Nietzsche und das Christentum


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Nietzsches unablässige Angriffe auf die Moral des Christentums bilden den Hintergrund seines gesamten Werkes. Sie sind der bleibende Stachel im Fleisch des Christentums und eine beständige Aufforderung an die „tote Christenheit“ zu radikaler Jesusnachfolge.

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„Es gibt dankbarere Aufgaben, als die Moralkritik des späten Nietzsche darzustellen“, schreibt Winfried Schröder in seiner erhellenden Reportage über den „moralischen Nihilismus“, eine sehr umsichtige Auseinandersetzung mit der radikalen Moralkritik seit Beginn der praktischen Philosophie bei den Sophisten und dem Wiederaufgreifen durch Platon. Die These der Sophisten war, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei und damit auch Recht und Moral eine Frage der Macht: Was gilt oder zumindest gelten soll, setzen diejenigen durch, die über die entsprechenden Mittel verfügen, nicht nur Meinungsführer zu sein, sondern auch tatsächlich zu herrschen. Die herrschende Moral steht im Interesse der Herrschaft der Mächtigen. Platon und „sein“ Sokrates wurden nicht müde, dem die Idee entgegenzustellen, dass es bei weitem besser wäre (aufs Ganze für alle Beteiligten), wenn das Recht die Macht bekäme. Daher verlangt Platon in seiner Schrift über den gerechten Staat (Politeia), dass die Philosophen Könige sein sollten oder die Machthaber wenigstens philosophieren.

Die Basis der ganzen Argumentation – und auch die Argumentation selbst – lässt sich nicht auf wenigen Seiten darstellen. Vielleicht wäre diese Aufgabe eine dankbarere. Allerdings wusste Platon, dass man nicht ohne weiteres wird sagen können, was „das Gute“ sei. Es muss genügen, was Rousseau einmal so formuliert hat:  „Ich würde mir nicht anmaßen, Leute zu belehren, wenn andere sie nicht irreführten.“

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