Hubertus Mynarek: »Diese Kirche ist am Ende«

Hubertus Mynarek, Bild: mironde.com

Für »unwahrscheinlich« hält es der Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek, dass der wahre Grund für den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ein Sexskandal im Vatikan ist, wie italienische Medien mutmaßen.

Interview von Ingolf BossenzND

Dabei geht es um ein angeblich im Zuge der Vatileaks-Ermittlungen aufgedecktes geheimes Netzwerk homosexueller Priester. »Jemand, der wie Ratzinger Jahrzehnte in der Kurie tätig war, dürfte von solchen Berichten wohl kaum überrascht sein«, sagte der ehemalige Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien im Interview mit »neues deutschland«.

ND: Professor Mynarek, heute Abend wird Joseph Ratzinger im Vatikan einen Hubschrauber besteigen und zur Residenz Castel Gandolfo bei Rom fliegen. Was lässt der kranke – nun ehemalige – Papst zurück?

Eine kranke Kirche. Eine Kirche die der Lösung ihrer inneren und äußeren Probleme in den vergangenen acht Jahren nicht nur keinen Millimeter nähergekommen ist, sondern deren Krise durch das unheilvolle Wirken eines verbohrten Ideologen zudem auf das Äußerste verschärft wurde. Eine Kirche, die geistig und geistlich eigentlich schon tot ist.

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Deschner und Ratzinger: „Wir sind müde“

Besucher auf dem Petersplatz im Vatikan beim letzten Angelus-Gebet. Der Papst gibt sein Amt, Karlheinz Deschner sein Opus magnum ab. Bild: dpa

Hat Gott Humor? Papst Benedikt XVI. gibt sein Amt auf. Und Karlheinz Deschner, der schärfste Kritiker des Christentums, schließt sein Opus magnum ab.

Von Alexander Wallasch – taz

„Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“

So sprach’s Benedikt XVI., der „emeritierte Bischof von Rom“, wie sein Titel dann ab dem 28. Februar 2013, 20 Uhr, lauten wird.

Ein Burn-out? Auf jeden Fall kein Einzelschicksal. Denn andere ermüden im hohen Alter ebenfalls am übergroß abgesteckten Lebenswerk.

Radikaler Kirchenkritiker

Karlheinz Deschner (geb. 1924) ist so ein Benedikt-XVI.-Leidensgenosse. Und obendrein wird der von „allen Kirchenkritikern unseres Jahrhunderts belesenste, radikalste und leidenschaftlichste“ (SZ) zum unfreiwilligen Anwalt eines humorvollen Gottes:

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Evangelische Kirche: Pfarrer und ihre Illusionen vom NS-Staat

© Institut für Stadtgeschichte: Gotteshaus mit Hakenkreuz: Auch an der Alten Nikolaikirche auf dem Römerberg hängen Fahnen, vermutlich zum Besuch Hitlers im März 1938.

Jürgen Telschow überlegt nicht lange: „Gegen manche Pfarrer hätte man 1945 schärfer vorgehen müssen.“ Zum Beispiel gegen diejenigen, die in der ganzen Zeit des Nationalsozialismus Dekane waren und es nach dessen Ende blieben.

Von Stefan ToepferFrankfurter Allgemeine

Zum Beispiel gegen Erich Meyer, der die Weiterbeschäftigung einer Gemeindeschwester aus einer jüdischen Familie, die sich hatte taufen lassen, unterband und sie großer Gefahr aussetzte. Auch über ihn befand die Kirche, dass er im Pfarramt bleiben dürfe. „Es ist schon die Frage, ob das nicht zu milde war“, sagt Telschow, ein Kenner der Geschichte der evangelischen Kirche in Frankfurt. Vor kurzem hat er ein Buch über die Zeit zwischen 1933 und 1945 vorgelegt. „Ringen um den rechten Weg“ heißt es.

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