosophisches und reli­giöses Gebot. Aus Griechenland, Groß­britannien und Indien kamen wichtige ­Impulse. Im Laufe der Zeit wiederholten sich die Motive: Askese, Ethik, Ökologie.

Neue Methoden, neue Produzenten
Auf die „Grüne Revolution“ im Getreideanbau ist die „Vieh-Revolution“ in der Tierhaltung gefolgt. Multis verdrängen die kleinen, weniger kapitalstarken Erzeuger und Verarbeiter.

Exporteure und Protektionisten   
Einige wenige Länder und Konzerne beherrschen den schnell wachsenden Weltmarkt für Fleisch. Der globale
Handel steckt in einer ununterbrochenen Folge kleiner und großer Krisen.

Stille Subventionen, verdeckte Kosten, offene Rechnungen
Die Milliardenumsätze der Fleischindustrie zeigen nicht, was ihre Produkte wirklich kosten. Wer Fleisch isst, zahlt dafür dreimal: als Käufer, als Steuerzahler und als  Umweltnutzer, gemeinsam mit der Natur selbst.

Der Speiseplan der Mittelschicht
Der Fleischkonsum ist ungleich über die Welt verteilt. In den reichen Ländern stagniert er, in den USA geht er sogar zurück. Weiterhin essen viele Menschen kein Fleisch, weil sie zu arm dafür sind.

Deutsche Konsumenten zwischen Massenware, Bio und Entsagung

Für die meisten ist der Sonntagsbraten heute ein Alltagsbraten. Die großen Lebensmittelskandale haben
den Ökosektor belebt. Viele Konsumenten sind träge, aber neue Angebote erleichtern den ­Umstieg.

Eine Frage der Haltung

Über Jahrzehnte haben Hühner am meisten unter Massenhaltung und Qualzucht gelitten. Tierschutz wäre für die Geflügelindustrie nur ein Kostenfaktor, wenn empörte Verbraucher nicht ihre Nachfrage verändert hätten. Doch noch immer leben die meisten Hühner nicht artgerecht.

Artenvielfalt in Gefahr
Überdüngung verschlechtert in allen Ökosystemen die Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen. Nitrate im Grundwasser können zudem Krebs auslösen. In Küstengewässern führen sie zur Bildung von Todeszonen ohne Sauerstoff.

Industrielle Zuchtlinien statt traditioneller Tierrassen

Kreuzungen, die auf Hochleistung zielen, führen zu genetischer Verarmung. In der Branche nehmen Konzentration und Umsätze zu. Nur noch ganz wenige Unternehmen bieten für die Massentierhaltung entwickelte Hybrid-Tiere an.

Ein Schlag ins Wasser
Das Wachstum der Weltbevölkerung wird die Übernutzung von Flüssen und Seen noch verstärken. Nicht der Durst des Viehs sorgt für Probleme, sondern die Bewässerung der Futterpflanzen und der Dung aus Massentierhaltungen, der in zu hoher Konzentration und samt Antibiotikaresten versickert.

Mit Vieh, Futter und Dünger in den Klimawandel
Der Agrarsektor trägt in Deutschland offiziell mit sechs bis sieben Prozent zur Freisetzung von Treibhausgasen bei. Aber viele Emissionen, die auf die Tierhaltung zurückgehen, bleiben bei dieser Rechnung unberücksichtigt.

Tiermedikamente machen krank
Erst seit kurzem erfassen die Behörden, wie großzügig dem Groß- und Kleinvieh in Deutschland Antibiotika verabreicht werden. Dabei können resistente Bakterien für Menschen lebensgefährlich werden.

Wenn Hühnerhaltung weiblich ist

Für viele Frauen, die sonst vollständig von den Entscheidungen ihres Mannes abhängig wären, eröffnen eigene  Hennen, Küken und Eier den Weg zu mehr Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. Dieser Beitrag zur Fleischversorgung wird häufig unterschätzt.

Westafrikanische Krisen durch Europas Hühnerfleisch-Reste

Seit die Geflügelkonzerne der EU ihre Schlachtabfälle nicht mehr zu Tierfutter vermahlen lassen dürfen, werden sie zu Niedrigpreisen in arme Länder exportiert. Dort zerstören sie die einheimische Wirtschaft.

Ernten, die im Viehtrog landen
Wiederkäuer und Menschen müssten sich bei der Nahrung nicht in die Quere kommen. Doch immer mehr Fleisch gibt es nur mit immer mehr Kraftfutter. Wenn die Äcker dazu nicht mehr ausreichen, werden sie im Ausland besorgt.

Futtermittel für Milliarden

Ist das Öl aus den gentechnisch veränderten Sojabohnen gepresst, beginnt die Verwertung des proteinreichen Mehls. Als Tierfutter wird es in die fleischhungrigen Länder geschafft, um dort vom Vieh „veredelt“ zu werden. Oder es verwandelt sich – mit ­höheren Gewinnspannen – gleich im Anbauland in Exportfleisch.

Der Regenwald hat viele Feinde
Auf den abgeholzten Flächen im Amazonas-Becken grasen Rinder. Weil auf den alten Weiden Brasiliens immer mehr  Soja und Zuckerrohr gepflanzt wird, nimmt der Druck auf den Wald zu. Doch auch Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung.

Trends im Labor und in der Welt
Warum soll man ein ganzes Hühnchen mästen, wenn man dann doch nur seine Brust und die Schenkel verspeist? Das sei absurd, meinte 1931 Winston Churchill, der spätere britische Premierminister. Er schlug vor, die leckeren Teile der Tiere separat zu züchten. Tatsächlich tüfteln seit einigen Jahren Gewebe-Forscher, wie Fleisch im Labor herzustellen sei. Interessiert daran sind besonders veganische Aktivisten.

Bewegungen und Kampagnen für eine gute Landwirtschaft
ln den Industrieländern nimmt das Unbehagen über Massentierhaltung, schlechtes Fleisch und Lebensmittel-
skandale zu, während sich in den Schwellen- und Entwicklungsländern Landlose und Kleinbauern gegen die Interessen der Futtermittelindustrie wehren.

Autoren und Quellen von Texten, Karten und Daten