Eiertanz um „Phantompille, mit Angestelltenmentalität


Günther Jauch (2008) Bild: wikipedia/Bastih01

Wie redet man über einen Text, den niemand kennt? Günther Jauchs Talk über die kirchliche Abweisung eines Vergewaltigungsopfers geriet aus dem journalistischen Ruder.

Von Christian GeyerFrankfurter Allgemeine

„Günther Jauch“ ist ein öffentlich-rechtliches Talkformat, in der sich sehenden Auges folgender Vorgang abspielen kann: Ein amtliches, keinesfalls geheimes Dokument wird in den Mittelpunkt einer kontroversen Diskussion gerückt. Drei Diskutanten geben drei verschiedene Interpretationen des Dokuments. Es folgen Mutmaßungen, was nun wirklich in dem Dokument steht und was nicht. Die Diskussion kommt mangels genauer Textkenntnis nicht vom Fleck.

Und was tut der Moderator derweil? Er schaut apathisch drein, in einer Mischung aus „Wer wird Millionär?“-Pokerface und Ennui, und unternimmt im übrigen keinen einzigen Versuch, das Dokument, um das sich beinahe alles in der Sendung dreht, den Zuschauern im Wortlaut zur Kenntnis zu bringen. Weder liest er die strittigen Passagen vor, noch lässt er sie als Zitate einblenden.

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