Kreationismusdebatte und der geteilte Darwin


Foto: picture alliance / Mary Evans Pi, aus DIE WELT

Edward O.Wilson:

Die Skeptiker fahren fort, den Glauben zu erhalten, dass die Wissenschaften und Bildung Religion vertreiben können, weil sie meinen, die Religion sei ein Papiertaschentuch an Illusionen.
Heute sind Wissenschaftler und Gelehrte in Gruppen organisiert, wie etwa die American Human Society oder das Institute on Religion, sie geben kleine Zeitungen und Magazine heraus, um Kampagnen zu organisieren, die den christlichen Fundamentalismus, Astrologie und Immanuel Velikowsky in Misskredit bringen sollen. Ihre knackigen, logischen Vorbehalte, einschließlich die gesamte Arroganz der Nobelpreisträger, durchdringen das Problem wie ein Stahlmantel-Geschoss einen Frosch.

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit dem Journalisten Matthias Kamann zum Thema Kreationismus an deutschen Schulen, daraus resultierten Zitate (von mir freigegeben) in einem Artikel der letzten Freitag in DIE WELT, Berliner Morgenpost und Hamburger Morgenpost im politischen Teil der Zeitungen sowie zusätzlich als online-Version erschien, und für einigen Wirbel sorgt. Interessant sind auch die Internet-Reaktionen darauf, die – neben viel Zustimmung und „Teilen“ des Artikels auf verschiedensten Webseiten und in Facebook – auf typische Muster der Ablehnung weisen. Grund genug, eine kleine Doku als Blogeintrag zu verfassen.

Von Reinhold LeinfelderAch Du lieber Darwin!

Hier der Einstieg zum Artikel in DIE WELT (vom 11.4.2013):

Debatte um Kreationismus an Bekenntnisschulen (von Matthias Kamann)

Mehr als Philosophie? Der Verband evangelischer Bekenntnisschulen will die Naturwissenschaften für religiöse Deutungen öffnen. Wissenschaftler, evangelische Kirche und Schulministerien sind alarmiert.
Reinhold Leinfelder ist kein Gegner des Glaubens. Der Professor für Paläontologie und Geobiologie an der Freien Universität Berlin plädiert für konfessionellen Religionsunterricht. Und obwohl er in seiner Zeit als Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums (2006 bis 2010) viel mit bibeltreuen Gegnern der Evolutionstheorie stritt, sagt der 56-Jährige: „Gegen eine geeignete Behandlung der biblischen Schöpfungslehre im Schulunterricht ist nichts einzuwenden.“
Scharf aber kritisiert er eine „Stellungnahme“ zu „Evolution und Schöpfungslehre“, die auf der Homepage des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) steht. Hier würden „Schüler in grotesker Weise falsch über das Wesen der Wissenschaft unterrichtet“, sagte Leinfelder der „Welt“.“ … >> zum ganzen Artikel

Kommentar-Typus: Religion ist insgesamt Ausdruck von Blödheit:

User „Gesunder Menschenverstand“:  „Gegen eine geeignete Behandlung der biblischen Schöpfungslehre im Schulunterricht ist nichts einzuwenden.“
Ab da kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Religiöse Lehren haben in einem säkularisierten Land nichts, aber auch garnichts im öffentlichen Raum verloren. Sinnvoll wäre es anstatt von Religionsunterricht, verpflichtend für alle ein Fach gemischt aus Ethik und Philosophie einzuführen.

Kommentar-Typus: Evolution ist Religion:

User „Terms“: „Wenn die Evolutionstheorie als Theorie gelehrt würde, wäre das in Ordnung. Wird sie aber nicht. Die Evolution wird gewöhnlich als Tatsache dargestellt. Auch von Wissenschaftlern. Dieses Verhalten ist unwissenschaftlich und Folge von Eitelkeit oder einer Weltanschauung, die ohne „Evolution“ nicht auskommt. Wo ist dann der Unterschied zu „Glauben“?

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3 Comments

  1. Ein sehr typisches Beispiel der Evolution

    Die Tarnung des Schneeschuh-Hasen ist eigentlich optimal. Im Sommer trägt er braunes und im schneereichen Winter weißes Fell. Doch wegen des Klimawandels verkürzt sich die alljährliche Schneesaison in Nordamerika immer mehr. Der Hase hoppelt deshalb immer länger mit weißem Fell durch braun-grünen Wald – und wird somit zur leichten Beute für den kanadischen Luchs. Das berichten Forscher im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

    Nach den hirnrissigen Aussagen der Kreationisten besonders in den USA gibt es keinen Klimawandel, also kann der Schneeschuhhase auch nicht aussterben. Stirbt er aber trotzdem aus, dann war es sicher nach „Gottes großem Plan“, den natürlich kein Kreantionist oder gar ein all-wissender Papst kennt und der als Plan für alles verantwortlich ist, was sich Bildungsidioten nicht erklären können

