DIE GRÜNEN: Alternativlos in die sozial-esoterische Teilhabe?


Die_GruenenBundestagswahljahr 2013. Entsprechend bringen die Parteien ihre Wahlprogramme auf Vordermann. Am kommenden Wochenende nun wollen die GRÜNEN/Bündnis90 über ihr Programm zur Bundestagswahl abstimmen.

Die Öko-Partei, längst in der politischen Mitte der Gesellschaft angekommen macht sich stark und mit Barbara Steffens wissen wir dass es Themen sind wie Alternativmedizin, Homöopathie, Anthroposophische Medizin welche über die sogenannte “Solidargemeinschaft” finanziert werden sollen. Dagegen steht die evidenzbasierte Medizin, ein selbsterklärender Begriff, sollte man meinen. Den grünen Polit-Schamanen ist das nicht genug.
In der Bundesdelegiertekonferenz steht das Parteiprogramm zur Wahl, dort heißt es im Kapitel “G) Teilhaben an sozialer Sicherung”

“Patientinnen und Patienten müssen Wahlmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Behandlungsarten auch unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden haben

Eine sehr dehnbare Formulierung, sie kann aber als Bezugnahme auf den “Binnenkonsens” der “Alternativmedizin” interpretiert werden.

Es wird erfreulicher. Der Kreisvorstand Hagen, noch nicht im Zuckerkügelchen-Sumpf der Glaubuli-Fundamentalisten ersoffen, stellt den Antrag BTW-S-01-165.

In Z. 165/166 ist die Formulierung „unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden“ mit dem Adjektiv „wissenschaftlich“ zu ergänzen. Die Formulierung soll lauten: „unter Einbeziehung wissenschaftlich anerkannter alternativer Behandlungsmethoden“

Begründung

In den beiden Abschnitten ab Z. 167 bzw. Z. 174 bekennen wir uns richtigerweise zu wissenschaftlich validierten Wirksamkeits- und Nutzenbewertungen für Medizinprodukte, Behandlungsmethoden und Arzneimittel. Gerade im Bereich der alternativen Behandlungsmethoden muss sichergestellt sein, dass von diesen tragfähigen Standards nicht abgewichen werden kann, wenn die Solidargemeinschaft zukünftig mit den Kosten solcher Behandlungsformen belastet werden soll.

Folgt man den im Antrag genannten wissenschaftlich validierten Wirksamkeits-und Nutzensbewertungen wird schnell klar, da bleibt nichts mehr übrig, von alternativen Heilmethoden, Schamanentum und Wunderheilerpraxis.

Der zweite Antrag(Kreisvorstand Freiburg), mit der Nummer BTW-S-01-165-1 postuliert nun:

Ersetze “auch unter Einbeziehung alternativer Behandlungsmethoden” durch: “haben, sofern diese nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin anerkannt sind.“

Begründung

Die bisherige Formulierung verlangt, dass Patientinnen und Patienten auch Zugang zu anerkannten „alternativen“ Behandlungsmethoden haben, aber ohne zu klären, was mit diesem Begriff gemeint ist. Alternativ zu was? Vermutlich ist hier die „Schulmedizin“ gemeint, die aber als Begriff genauso wenig definiert ist. Wesentliches und einziges Kriterium dafür, ob Patientinnen und Patienten Zugang zu bestimmten Methoden haben sollen, sprich: ob die gesetzliche Krankenversicherung die Methode in den Leistungskatalog der beitragsfinanzierten Angebote übernehmen muss, sollte die Anerkennung der Methode nach fachlich-wissenschaftlichen Standards der Evidenzbasierten Medizin sein. Dies schließt eine gemeinsame Entscheidungsfindung unter Einbeziehung des Stands der Wissenschaft, der Präferenzen der Patientin/des Patienten und der Erfahrung des/der Behandelnden ein. Allein die wissenschaftliche Methode ist geeignet, einen ausreichenden Grad an Objektivität herzustellen, der davor schützt, dass Methoden ohne Nutzennachweis mit Kassenmitteln finanziert werden müssen. Durch die vorgeschlagene Formulierung wird der unklare Begriff „alternativ“ überflüssig, ohne die Behandlungsmethoden a priori auf die „Schulmedizin“ zu beschränken. Der Begriff der „anerkannten“ Methoden wird präzisiert.

