BKK-IHV: Religiöser Fundamentalismus von Pro-Life finanziert

bkk_ihvDie Betriebskrankenkasse für Industrie, Handel und Versicherungen bestreitet die bewusste Finanzierung von Spitzeln gegen die Verschreibung der „Pille danach“

Von Peter MühlbauerTELEPOLIS

Nachdem eine mit K.O.-Tropfen betäubte Frau von zwei katholischen Kliniken in Köln unter Hinweis auf religiös begründete Verbote abgewiesen wurde, kam ans Licht, dass 2011 eine „Detektivin“ in zehn kirchlichen Krankenhäusern der Karnevalshochburg zum Schein die Pille danach verlangt hatte. Weil sie in vier Kliniken an eine (organisatorisch nicht zum Krankenhaus gehörige) Notfallpraxis verwiesen worden war, wandte sich ein fundamentalistischer Katholik mit dieser Information an das Erzbistum Köln, das darauf hin über den Diözesan-Caritasverband sicherstellen wollte, dass sich die Ärzte in katholischen Kliniken „gemäß der Lehre der Kirche zu verhalten“.

Am Mittwoch berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, solche „Detektive“ seien über die Gruppe „ProLife“ von der Betriebskrankenkasse für Industrie, Handel und Versicherungen (BKK-IHV) bezahlt worden.

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Das 8. Gebot oder ein Limburger fliegt nach Indien(First Class in die Slums)

Franz-Peter Tebartz-van Elst (2008) Bild: wikipedia/Moguntiner

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“
So steht es in der Bibel. Und daran, sollte man glauben, halten sich gerade Glaubensbrüder. Doch womöglich gelten für manche kirchlichen Würdenträger eigene Maßstäbe. Wie möglicherweise für den Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst?

Von der SPIEGEL-Rechtsabteilung

Im vergangenen Jahr ging es bei einer Recherche um genau diesen Bischof. Der SPIEGEL hatte erfahren, der Gottesmann sei First Class in die Slums von Indien geflogen, um dort den Ärmsten der Armen zu helfen. Ein katholischer Bischof, der zusammen mit seinem Generalvikar in der Luxusklasse reist? Das drängte nach Aufklärung.

Fragen und Antworten gingen hin und her, Anwälte und Gericht wurden bemüht, alles nur, weil der Bischof die Frage nach seinem First-Class-Flug nicht mit einem einfachen, ehrlichen „Ja“ beantwortete. Stattdessen legte Tebartz-van Elst bei Gericht sogar eine eidesstattliche Versicherung vor, deren Inhalt nicht wirklich der weltlichen Wahrheit entspricht.

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Gestörte Wahrheit bei den Katholen

Kirche_raus_GebärmutterHintergründe zum Kölner Vergewaltigungsfall

Von Petra Lorlebergkath.net

Nur fünf der Kölner Kliniken hätten die „anonyme Spurensicherung“ beim Fall des mutmaßlichen Kölner Vergewaltigungsopfers durchführen können. Hätten auch Kliniken in öffentlicher Hand die Patientin abweisen müssen?

Der Fall des an zwei kirchlichen Kölner Krankenhäusern angeblich „abgewiesenen“ mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers schlägt weiter Wellen. Vor einigen Tagen hatte der „Kölner Stadtanzeiger“ folgendes berichtet: „Eine Notärztin, die eine Vergewaltigung nicht ausschließen konnte“, habe zwei katholische Kliniken „um eine Spurensicherung gebeten, um mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern. Sie wurde mit der Begründung abgewiesen, die gynäkologischen Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der Pille danach verbunden seien. Ärzte, die sich dieser Regelung widersetzten“, behauptete der „Kölner Stadtanzeiger“ weiter, „müssten mit fristloser Kündigung rechnen.“ Damit wurden die Weichen gestellt: Schuld ist auf jeden Fall die Moralpraxis der Kirche.

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St. Pöltner Moraltheologe: Abtreibung keine Hilfe für eine Betroffene

kath.net

Josef Spindelböck zur ‚Pille danach‘-Diskussion: Eine Abtreibung – auch im Sinne einer Nidationshemmung durch eine ‚Pille danach‘ (Levonorgestrel) – ist keine wirkliche Hilfe für eine betroffene Frau

Ist die ‚Pille danach‘ mit der katholischen Morallehre zu vereinbaren? Diese Frage stellen sich nicht wenige Katholiken nach der Debatte rund um eine Vergewaltigte in Köln. kath.net hat dazu den St. Pöltner Moraltheologen Josef Spindelböck befragt. Dieser äußerte im Gespräch mit kath.net, dass eine Vergewaltigung für eine Frau ein „schlimmes und oft auch traumatisches Ereignis“ sei. Betroffenen Frauen dürfe der „nötige menschliche und fachliche Beistand“ nicht verweigert werden. „Zugleich gilt es, der Frau zu helfen, im Falle einer Schwangerschaft Ja zu sagen zum Kind, dessen Leben von der Empfängnis an heilig und unverletzlich ist.

