Giordano Brunos Antisemitismus: „Martin Luther war viel schlimmer“

Der Judenfeind schaut auf die ewige Stadt – Statue Giordano Brunos in Rom. Bild: imago/plusphoto

Warum ist die Giordano-Bruno-Stiftung nach einem erklärten Judenfeind benannt? Er ist ein Vorbild für säkulare Denker, sagt Michael Schmidt-Salomon.

Interview: Daniel Baxtaz

taz: Herr Schmidt-Salomon, was haben Sie eigentlich an Weihnachten gemacht?

Michael Schmidt-Salomon: Wir haben gut gegessen, nette Leute getroffen, die Kinder beschenkt. Zwar singen wir keine frommen Lieder unterm Tannenbaum, aber ansonsten unterscheidet sich das, was wir an Weihnachten tun, nicht viel von dem, was in christlichen Familien stattfindet. Die Bedeutung von Weihnachten hat sich ja kulturell längst geändert. So wie einst die Christen den 25. Dezember, an dem die Römer die Geburt des Sonnengottes Sol feierten, in ihrem Sinne umdeuteten, verwandelt sich das christliche Weihnachten nun in ein profanes Familienfest – und das ist auch gut so.

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Religionsunterricht: »Glaubenssätze als Wahrheit dargestellt«

Rainer Ponitka ist Sprecher des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten

Atheisten-Bund startet Kampagne gegen den Religionsunterricht an Schulen. Ein Gespräch mit Rainer Ponitka

Interview: Gitta DüperthaljW

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) bereitet eine Kampagne vor, die sich gegen den Religionsunterricht an staatlichen Schulen richtet. Was wollen Sie erreichen?

Wir wollen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern Kenntnisse an die Hand geben, wie man dem Religionsunterricht in den Schulen fernbleiben kann. Wir werden verdeutlichen, wie drastisch die Religion in die Schule hineinwirkt – was sie nicht darf. Ab März werden wir eine Informationsbroschüre zu diesem Thema an die zuständigen Landespolitiker im Bildungsbereich verschicken und Informationsveranstaltungen organisieren.

Religion darf also nicht in die Schule hineinwirken?

Nein, das sogenannte Ethikurteil (1998) des Bundesverwaltungsgerichtes besagt: Nur ausnahmsweise ist es zulässig, Religionsunterricht an staatlichen Schulen zuzulassen. Im Wortlaut: »Die Ausübung der Religionsfreiheit wird ausnahmsweise auch innerhalb einer staatlichen Institution – hier der staatlichen Schule – ermöglicht.« Grundsätzlich ist also staatliche Neutralität an Schulen zu gewährleisten. Wir kritisieren, daß der Religionsunterricht an deutschen Schulen jedoch eine Sonderstellung einnimmt. Wobei dort keineswegs die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Religionen stattfindet, sondern Glaubenssätze einer bestimmten Religionsgemeinschaft als »Wahrheit« propagiert werden. Die Kirchen genießen sozusagen staatlich finanzierte Mitgliederschulung.

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Frankreich: Protest gegen Homo-Ehe

Proteste in Paris: Mehr als Hundertausend Franzosen demonstrieren in der Hauptstadt gegen die geplante Homo-Ehe. (Foto: REUTERS)

Vater, Mutter, Kind – ein anderes Familienmodell ist in ihren Augen nicht vorgesehen: In Paris sind Zehntausende Franzosen gegen die Gleichstellung von Homosexuellen auf die Straße gegangen. Der Protest vereint politisch Konservative ebenso wie Muslime, Juden und Evangelikale. Für Präsident Hollande kommt der Widerstand zur Unzeit.

Süddeutsche.de

In Paris haben sich am Sonntag zahlreiche Gegner der Homosexuellen-Ehe zu Protestmärschen durch die französische Hauptstadt versammelt. Teilnehmer aus der Provinz reisten in fünf TGV-Zügen, etwa 900 Bussen und zahllosen Autos an, um gegen die von Präsident François Hollande propagierte Gleichstellung hetero- und homosexueller Partnerschaften auf die Straße zu protestieren. Insgesamt wurden trotz winterlicher Kälte mehrere Hunderttausend Menschen bei dem Sternmarsch erwartet, der von drei Startpunkten aus am späten Nachmittag in eine Großkundgebung vor dem Eiffelturm münden sollte.