Deutlicher kann man es nicht formulieren. Insider, die, die hierarchischen Hinterzimmer-Spielchen, durchaus kein Alleinstellungsmerkmal grüner Politiker, kennen befürchten nun, dass folgender Antrag die Mehrheit der Bundesdelegiertenkonferenz finden wird.

Herr Andreas Roll, Mitglied im Kreisvorstand Ludwigsburg spricht nun schon von “qualifizierter homöopathischer Behandlung.”

Antragsnummer: BTW-S-01-166-2
AntragstellerIn: Andreas Roll KV Ludwigsburg
Änderungsantrag zu BTW-S-01

Nach Zeile 166 („Patientinnen und Patienten müssen Wahlmöglichkeiten zwischen den unterschiedlichen Behandlungsarten auch unter Einbeziehung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden haben.“) wird der folgende Satz eingefügt:

„Dabei machen wir uns auch stark für den allgemein freien Zugang zu jeder Allgemeinärztin und jedem Allgemeinarzt unabhängig von einer Kassenzulassung.“

Begründung:

Die berechtigte grüne Forderung nach Wahlmöglichkeiten bei den Behandlungsarten bleibt wirkungslos, wenn wir den Patientinnen und Patienten weiterhin die entsprechenden ärztlichen Strukturen versperren.
Gerade in den anerkannten und wirksamen alternativen Therapierichtungen wie z.B. der klassischen Homöopathie, ist diese Wahlfreiheit innerhalb der kassenvertragsärztlichen Versorgung nicht gewährleistet. Eine qualifizierte homöopathische Behandlung wird bisher fast ausschließlich privatärztlich erbracht, auch wenn viele Kassenärztinnen und -ärzte diese Therapierichtung aus Marketinggründen formal anbieten.
Keiner Patientin und keinem Patienten wird deshalb die Einschränkung der Wahl auf ÄrztInnen innerhalb eines Monopols der Kassenärztlichen Vereinigung gerecht. Die Krankenkassen müssen verpflichtet werden, auch die Kosten anerkannter alternativer Therapieverfahren zu übernehmen. Damit wird eine tatsächliche Wahlfreiheit für alle Patientinnen und Patienten unabhängig von deren sozialem Status sichergestellt.

Die beiden vernünftigen Änderungsanträge haben wohl keine Chance auf dem Parteitag angenommen zu werden, dort wird die Unvernunft grassieren und die Idiotie fröhliche, alternative Urständ feiern.

Zum Abschluss möchte ich Prof. Edzard Ernst zu Worte kommen lassen. In einem Interview mit dem Schweizer “Tagesanzeiger” sprach Prof. Edzard Ernst über tatsächlich wirkungsvolle Komplementärmedizin, den Placebo-Effekt bei Säuglingen, mittelalterliche Homöopathie-Mythen und den aktuellen Stand der Forschung.

Demnach ist Prof. Ernst überzeugt, dass

“die Homöopathie auf Grund der heutigen Datenlage eine widerlegte Methode ist. Die wissenschaftlichen Methoden sind zwar nicht geeignet, einen Negativbeweis zu erbringen. Aber irgendwann kommt man zum Punkt, an dem man die Wirkungslosigkeit einer Methode eingestehen muss. [...]

Denn über alle 200 vorliegenden Studien betrachtet ist die Wirkung der Homöopathie nicht belegt. Ihre beiden Hauptprämissen – starke Verdünnung soll stärkere Effekte bringen und Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden – sind wissenschaftlich nicht haltbar. [...]

Wir haben uns deshalb zu folgender Wette entschlossen: Wenn jemand den wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie liefert, zahlen wir ihm 100.000 Dollar. Das Angebot besteht seit einem Jahr. Abgeholt wurde das Geld bisher nicht.”

Vielleicht sollte sich Herr Andreas Roll um die ausgelobten 100KUS$ bewerben.