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BuKa Merkel bejubelt evangelikale „Homo-Heiler“

Michael Diener ist Vorsitzender des Gnadauer Gemeinschaftsverbands und der Evangelischen Allianz. Beide werden von der CDU ernst genommen. Bild: Christliches Medienmagazin pro / flickr / cc by 2.0

Die Bundeskanzlerin hat dem Gnadauer Gemeinschaftsverband zu seinem 125-jährigen Bestehen gratuliert. Der Verband glaubt weiter an eine Heilung von Homosexualität – und wird von Merkel nicht zum ersten Mal hofiert.

Von Norbert Blech QUEER.DE

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einem Schreiben dem Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband zu seinem 125-jährigen Bestehen gratuliert. Das Engagement des Verbandes stärke Zuversicht, Vertrauen und Hoffnung in der Gesellschaft, so Merkel laut idea. „Mit großem Respekt sehe ich, dass der Gnadauer Gemeinschaftsverband sich seit 125 Jahren darin bewährt, den Einzelgemeinschaften für Mission und Diakonie eine gemeinsame Stimme und damit mehr Gewicht in Kirche und Öffentlichkeit zu verleihen.“

Nun darf man die Frage stellen, ob der Dachverband von rund 200.000 Christen wirklich mehr Gewicht bekommen sollte. So ist er in der Frage der Homosexualität fundamentalistischer als die Evangelische Kirche, lehnt etwa die Segnung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften oder die Öffnung von Pfarrhäusern für Homo-Paare ab.

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Katholiken gehen auf Distanz zum Papst

pontifex_twitterEine Studie über „religiöse und kirchliche Orientierungen“ unter Katholiken zeigt: Selbst viele treue Gläubige sehen ihre Kirche kritisch. Den Papst und die Bischöfe halten sie für rückwärtsgewandt.

Von Matthias KamannDIE WELT

Katholiken in Deutschland sehen ihre Kirche mittlerweile deutlich kritischer als noch vor wenigen Jahren. Immer klarer distanzieren sie sich von der katholischen Sexuallehre, vom Umgang der Kirche mit Frauen und Homosexuellen sowie von der Haltung gegenüber Geschiedenen und Christen anderer Konfessionen.

Die Glaubwürdigkeit der Institution bei ihren Mitgliedern ist durch die Missbrauchsskandale tief erschüttert, zugleich beklagen gerade treue Gläubige, dass die Präsenz der Kirche vor Ort wegen des Priestermangels stark zurückgeht. Die Grundsympathie mit größtenteils als gutwillig erlebten Pfarrern in den Gemeinden steht dabei in scharfem Kontrast zu der Meinung, dass die Bischöfe und der Papst rückwärtsgewandt seien.

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Von der Täuschung zur Äffäre – Kirche und extreme Kräfte

Die katholische Kirche unter Druck: Es geht längst nicht mehr nur um die mutmaßlich vergewaltigte Frau, die in Köln von zwei katholischen Kliniken abgewiesen wurde. Foto: Henning Kaiser (dpa)

Am Anfang war die Täuschung. Eine Scheinpatientin sollte katholische Krankenhäuser prüfen. Die bestanden den Test auch. Und trotzdem reagierte das Bistum auf einen Brief aus dem Dunstkreis von kreuz.net. Nährboden für die Krankenhausaffäre?

Westfälische Nachrichten

Die katholische Kirche unter Druck: Es geht längst nicht mehr nur um die mutmaßlich vergewaltigte Frau, die in Köln von zwei katholischen Kliniken abgewiesen wurde. Es geht um den Nicht-Umgang der katholischen Kirche mit der „Pille danach“. Und es geht darum, wie ernst Kirche offenbar fundamentalistische Kräfte nimmt, trotz sehr angreifbarer Methoden.

Das wird auch in den Kliniken diskutiert: „Warum hat man nicht gleich Strafantrag gestellt, wegen Betrugs und Täuschung“, sagt ein Funktionsträger, der nicht genannt werden will. Die offensichtlich radikalen Abtreibungsgegner, die die Standfestigkeit der Kliniken mit einem angeblichen Vergewaltigungsopfer prüfen wollten, haben eines erreicht: Die Kirche zog die Schrauben an.

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