„Pille danach“: „Rezeptvergabe wird in der Notdienstpraxis verweigert“

Setzen sich für eine rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“ ein (v.l.): Dr. Angelika Dohr, Beanka Ganser und Christoph Strässer. Foto: gh

Die Pille danach ohne Rezept, dafür setzen sich Dr. Angelika Dohr, der münsterische Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer und die gesundheitspolitische Sprecherin Beanka Ganser ein. Zu oft werde den Frauen in Deutschland in einer Notsituation die Pille nicht verschrieben. In vielen europäischen Ländern sei die Pille dagegen rezeptfrei zu bekommen.

Von Gabriele Hillmoth – Westfälische Nachrichten

Frauen rennen in Münster von einer Adresse zur nächsten, um die „Pille danach“ zu bekommen – Dr. Angelika Dohr, Frauenärztin und Leiterin der Beratungsstelle Pro Familia in Münster, berichtet von Frauen, die an Krankenhauspforten abgewiesen worden seien. Selbst in der zentralen Notdienstpraxis in Münster seien keine Rezepte für die „Pille danach“ ausgestellt worden.

„Kein Einzelfall“, sagt die Ärztin. In der Notfallpraxis in Münster sei einer Frau auch gesagt worden, so Dohr, dass sie kein Notfall sei. Die Frauenärztin wünscht sich darum, dass auch in Deutschland – wie in 28 anderen europäischen Ländern – die „Pille danach“ bald rezeptfrei zu bekommen ist. Dabei sei es nicht nötig, dass Frauen überhaupt in eine solche Schocksituation gerieten.

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Ändern Frauenärzte Berufsverbände Studien im Sinne von Meisner?

Bild: n-tv.de

Möglicherweise um Kardinal Meisner zu unterstützen, änderten die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) e.V. und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) e.V. ihre gemeinsame Stellungnahme zur Verabreichung der „Notfallkontrazeption“. Jegliche frühabtreibente Wirkung wird nun plötzlich geleugnet.

Katholisches Magazin für Kirche und Kultur

„Liebe KollegInnen, leider wird in diesen Tagen viel Unsinn über die Pillen danach, EllaOne und Pidana, verbreitet. Einzig richtig ist, dass beide Pillen den Eisprung verschieben und somit die Spermien keine Gelegenheit finden, eine Eizelle zu befruchten. Dabei ist Mittel der Wahl ellaOne, weil Ulipristalazetat es noch bis zur Follikelgröße von 18mm also kurz vor der Ovulation vermag, den Eisprung zu verschieben. Pidana mit Levonorgestrel vermag das nur bis 48 Stunden vor dem Eisprung.“

In einer gemeinsamen Stellungnahme 04/2012 wird deutlich vorsichtiger argumentiert. Wir dokumentieren hier die Stellen, die eine frühabtreibende Wirkungen zumindest nicht ausschließen und ersatzlos in der neuen Stellungnahme fehlen:

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Paläontologie: Mutter aller Säugetiere

Der hypothetische Vorfahr aller Säuger könnte so ausgesehen haben. (Bild: Carl Buell)

Mehr als 5000 Säugetierarten bevölkern derzeit die Erde, viele tausend weitere taten es in der Vergangenheit. Seit wann es diese enorm erfolgreiche Wirbeltierklasse gibt, ist allerdings unter Evolutionsbiologen heftig umstritten. Umstritten ist auch, wie das Tier ursprünglich aussah, das an der Wurzel dieser Entwicklung stand. Den höchstwahrscheinlichen Ursäuger präsentierten Wissenschaftler im Fachmagazin „Science“.

Von Michael Stang Deutschlandfunk

Die Evolutionsbiologin Maureen O’Leary von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York wollte eine an sich einfache Frage beantworten, um die aber über Forschergenerationen hinweg gestritten wird. Haben die höheren Säugetiere, also jene, die weder einen Beutel haben noch Eier legen, schon während der Blütezeit der Dinosaurier gelebt oder haben sie sich erst entwickelt, nachdem die Urzeitriesen vor 65 Millionen Jahren ausgestorben sind?

