Klaus Mertes: „Mitwisser“ sollen nicht länger zum Missbrauch schweigen


Der Jesuiten-Pater aus Bad Godesberg war bis 2011 Leiter des Berliner Canisius-Kollegs. Foto: dpa

Klaus Mertes hat eine besondere Sicht auf die Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg (Ako) in Bad Godesberg: Er war selbst Ako-Schüler, als der 2010 verstorbene Haupttäter Pater Ludger Stüper schon dort tätig war. 2010 brachte Pater Mertes den Missbrauchsskandal von Berlin aus ins Rollen. Im GA äußert er sich erstmals zum Ako.

Von Ebba Hagenberg-MiliuGeneral-Anzeiger

Sie sagen, Sie haben selbst eine wunderbare Schulerfahrung am Ako gemacht?
Klaus Mertes: Ja. Ich bin dem Ako bis heute dankbar. Ich hatte gute Lehrerinnen und Lehrer, und auch ein paar weniger gute, wie an jeder Schule. Bis heute lebe ich mit Freundschaften aus dieser Zeit. Besonders wichtig war mir die KSJ (ND) am Ako, aber auch andere Freundeskreise, die sich um ehemalige Lehrer und Patres sammelten. Ich habe die Schule 1973 mit Stolz verlassen. Und schließlich: Ohne das Ako wäre ich nicht Jesuit geworden. Das Ako gehört zu meinem Leben.

Nachträglich ist Ihnen aber auch klargeworden, dass ausgehend vom Internats- und dann Schulleiter Pater Ludger Stüper eine „homophobe Grundstimmung“ und eine „pädophile Beziehungsstruktur“ herrschten?
Mertes: Ja. Stüper war die Schlüsselfigur für die Entwicklungen im Ako seit 1968. Als Schüler gehörte ich einer rebellisch-konservativ gesonnenen Gruppe an. Wir rauften uns mit linken Mitschülern, waren uns aber zugleich augenzwinkernd in unserer rebellischen Haltung gegenüber der neuen Leitung des Hauses einig. Wir nahmen Anstoß am neuen Stil. Da mischten sich pubertäre Motive mit Intuitionen, über die ich seit 2010 vermehrt nachdenke. Das Problem der Homophobie lernte ich erst viele Jahre später in Berlin kennen.

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1 Comment

  1. Reblogged this on Jerry's Blog und kommentierte:
    Neben den beispielhaften Ausführungen von Herrn Mertes, wie mann/frau mit dem Wissen um sexuelle Gewalt umgehen kann/soll, möchte ich auf die Beschreibungen von Täterverhalten hinweisen. Ein Netz von Verschleierung und Manipulation, das Pädokriminelle auch dem Umfeld ihrer Opfer überwerfen.(jf)

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