Moral schlägt Vernunft: Politik als säkulare Religion


Wasser zu predigen und Wein zu trinken, gehört zu den festen Ordensregeln der politischen Priesterschaft Bild: picture alliance

Mündige Bürger wissen, dass sich ihre Wünsche nicht von alleine erfüllen. Dennoch lassen sie sich weismachen, dass ein Kreuzchen an der richtigen Stelle Träume wahr werden lässt. Längst schon ist Politk zur säkularen Religion geworden. Woran liegt es, dass das Eintauchen in die Sphäre der Politik rationale Zeitgenossen in infantile Träumer verwandelt?

Von Rolf W. PusterCicero

[…] niemals wird Erfüllung sein
Den Schwachen, die ihr Blut dem Traum verpfänden,
Und höhnend schlägt das Schicksal Krug und Wein
Den ewig Dürstenden aus hochgehobnen Händen.
(Ernst Stadler)

Manche radikale Staatskritiker machen Lärm mit der These, dass alle Politiker Gauner sind. Dem möchte ich entgegnen: Wenn die Welt nur so einfach wäre!

Leider haben wir mit der politischen Klasse andere und größere Probleme als die Frage, ob ihre Vertreter einen lauteren Charakter aufweisen. Das Interesse, ob Politiker echte Überzeugungen haben oder nur heuchlerisch wohlklingende Phrasen dreschen, ist fehlgeleitet und der Natur des politischen Geschäfts ganz und gar unangemessen. Redlichkeit hat im privaten Umfeld oder im Berufsleben ihr Gewicht. Doch ihr im Feld des Politischen nennenswerte investigative Mühe zu widmen, ist eine Fehlinvestition.

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