Eine Truhe voller Moos von Darwins deutschem Freund


Hermann Müller-Lippstadt (1829-1883) löste mit seinem Einsatz für Charles Darwins Lehren politische Kontroversen aus, die bis in den preußischen Landtag reichten. Die Kirche wollte verhindern, dass er seinen Schülern am Gymnasium die Evolutionstheorie vermittelte.

Urenkel des Naturforschers Müller-Lippstadt übergab dessen verschollen geglaubte Sammlung an das Naturkundemuseum in Münster.

SCHLESWIGER NACHRICHTEN

Dr. Bernd Tenbergen, 53-jähriger Botaniker aus dem Naturkundemuseum in Münster, saß gestern an einem Esstisch im Schleswiger Amselweg und strahlte übers ganze Gesicht wie ein Dreijähriger, der vor dem Weihnachtsmann steht.

Das Geschenk, das er gerade bekommen hatte, bestand aus tausenden getrockneten Moosfetzen. Es ist das Herbarium des Naturforschers Hermann Müller-Lippstadt (1829-1883), der in regem Kontakt mit Charles Darwin stand und zu den ersten gehörte, die die Evolutionstheorie in Deutschland verbreiteten. Müller-Lippstadts legendäre Moossammlung galt in der Fachwelt seit vielen Jahrzehnten als verschollen. Man nahm an, sie sei im Zweiten Weltkrieg im Berliner Bombenhagel verbrannt.

In Wahrheit lag die Sammlung in einer alten Holztruhe im Wohnzimmer von Müller-Lippstadts Urenkel Reinhart Müller. Er hatte den Schatz vor rund 15 Jahren von seinem inzwischen verstorbenen Vater übernommen. Der Vater war es auch, der die Moose – und außerdem eine Insektensammlung – im Krieg aus Berlin rettete und mitnahm, als er wenig später nach Bad Godesberg bei Bonn zog. Dass die Sammlung in Schleswig landete, lag daran, dass Reinhart Müller 1976 wegen seiner dänischen Frau Lone in den Norden zog.

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