„Unsere Studie gibt darauf eine einfache Antwort. Wenn wir fragen, ob zur Zeit der Dinosaurier bereits Fledermäuse, Nagetiere und Primaten gelebt haben, sagen unsere Ergebnisse eindeutig: Nein.“

Um eine derart klare Aussage treffen zu können, haben Maureen O’Leary und ihr internationales Forscherteam ein Mammutprojekt gestemmt. Zunächst haben sich die Wissenschaftler mehr als 4500 äußerliche Merkmale der Säugetiere herausgesucht. Dazu zählten anatomische Besonderheiten wie der Aufbau des Skeletts, das Vorhandensein und die Funktion bestimmter Organe, aber auch Verhaltensmerkmale wie die Ernährung und die unterschiedlichen Fortpflanzungsmethoden.

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Weltkonzern: Katholische Kirche

Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.

Bei der Jauch-Diskussion mit Martin Lohmann und Caritas-Präsident Peter Neher offenbarte sich die „stille Transformation“ der Kirche von der Glaubensgemeinschaft zum Wohlfahrts-Konzern.

Von Michael SchäferKath.net

Selten war eine Fernsehsendung so aufschlussreich für die Problematik „Kirche und Gesellschaft in Deutschland“ wie die Diskussionsendung „In Gottes Namen – wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?“ unter Leitung von Günter Jauch.

Vordergründig ging es um die „Pille danach“ aufgrund der jüngsten Vorfälle im Erzbistum Köln und der Stellungnahme von Kardinal Meisner in dieser Sache. Während Martin Lohmann unter den teilweise arg inquisitorisch wirkenden Fragen des Moderators bemüht war, die kirchliche Position („eine Pille mit verhütender Wirkung bei Vergewaltigung ja, eine solche mit abtreibender Wirkung auch unter diesen Umständen nein“) darzustellen und zu verteildigen, war der Rest der Runde (und das Publikum) damit beschäftigt, die wenig authentische Fassungslosigkeit über so viel Rückständigkeit zu artikulieren.

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Nietzsche und das Christentum

Bild: akademische-blaetter.de

Nietzsches unablässige Angriffe auf die Moral des Christentums bilden den Hintergrund seines gesamten Werkes. Sie sind der bleibende Stachel im Fleisch des Christentums und eine beständige Aufforderung an die „tote Christenheit“ zu radikaler Jesusnachfolge.

akademische Blätter

„Es gibt dankbarere Aufgaben, als die Moralkritik des späten Nietzsche darzustellen“, schreibt Winfried Schröder in seiner erhellenden Reportage über den „moralischen Nihilismus“, eine sehr umsichtige Auseinandersetzung mit der radikalen Moralkritik seit Beginn der praktischen Philosophie bei den Sophisten und dem Wiederaufgreifen durch Platon. Die These der Sophisten war, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei und damit auch Recht und Moral eine Frage der Macht: Was gilt oder zumindest gelten soll, setzen diejenigen durch, die über die entsprechenden Mittel verfügen, nicht nur Meinungsführer zu sein, sondern auch tatsächlich zu herrschen. Die herrschende Moral steht im Interesse der Herrschaft der Mächtigen. Platon und „sein“ Sokrates wurden nicht müde, dem die Idee entgegenzustellen, dass es bei weitem besser wäre (aufs Ganze für alle Beteiligten), wenn das Recht die Macht bekäme. Daher verlangt Platon in seiner Schrift über den gerechten Staat (Politeia), dass die Philosophen Könige sein sollten oder die Machthaber wenigstens philosophieren.

Die Basis der ganzen Argumentation – und auch die Argumentation selbst – lässt sich nicht auf wenigen Seiten darstellen. Vielleicht wäre diese Aufgabe eine dankbarere. Allerdings wusste Platon, dass man nicht ohne weiteres wird sagen können, was „das Gute“ sei. Es muss genügen, was Rousseau einmal so formuliert hat:  „Ich würde mir nicht anmaßen, Leute zu belehren, wenn andere sie nicht irreführten.“

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