Atheismus: Mit Gott geht der Sinn


Bild: TheEuropean
Der Atheismus schöpft seine Legitimation aus der Wissenschaft. Diese versucht, die Grundfragen der menschlichen Existenz restlos zu klären. Doch wer beantwortet die neuen Fragen, die sich dadurch stellen?

Von Wolfgang HuberTheEuropean

Religion gibt es in der Neuzeit nur mit Widerspruch. Der Glaube an Gott wird stets von Protest begleitet. Kein Wunder, dass die sprachmächtigsten Atheisten häufig gelernte Christen waren. Damit, dass Martin Luther das Recht der Geistlichen zur Heirat durchsetzte, schuf er nicht nur der Glaubenskultur, sondern auch dem Atheismus einen Nährboden: das evangelische Pfarrhaus.

Niemand zeigt das eindrucksvoller als Friedrich Nietzsche, der sich mit einer „Umwertung aller Werte“ von dem befreien will, was sein Leben so lange prägte. Doch auch er wird die Frage nach Gott nicht los und schickt deshalb einen „tollen Menschen“ aus, der mit einer Laterne nach Gott sucht: „Gott ist tot. Wir haben ihn getötet.“

Heute tritt der Atheismus nicht nur mit dem Anspruch auf, eine Spielart der Gottessuche von vielen zu sein. Vielmehr fordert er eine absolute Geltung ein, wie sie zuvor nur von bestimmten Formen der Religion vertreten wurde. Die neuen Atheisten nennen sich die „Brights“, die Erleuchteten. Mit den Mitteln der Wissenschaft wollen sie den Gottesglauben als bloßen Wahn entlarven. Der Traum, die Religion zum Verschwinden zu bringen, ist noch nicht ausgeträumt. Heute begegnet er uns in der Gestalt eines kämpferischen Atheismus, der ein Monopol in Glaubensfragen reklamiert.

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4 Comments

  1. Der ehemalige evangelische Bischof Wolfgang Huber ist eben gelernter Theologe. 😉 Nur so kann man sein Vorurteil zu richtigen Wissenschaften verstehen, denn wissenschaftlichen Fakten über Welt , Natur und Universum lassen seine „kindische“ Bibel „zu primitive Legenden“ (Zitate: Albert Einstein aus einem Brief an den Theologen Eric Gutkind) antiker Literatur schrumpfen. 😉

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/einstein-brief-bei-ebay-die-bibel-ist-eine-sammlung-primitiver-legenden-1.1490997

    Bischof Huber’s Angstgegner, der Atheismus hat sich mit der wissenschaftlichen Revolution durch immer mehr Fakten zwar verstärkt und enorm beschleunigt, jedoch ist der Atheismus – wie es Huber als Theologe natürlich weiss – weit älter als das Christentum und war schon in der Antike philosophisch gut verankert. 😉
    „Brights“ sind eben heutige „Aufgeklärte“, also „enlightened“ people, was der Theologe auch wissen müsste, sollte er des Englischen mächtig sein. 😉

    http://de.wikipedia.org/wiki/Atheismus

    Selbst dem Theologen Huber müssten inzwischen die unhaltbarsten biblische Dogmen auf die Füsse fallen, wie die Forderung seines „ahnungslosen Gottes“, „uns zu vermehren“ und uns die Erde „untertan“ zu machen. Wenn wir unsere Erde dann auf Anweisung seines biblischen Gottes zerstört haben werden, sorgt die Wissenschaft zack, zack..für den Umzug der Menschen (und ihrer Götter) auf einen anderen Planeten? 😉

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dominium_terrae

    Huber’s Frage nach seinem Gott heute, hat der israelische Schriftsteller Ephraim Kishon in einem seiner unterhaltsamen Bücher gestellt: Wie kommt es eigentlich, dass Gott sich, nachdem er sich vor mehr als 2000 Jahren meist in Jerusalem und bei den Juden rumdrückte und hunderte von Geboten und Regeln für alle Teile unseres Lebens diktierte, sich seit einiger Zeiz nicht mehr bemerkbar macht? 😉

    Kishon’s Vermutung: Gott ist es inzwischen zu Ohren gekommen, wie gewaltsam und chaotisch es in den Milliarden von Galaxien zugeht, mit Supernovas, Pulsaren, Sternentod ……. und schrecklichen – ganze Sonnen- und Planetensysteme verschlingenden schwarzen Löchern. Gott müsse sich eben ums Chaos im unendlichen Universum kümmern, habe also jetzt alle Hände voll zu tun und deshalb keine Zeit mehr für uns!
    😉

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  2. Es ist immer wieder erstaunlich, dass ausgerechnet die Leute, die am wenigsten vom eigentlichen „Dasein“ verstehen, sich befähigt glauben die „göttliche Wahrheit“ zu kennen. In ihrem Eifer, um nicht zu sagen ihrem Glaubenswahn, erfinden sie stets neue, haarsträubende Argumente um ihre aberwitzigen Gehirngespinste aufrecht halten zu können.

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  3. „Heute tritt der Atheismus nicht nur mit dem Anspruch auf, eine Spielart der Gottessuche von vielen zu sein.“

    Wunschdenken von Religioten, den Atheisten ist jeder der derzeit regierenden 28000 Götter vollkommen egal. Für geisitg verngelte Religioten ist das unbegreifbar, sie können nur in religiösen Kategorien denken und argimentieren.
    Freies Denken im Zweifel als zentrales Element reduziert Theologie und Esotherik zur Pseudo-Wissenschaft mit Wahrsagen, Geistheilen, Beschwörungen, Wundern und Dämonenzauber. Wissenschaft und Religion haben keinerlei Gemeinsamkeiten, sie in eine Verbindung zu setzen bedeutet zwangsläufig den argumentativen Tod der Religion. Realitätsverweigerung und Ignoranz gelten medizinisch als Wahn, im Extrem als psychopathologische Schizophrenie, bei welcher der Wähnende leidet oder als untragbar für seine Mitwelt in der Gummizelle endet.

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  4. Um glauben zu können, muß man nicht nur die falschen Fragen stellen, sondern auch unfähig sein, eine sinnvolle Antwort darauf zu geben. Und Nietzsche-Bashing mag vielleicht Brights treffen (das kann und will ich gar nicht beurteilen), an wissenschaftlicher, d.i. materialistischer, damit den Atheismus beinhaltender Weltanschauung zielt das aber um 180° vorbei.

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