Friedensnobelpreisträger Walesa: Schwule raus aus dem Parlament?


(Foto: REUTERS)

Zu einem Gesetz über homosexuelle Lebenspartnerschaften können sich die Polen bislang nicht durchringen. Und die Diskriminierung geht weiter: Der Friedensnobelpreisträger möchte auch keine Schwulen und Lesben im Parlament sehen. Auch öffentliche Demos lehnt er ab – sie würden seinen Enkeln „den Kopf verdrehen“.

n-tv

Der frühere polnische Präsident Lech Walesa hat sich abfällig über Homosexuelle geäußert. Schwule und lesbische Abgeordnete sollten in der letzten Reihe des Parlaments oder sogar außerhalb sitzen, da sie nur eine Minderheit repräsentierten, sagte der Friedensnobelpreisträger. Der streng gläubige Katholik bejahte damit eine entsprechende Frage eines Journalisten: Homosexuelle sollten im Parlament „nahe der Mauer oder sogar hinter der Mauer“ sitzen, sagte Walesa.

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2 Comments

  1. Wir sollten uns mal daran erinnern – zumindest wir Älteren – wie noch vor 25 und 50 Jahren in Deutschland über diese Problematik gedacht und empfunden wurde. Da war man noch nicht soweit wie Walesa heute. Immerhin sagt er: »… mit [dieser Minderheit bin] ich nicht einverstanden, die ich aber toleriere und verstehe«.

    Soweit war man damals bei uns noch nicht. Homosexualität unter Männern war seinerzeit in weitesten Bevölkerungskreisen Deutschland geächtet, verboten war sie sowieso. Die katholische Kirche kündigt noch heute Arbeitnehmern, die ihre homosexuelle Orientierung offen bekennen. Und ich bin sicher, dass viele Bundestagsabgeordnete so denken wie Walesa, lediglich aus Gründen der politischen Korrektheit sich dazu nicht äußern.

    Ein bischen Geschichte fällig?

    Die Humanistische Union thematisierte 1962 zum Beispiel die ihrer Ansicht nach nicht zu rechtfertigende Strafbarkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen und forderte daher die Abschaffung des berüchtigten Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches. Für viele war das damals ein ungeheuerliches, absolut amoralisches Ansinnen. Schließlich fordert die Bibel für Homosexualität unter Männern die Todesstrafe.

    Der § 175 des Strafgesetzbuches formulierte in seiner Fassung von 1935: »Ein Mann, der mit einem anderen Mann Unzucht treibt oder sich von ihm zur Unzucht mißbrauchen lässt, wird mit Gefängnis bestraft. Bei einem Beteiligten, der zur Zeit der Tat noch nicht 21 Jahre alt war, kann das Gericht in besonders leichten Fällen von einer Strafe absehen.« Unzucht lag nach einer Definition des Reichsgerichts dann vor, wenn »objektiv das allgemeine Schamgefühl verletzt und subjektiv die wollüstige Absicht vorhanden war, die Sinneslust eines der beiden Männer oder eines Dritten zu erregen.« Das Strafmaß lag zwischen 6 Monaten Gefängnis und 10 Jahren Zuchthaus in besonders schweren Fällen. Während der national-sozialistischen Herrschaft wurde der Paragraph verschärft. Homosexuelle Männer wurden ins Konzentrationslager eingeliefert, sie kamen teilweise sogar nach ihrer Befreiung im Jahre 1945 erneut in Gefängnishaft.

    Der Paragraph hatte – wenn auch mit abnehmender Inanspruchnahme durch Polizei und Staatsanwaltschaften und Entschärfung im Jahre 1969 – Gültigkeit bis 1994 (!)

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