Kinderbücher: Das „Negerlein“ soll verschwinden – Zensur?


„Negerlein“ und „Zigeuner“ sollen aus Kinderbuch-Klassikern wie „Die kleine Hexe“ verschwinden. Viele Deutsche halten davon nichts.© Marijan Murat/DPA

Geht es nach der Mehrheit der Deutschen, sollen Wörter wie „Negerlein“ nicht aus alten Kinderbüchern verschwinden. Die meisten Befragten halten Streichungen für Zensur.

stern.de

Eine große Mehrheit der Deutschen lehnt die Streichung diskriminierender Begriffe wie „Negerlein“ aus Kinderbüchern ab. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 70 Prozent, solche Wörter sollten nicht entfernt werden. Nur 22 Prozent sind dafür. 65 Prozent der Befragten finden, dass nachträgliche Eingriffe Zensur wären.

Der Stuttgarter Thienemann-Verlag hatte im Januar angekündigt, Begriffe wie „Negerlein“ und „Neger“ aus Kinderbuch-Klassikern wie Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ zu streichen. Auch andere Verlage feilen daran.

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5 Comments

  1. @Emporda:
    Es geht hier nicht um Religion. Das Buch Pipi Langstrumpf ist so säkular wie nur irgendwie möglich.

    Wie sylar_5 schon sagte, wir haben beim Umgang mit Büchern die Wahl zwischen dem Erhalt der Bedeutung (und damit der vom Autor angestrebten Botschaft) oder des Wortlauts (und damit der historischen Originalität). Beides gleichzeitig wird nach mehreren Jahrzehnten beinahe unmöglich.

    Die Sprache Goethes ist für ein deutsches Kind der 80er Jahre beinahe eine Fremdsprache, die oft der Erklärung eines Lehrers bedarf. Nimm ein jüngeres Kind und konfrontiere es damit und es wird bestenfalls gelangweilt, schlimmstenfalls frustriert sein.

    Mark Twains Werke zum Beispiel sollen ein Abbild ihrer Zeit sein. Hier das Wort „Neger“ zu ändern wäre eine Verfälschung der Botschaft. Pippi Langstrumpf ist Unterhaltung für Kinder. Die Botschaft des Buchs hat nichts mit der Diskriminierung von Dunkelhäutigen zu tun. Stattdessen soll ein Hauch von Exotik vermittelt werden.
    Würde man das Negerlein und den Negerkönig lassen würde ironischerweise für gegenwärtige Generationen die Bedeutung des Buchs zerstört werden. Statt der Idee von großer Entfernung und unbekannten Inseln würden heutige Generationen vielleicht eher an Gold-behängte Gettho-Bosse denken.

    Du möchtest gern dass die Jugend etwas über Geschichte lernt? Schön. Es gibt absolut nichts dagegen zu sagen. Aber Kinderbücher sind das falsche Mittel.

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  2. @sylar_5
    Ein Professor der TU-Wien hat einmal einen Studenten mit starkem Dialekt gesagt, er solle sich endlich entscheiden zwischen der Sprache von „Poldi Huber“ und der von Goethe. „Poldi Huber“ ist die Kunstfigur, die als totaler Suffkopf an der Schnapsbude rumlungert und endlos Wienerischen Dummfug labert

    Der Islam hat 75 % Analphabeten bei 2 Milliarden Gläubigen. Trotzdem finden die Idioten, die weder lesen noch schreiben können, immer wieder Textstellen die den Wunderdeckhengst Mohammed beleidigen. Ägypten verbietet das Märchenbuch von „1001 Nacht“ als kriminell nach &178 Strafgesetz, der Herausgeber geht sogar ins Gefängnis.

    Sollen wir uns zu Sklaven von religiösen Extremisten machen lassen, nur weil da einige wenige meinen Blasphemie schreien zu müssen. Ich bin der Meinung NEIN, es gibt keine Verpflichtung einen bestimmten Text zu lesen. Das macht jeder ganz nach Geschack freiwiliig, seien es Grimms Märchen, Supermann Hefte oder Pornos

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  3. Sprache aendert sich. Fuer ein 50 Jahre altes Kinderbuch stellt sich eben dann die Frage:
    „Wollen wir den Wortlaut oder die Bedeutung erhalten?“ (Vorrausgesetzt, „Neger“ war damals nicht rassistisch gemeint)

    Den Wortlaut bei einem Kinderbuch zu erhalten erscheint mir wenig sinnvoll, denn das verneint einfach die Tatsache, dass Sprache sich aendert, und fuehrt dazu, dass ohne Umschreiben ploetzlich etwas ganz anderes im Buch steht.