Danke für den Tipp. ;)

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7 Antworten zu “DIE GRÜNEN: Alternativlos in die sozial-esoterische Teilhabe?

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  2. Eine gute Freundin, grüne Landtagsabgeordnete (ich sage natürlich nicht, in welchem Bundesland), meinte in einer Diskussion um die schon erfolgte oder mögliche Beförderung solche Gestalten wie Barbara Steffens, Birgitt Bender oder die (dem grünen Parteivolk sei Dank) derzeit in der Versenkung verschwundenen Hiltrud Breyer, in Ämter und Positionen, in denen der politische Gestaltungswille mit größeren Effekten ausgelebt werden kann: “Bitte wähle 2013 die FDP, und wenn´s noch so weh tut. Und mach auch in deinem Freundeskreis dafür Werbung. Rot-Grün in der Regierung heißt, dass nicht nur wir Grünen, sondern auch Ihr, wenigstens vier Jahre von dieser Mischpoke aus Karrieristen, Religioten und Esoterikern dominiert werden.”

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  5. Interessant was man zu Andreas Roll so alles findet.
    Er ist Angestellter einer gesetzlichen Krankenkasse (mhplus BKK) ist engagierter Impfgegner mit eigenem Skript
    http://de.scribd.com/doc/8919097/Andreas-Roll-Gesund-Ohne-Impfung
    und sein Wohnsitz war der frühere Sitz des Impfgegnervereins Libertas Sanitas (Stuttgarter Str. 25 in 71672 Marbach)
    Quelle: http://www.libertas-sanitas.de/main/modules/news/

    Noch Fragen Kienzle?

  6. From: Dr. Nils Jena
    To: Andreas Roll
    Subject: Ihr Änderungsantrag zu BTW-S-01: Homöopathie

    Sehr geehrter Herr Roll,

    Sie haben einen Änderungsantrag für das Bundestagswahlprogramm der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gestellt (http://ur1.ca/dhjk6). Sie fordern darin, dass die gesetzlichen Krankenkassen auch “anerkannte alternativer Behandlungsmethoden” bezahlt und für die Patienten den “allgemein freien Zugang” zu solchen Methoden. In der Begründung schreiben Sie:

    “Gerade in den anerkannten und wirksamen alternativen Therapierichtungen wie z.B. der klassischen Homöopathie, ist diese Wahlfreiheit innerhalb der kassenvertragsärztlichen Versorgung nicht gewährleistet.”

    Mit “anerkannt” beziehen Sie sich vermutlich auf den sog. Binnenkonsens, nach dem die Praktiker einer Therapierichtung sich nur einige sein müssen, dass ihre Methode wirkt, ohne sie von unabhängigen Dritten oder nach allgemein gültigen wissenschaftlichen Kriterien überprüfen zu lassen. Sie behaupten, dass die “klassische Homöopathie” zu den so “anerkannten” und angeblich wirksamen Therapierichtungen gehört.

    Wenn Sie als Privatmensch für sich gerne Homöopathie anwenden wollen, dann ist das Ihr gutes Recht. Wenn Sie als Kandidat für den Bundestag allerdings fordern, dafür solle die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen aufkommen, dann ist das inakzeptabel. Die behaupteten Wirkmechanismen der Homöopathie (Ähnlichkeitsprinzip, Potenzierung) sind Erfindungen und ohne Wirkung. Es gibt keine reproduzierbaren, qualitativ hochwertigen Studien, die für irgendeine Diagnose eine Wirkung homöopathischer Mittel über den Placeboeffekt hinaus belegen. Für diese Fakten lassen sich, wenn man den Binnenkonsens der Homöopathen verlässt, ohne Schwierigkeiten Belege in großer Fülle finden.

    Ich hoffe sehr, dass Ihre Partei so klug ist, Ihren Änderungsantrag abzulehnen und stattdessen einen der beiden konkurrierenden Änderungsanträge im Geiste der wissenschaftlichen Medizin anzunehmen. Dass BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine große Anziehungskraft für Esoteriker aller Richtungen hat, ist leider bekannt. Mit Ihrem Antrag würde sich die Partei aber vollends lächerlich machen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Nils Jena