F. Schorlemmer: Der blutige Kampf um den neuen Glauben


Friedrich Schorlemmer, Bild: ekd

„Ich röche dich lieber gebraten in deinem Trotz“, rief der eine dem andern zu. „Solchen Mäulern muss man mit der Faust antworten, dass ihnen das Blut aus der Nase läuft“, erwiderte der andere. Intolerant waren beide – die Reformatoren und ihre Opfer. Das macht Friedrich Schorlemmer im EKD-Magazin zum Themenjahr „Reformation und Toleranz“ der Lutherdekade deutlich.

Von Friedrich Schorlemmer EKD

Zu den dunklen Kapiteln der Reformation gehört der buchstäblich mörderische Kampf um Geist und Buchstabe, um religiöse und soziale Gerechtigkeit, um unmittelbare Gottesherrschaft als Volksherrschaft einerseits und von Gott abgeleitete Obrigkeit mit Untertanengehorsam andererseits. Im Kampf der Bauernhaufen um soziale Gerechtigkeit blieben die Fürsten Sieger. Luther stand fortan als der „Realist“ treu an der Seite der Mächtigen – gegen jede Gesellschaftsutopie, erst recht gegen die anarchistischen Münsteraner. Der Wittenberger Reformator hatte 1522 gegen die Bilderstürmer für strikte Gewaltlosigkeit in Glaubensdingen plädiert: „Predigen will ich’s, sagen will ich’s, schreiben will ich’s. Aber zwingen, mit Gewalt dringen, will ich niemanden, denn der Glaube will willig, ungenötigt angenommen werden…

Was meint ihr wohl, was der Teufel denkt, wenn man die Sache mit Gewalt, mit Rumor ausrichten will? Er sitzt hinten in der Hölle und denkt: Oh, wie werden nun die Narren so ein feines Spiel machen!“ Tolerieren hieß hier: die freie Entscheidung und freie Einsicht eines jeden respektieren. Fortan wurden indes rechthaberisch Wahrheiten gegenseitig in Stellung, nicht ins Gespräch gebracht. Luther schlägt zu, Müntzer schlägt zurück. Müntzer versteigt sich dazu, „daß man die gottlosen Regenten, sonderlich Pfaffen und Mönche töten sollte, die uns das Heilige Evangelium Ketzerei schelten und wollen gleichwohl die besten Christen sein… die Gottlosen haben kein Recht zu leben.“ Da hatten sich die hohen Herren bereichert und den Armen zugerufen: „Gott hat geboten, ‚du sollst nicht stehlen‘.“ Doch die Herren seien selber schuld daran, dass der arme Mann ihnen Feind wird, zumal sie die Ursache des Aufruhrs nicht wegtun wollen.

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