    Bei einem an Erwachsene/Jugendliche gerichtetes Buch kann man den Lesern zumuten, sich selbst mit den entsprechenden Woertern auseinanderzusetzen. Aber bei Kinderbuechern?
    Hier geht es nicht um Zensur, denn die alte Version wird ja weiterhin verfuegbar sein. Dass allerdings eine sprachlich neutrale Version fuer Kinder angeboten wird, ist einfach nur richtig. Hier geht es einfach darum, dass beleidigende Begriffe nicht als „normale“ Woerter vorgefuehrt werden.

    @emporda: „Jeden Text in seiner Zeit belassen“ mag funktionieren, solange man seinem Kind keinen Klassiker vorlesen moechte… Natuerlich laesst sich, aufwandstechnisch, nicht jeder einzelne Text uebersetzen, deshalb sollte man aber nicht davon ablassen, heute noch gelesene Texte anzupassen.

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  4. Märchen sind auch Sprachgeschichte des Volkes. Sie sind historische Dokumente der Zeit wie etwa die Willkür (Gesetz) der Altstadt von Königsberg von 1385

    § 1. Daz keyn hantwerksknecht machen sal den montag zcu virtage noch kein werktag zcu virtagen ledik zcu gehen, unde ab keyn knecht syn meister hirumme orlop gibt und synem meister syn werg nyderlegit, myt welcherleye wende ader ufzatse her daz thut, den sal man richten an syn höst umme syn hals. Und ist is daz her wichet us eyner stat in eyne andere, do mag yn dye stat lasen halen, man sal en ouch der stat mit willen lasen volgen.

    § 2. Welch hantwerkes knecht ouch ledig ghit und nicht me do zcu thut, den sal dy stad zcuchtigen nach irem willen. Und welch meister von allerleye hantwergke daz vorswige und nicht dem rathe daz offenbarte, ab sin knecht kegen ym breche, als vorgeschreben stet, daz sulde der meister dem rate bessern mit czven marken nicht zcu lasen.
    usw. bis § 10. nachlesbar in den Regesten des Ritterordens

    Muss das jetzt auch übersetzt und „gereinigt“ werden, damit sich ja kein Religionsfuzzi beleidigt fühlt und Blaphemie schreit

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  5. Jede Sprache ist ein lebendes Objekt und wandelt sich fortlaufend. Wer einmal nach 10 Jahren plus zurückkommt, wird das sehr deutlich zu spüren bekommen. Man sollte jeden schriftlichen Text als Ausdruck seiner Zeit belassen, sonst müßten jedes Lande 10.000de Germanistenknechte beschäftigen ständig die Literatur immer wieder umzuschreiben.

    In der NS-Diktaur gab es von den Fundis ähnliche Bestrebungen alles fremdländische und undeutsche in der Sprache zu verbieten und per Führerbefehl einzudeutschen
    Motor war verboten, das war ein Treibling
    Explosion war verboten, das war ein Zerknall
    Zylinder war verboten, das war ein Topf
    Elektrizität war verboten, das war die Bernkraft
    Lokomotive war verboten, das war eine Zieh usw.

    Ein 4-Zylinder Explosionsmotor degenerierte zum 4-Top Zerknalltreibling. Wie eine E-Lok oder Bernzieh heißt, wenn sie die Wagons schiebt, das war nicht zu ermitteln. Für den Begriff Logarithmus gab es kein offizelles NS-deutsches Wort. Mein Physikprofessor, der im Krieg an der Ingnieurschule Stettin unterrichtete, hat diesen Teil aus dem Lehrplan gestrichen. Bei Verwendung des Wortes Logarithmus hätten ihn als Österreicher die strammen Hitlerjungs unter den Studenten sofort wegen Feindpropaganda und Wehrkraftzersetzung angezeigt.

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