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Belfast: Jesus-Fans praktizieren die Gewalt ihres Herrn

Geöffnete Friedensmauer in Belfast. Bild: de.academic.ru

Seit Tagen halten gewalttätige Ausschreitungen die nordirische Hauptstadt Belfast in Atem. Spielen bei den aktuellen Auseinandersetzungen die Religionen noch eine Rolle? Ja, sagt der der Münsteraner Geschichtswissenschaftler Andre Krischer.

domradio.de

KNA: Herr Krischer, der Nordirland-Konflikt hat nicht zuletzt auch religiöse Wurzeln. Welche Bedeutung haben Katholizismus und Protestantismus dort heute?

Krischer: Die Religion stiftet immer noch Identität. Die Menschen verstehen sich entweder als Katholik oder als Protestant. Der Konflikt dreht sich aber nicht mehr wie früher um Glaubenswahrheiten.

KNA: Haben dadurch die Kirchen Spielraum gewonnen, mäßigend auf die Konfliktparteien einzuwirken?

Krischer: Ja. Die Kirchen haben nicht das geringste Interesse daran, dass der Konflikt wieder aufflammt. Die Frage bleibt allerdings, welchen Einfluss sie tatsächlich auf die Akteure haben. In jedem Fall gießen Amtsträger beider Seiten kein Öl ins Feuer. Eine neue Rolle spielt aber auch das Internet und die sozialen Netzwerke, über die Bedrohungs- und Verschwörungstheorien verbreitet werden.

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Wir singen das Lied der „kambrischen Explosion“

Screenshot: „John Palmer: The Cambrian Explosion in Song“

Ein Blick auf Wissenschaft in Musikvideos

Wissenschaft und Technik durchdringen unsere Gesellschaft und begegnen uns in allerlei Formen auch in der Popkultur, selbst in etwas unerwarteten Formaten wie etwa in Musikvideos. In diesem Beitrag soll ein kurzer Streifzug durch die wundersame Welt der Musikvideos mit wissenschaftlichen und artverwandten Themen unternommen werden.

Von Joachim AllgaierTELEPOLIS

Internetexperten gehen davon aus, dass schon in naher Zukunft ein sehr großer Teil des Internets aus Videoinhalten bestehen wird. Angeblich sollen jetzt schon täglich um die 60.000 Videoclips auf YouTube hochgeladen und über 100 Million Clips pro Tag angesehen werden.

Ein gewichtiger Anteil der Videos, die auf Online-Videoplattformen wie YouTube oder Vimeo hochgeladen, geteilt und angesehen werden, sind Musikvideoclips. Nach einer Studie von Xu Cheng, Cameron Dale und Jiangchuan Liu handelte es sich bei Musik und Musikvideos um die populärsten Inhalte bei YouTube, die über ein Fünftel des Gesamtinhalts von YouTube ausmachen.

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Antike Medizin entdeckt

Eine mehr als 2000 Jahre alte antike Tablette liegt in einer alten Dose. Foto: dpa, PNAS

In einem etwa 2000 Jahre alten Schiff entdecken Experten ein Arzneimittel. Forscher kommen nach Untersuchungen zu dem Ergebnis: Es handelt sich wohl um ein antikes Medikament für die Augen.

RP ONLINE

Ein mehr als 2000 Jahre altes Medikament haben italienische Forscher entschlüsseln können. Es handelt sich vermutlich um eine Arznei für die Augen. Das berichtet das Team um die Chemikerin Erika Ribechini von der Universität Pisa in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“).

Mittel wurde auf die Lider aufgetragen

Die Forscher untersuchten graue Präparate aus einem Zinkgefäß. Es war aus dem Bauch eines vor zwei Jahrtausenden vor der toskanischen Küste gesunkenen Schiffes namens „Relitto del Pozzino“ geborgen worden. Die Analyse von Teilen eines zerbrochenen Klümpchens ergab, dass es von der Zusammensetzung und der Form her als Medizin für die Augen gedacht gewesen sein könnte. „Das Mittel wurde direkt auf die Lider aufgetragen“, sagte Ribechini der Nachrichtenagentur dpa.

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