Dodo März 2013: Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF)


Dodo des Monat März 2013
Dodo des Monat März 2013

ZDFImmer dann wenn der HERR über den Mainzer Lerchenberg fliegt wird sein bis dahin gleitender Flug eine Flucht. Zum einen gehen ihm die naiv-blöden Mainzelmännchen gehörig auf die Nüsse, die er auch noch in einem Chorfenster der Karmeliterkirche in Mainz, seit ca.1970, zu sehen bekommt, zum anderen ist es die dumpfe religöse Servilität des zweiten öffentlich-rechtlichen Funktionärsfernsehen, die ihn ungöttlich verängstigt.

50 Jahre ZDF hieß es am 1.April 2013. 50 Jahre Glaube, Kirche und Christentum, Mission im Programm, mit Steuergeldern nunmehr finanziert, rauscht die Märchen-und Sagenwelt der Bibel durch den Äther. Häufiger als in anderen Kanälen tauchen christliche Glaubensinhalte sogar in den Nachrichtensendungen auf. Es gilt die christliche Leidkultur unters Volk zu bringen. Eine Studie im März 2012 bestätigt, das „heute-journal“ berichtet deutlich öfter über Glaubensinhalte als z.B. die ARD.
Zum 85. Geburtstag der römischen Spukgestalt kam die lange Papstnacht zum Zuschauer. Die Dauer-Kontroverse zwischen Küng und Ratzinger war dem ZDF eine eigene Doku wert. Die  EKD-Lutherbotschafterin Margot Käßmann vor der Kamera
der Doku-Reihe „Terra X“. Bibelrätsel, die von Wissenschaftlern untersucht werden, „Sterbehilfe“ aus Sicht der Händefalter in den Redaktionsstuben des Senders. Und am Karfreitag das abolute Highlight des Osterfestes, Christenverfolgung, 2000 Jahre lang, über die Verfolgten der Christen wird nichts gesagt. Der Dreißigjährige Krieg wird im ZDF ausgefochten, gut christliche Unterschiede machte nur Guido Knopp in seiner Sendung „History Quiz“ deutlich, hagere Intellektuelle aus protestantischem gegen wohlgenährte, barocke Frohnaturen aus katholischem Stall, Wortseligkeit gegen Ritenfrömmigkeit, dozierende Karfreitags- gegen singende Fronleichnamsmenschen.

Wahrlich, neutrale Sendeangebote beim ZDF sind selten, von allen finanziert, wird der Christengott eindeutig bevorzugt. Das ZDF macht Wunder erlebbar: Ein  Wunder präsentierte Guido Knopp in einer ZDF-Sendung. Unter dem Titel »Grenzfälle der Wissenschaft« stellte er am 6. Februar rätselhafte Ereignisse und ungeklärte Phänomene vor. Unter der Fragestellung »Wo hört Wissen auf? Wo fängt Glaube an?« durften die Zuschauer erleben, wie Johannes Paul II. 1986 auf der Karibik-Insel Saint Lucia ein »offenkundig krankes« Kind küßte und segnete. Kevin Jeremie, so der Kommentar, habe als Kleinkind »weder stehen noch aufrecht sitzen« können. Unmittelbar danach habe der damals 18 Monate alte Junge plötzlich – per »Macht des Glaubens«! – normal laufen können. Zweifellos ein Wunder. Leider drehte die vorher so günstig positionierte Kamera im entscheidenden Augenblick ab in den Himmel, statt das sensationelle Ereignis zu filmen.

Wo hört bei Guido Knopp Wissen auf, wo fängt Glaube an? Der Leiter der Abteilung Zeitgeschichte des öffentlich-rechtlichen ZDF wird seit 1994 als Professor für Journalistik an der Gustav-Siewerth-Akademie in Weilheim-Bierbronnen (Baden-Württemberg) geführt. Diese »staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule« bietet seit 1988 offiziell Studiengänge in Philosophie, Soziologie und »Familienwissenschaft« (Katholische Theologie und Pädagogik) sowie als Nebenfächer Journalistik und Philosophie der Naturwissenschaften an. Nach eigenem Bekunden steht für die »wissenschaftliche Hochschule« mit 20 bis 30 Studenten nicht die Vermittlung von Wissen und wissenschaftlichen Fertigkeiten im Vordergrund, sondern die Vermittlung eines christlichen Weltbildes: ultrakonservativer Katholizismus und religiös untermauerter Antikommunismus.

Die Bekämpfung der Evolutionstheorie zugunsten der Geschichte von Adam und Eva gehört bis heute zu den Hauptanliegen der Gustav-Siewerth-Akademie und ihrer mittlerweile 86-jährigen Prorektorin Alma von Stockhausen.

Aus solchen Quellen schöpft das ZDF. Nicht zu vergessen Dodo-Hahne, der erkannt hat, viel besser als Politik, Medien-Tagesgeschäft und schlimme Nachrichten sind doch Botschaften die den Herrn zum Inhalt haben.

50 Jahre ZDF, eine unendliche Geschichte christlicher Schmonzetten, dumm, dümmer, ZDF. Das Durchschnittsalter der Zuschauer soll bei 61 Jahren liegen, nach dem Gottesdienst, das ZDF einschalten und sich weiter christlich beduseln lassen,Gehirn ausschalten.

Die Kontroverse um  die ZDF-Comedy „Götter wie wir“ hat dann nur noch Alibifunktion. Unter anderem hatte der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes, Wolfgang Baake, Beschwerde eingelegt. Satire, über christliche Glaubensinhalte ist im Publikum des ZDF nicht wohlgelitten. Tröstend fürs ZDF, man hat ja Verbindungen zum Christlichen Medienverbund. Die personelle Vernetzung von Mitarbeitern des ZDF mit christlichen, evangelikalen und katholischen ist eine Angelegenheit für sich.

Wer ZDF schaut, bis auf ganz wenige Ausnahmen, ist der Ewiggestrigkeit verfallen.

Herzlichen Glückwunsch zum 2. Dodo.

3 Gedanken zu “Dodo März 2013: Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF)

  1. Pingback: Diskussion Religion im Aufwind? - Seite 200

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  3. Vielen Dank für die Hintegründe.

    Ich habe vor Jahren aufgehört das ZDF zu sehen und schalte ARD nur noch selten ein. Selbst alternative deutsche SAT-Programme senden vielfach nur Schrott – verfilmte Groschenromane von bösen Gutsherren und allerliebsten Mägden, die mit ihren superlangen Fingernägeln noch nie einen Handschlag gearbeitet haben.

    Die englischen Programme auf ASTRA-2 sind nicht viel besser, da wimmelt es auch von Engeln, Dämonen und gläubigen Hausfrauen, die nicht eßbaren Fraß brutzeln oder Bingo spielen. Abwechslung bieten nur brutale US-Cops und Verfolgungsfahrten mit total beknackten Autorasern

    Was wäre das Leben ohne Internet

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