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  2. Die Publikation von „Wort und Wissen“ sind krasse Religiotie auf der Grundlagen von phantasierten Mythen – aka Bibel

    Das biblische Weltmodell ist Idiotie mit dem Intellekt von Kleinkindern. Der himmlische Zombie bastelt sich 1.250 nie erwähnte Dinosaurier Arten, die 300 Mill. Jahre die Erde bevölkern. Vor 65 Mill. Jahren vernichtet er per Asteroiden davon 95%, damit winzige Säuger sich über die Primaten zum Homo Religiotis mit fataler Erbsünde entwickeln, während 20 weitere Homo Sapiens Arten sich ohne Erbsünde aus Neid totärgern. Der himmlische Zombie stellt sein perfektes Ebenbild als behaarte, grunzende Analphabeten Adam und Eva ins Paradies.

    Kreationismus hat noch nie wissenschaftliche Erkenntnisse geschaffen, man negiert jegliche neue Erkenntnis als unbiblisch. Texte des creation-research (CR) oder des intelligent-design (ID) wurden nie wissenschaftlich publiziert (peer-review), wie G.W. Gilchrist von der Universität Washington in über 100.000 Artikeln ermittelt. Barbara Forrest von der Southeastern-Louisiana-University und Lawrence M. Krauss von der Case-Western-Reserve-University bestätigt es.

    Wissenschaft ist eine im Ergebnis neutrale Methodologie des Zweifels, sie nutzt Theorien, Tests, Hypothesen, Fakten und Fossilien wieder und wieder auf der Suche nach begründbaren Erklärungen für eine allen Forschenden frei zugängliche und beliebig nachprüfbare Realität. Freies Denken im Zweifel als zentrales Element reduziert die Theologie zur nicht lernfähigen Pseudo-Wissenschaft mit Wahrsagen, Geistheilen und Dämonenzauber.

    Die Analyse der Genome von 61.000 psychisch kranken Personen mit Autismus, ADHS, einer bipolaren Störung, Depression oder Schizophrenie belegt vererbte genetische Ursachen. Ignoranz und Realitätsverweigerung der Religiotie gilt als Wahn oder psychopathologische Schizophrenie, bei welcher der Wähnende leidet oder als untragbar für seine Mitwelt in der Gummizelle endet.

    Immerhin hat die religiöse Wissenschaft des Kreationismus den Erfolg zu vermelden endlich Jesus Christus gefunden zu haben – Halleluja – Halleluja – Halleluja
    Der US-Sozialpsychologe Milton Rokeach führt von 1959-1961 im Ypsilanti State Hospital in Michigan eine bizarre Studie mit 3 Männern durch, die sich alle für Jesus halten. Den 3 Patienten gilt der jeweils andere Jesus als Roboter oder als Irrer. Äußere Einflüsse stimmen die 3 Söhne Gottes nicht um, zu einem Artikel in der Lokalzeitung über ihren Fall meinen sie die Patienten wären irre und gehören in eine Anstalt. Die 3 Jesus Typen wurden nie geheilt und bleiben bis zum Lebensende als ewig wahrer Sohn Gottes in der geschlossenen Psychiatrie.

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  3. @nickpol
    Vielen Dank fur die Klarstellung der Absichten des Reinhard Leinfelder.

    Uberraschend bleibt jedoch seine mangelnde Skepsis zu den politischen Umtrieben der Kirchen, die z.B. entgegen EU Arbeitsrecht, religiöse Diskriminierung von Mitiarbeitern in ihren Unternehmen kultivieren und gegenüber Frauen in Leitungsfunktionen sogar Berufsverbote praktizieren.

    Öffentlicher Religionsunterricht wurde schon immer zur Spaltung der Gesellschaft missbraucht, bis vor kurzem auch um Jungen sie für’s Schlachtfeld zu konditionieren. Auch heute wird noch versucht, Kinder mit höllischen Mythen zu verängstigen. Neu ist die absurde Deutung von Wissenschaft anhand kirchlicher Dogmen, wie kürzlich unser „hochgebildeter“ Papst Benedikt, sogar den Urknall seinem Gott zuschrieb und damit den seit 2000 Jahren beschworenen persönlichen Gott in einer Quantenfluktuation versenkte. 😉

    Ein Blick über den Rhein zeigt, erst der Laïzismus ermöglicht ein Zusammenleben vieler gesellschaftlichen Gruppen. Religiöse wie atheistische Bidung sind dort Privatsache. Damit ist auch jeder Missbrauch der Wissenschaft durch die Kirchen in öffentlichen Einrichtungen unmöglich….ein Albtraum für den deutschen Oberkatholiken Zollitsch 😉

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article10383247/SPD-Politiker-gegen-Gottesbezug-im-Grundgesetz.html

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