Atheismus und Rituale: Ohne Gott in die Kiste


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Eines der größten Mankos des Atheismus ist, dass er kein vernünftiges Bestattungsritual kennt. Es bräuchte einen Dichter oder Philosophen, um diese Lücke zu füllen – er könnte sich ruhig bei der Religion bedienen.

TheEuropean

Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht“, schreibt Wittgenstein und spielt damit auf den griechischen Denker Epikur an: „Solange wir da sind, ist der Tod nicht da, wenn aber der Tod da ist, dann sind wir nicht da.“

Recht haben beide. Diejenigen von uns, die nicht plötzlich oder im Schlaf sterben, werden den Tod zwar erleben, aber nicht überleben: Nach dem letztem Atemzug bleibt nichts zurück außer dem Körper. Es gibt keine Seele, die diese Hülle verlässt. Der Tod ist die komplette und endgültige Auslöschung des Bewusstseins. Wir sind Tiere, wenngleich außergewöhnliche, und damit physikalische Wesen. Wenn der Körper schlapp macht, dann gibt er – im wahrsten Sinne des Wortes – den Geist auf. Danach ist nichts. Game over.

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2 Comments

  1. Dafür haben die Priester und Pfarrer um so mehr die Betteltour drauf, sie reden endlos vom lecken Dach der Kirche, dem Holzwurm in der Orgel und was der verstorbene doch für ein reichhaltiges Erbe hinterlassen hat.

    Religion war schon immer eine einzige Lüge, die mit Drohungen und Angstmache die Menschen überrumpelt und ausgebeutet hat. Die Gottesvertreter selber glauben mehrheitlich nicht, das ihr Staubsauger im Himmel Not, Elend und Leiden einfach wegsaugt
    Pfarrer Klaus-Peter Jörns fragt 1996 evangelische Pfarrer nach ihren Glaubensinhalten:
    65 % sehen Jesus Christus als Gott, erkennen also die Existenz eines Gottes an
    43 % glauben an die Allmacht Gottes
    33 % halten die Heilige Schrift für heilig
    33 % glauben an das Jüngste Gericht und die Hölle
    13 % glauben an die biblisch-theologische Aussage der Erbsünde
    Nach nunmehr fast 20 Jahren dürften die Zahlen deutlich geringer ausfallen

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  2. Gerade in Berlin mit seinen 70 Prozent Konfessionsfreien kann man immer wieder würdevolle weltliche Begräbnisfeiern erleben. Es wird die Lieblingsmusik des Verstorbenen gespielt, sein Leben wird in den Mittelpunkt der Feier gerückt und das gewürdigt, was ihn als Menschen ausgezeichnet hat. Keine Versprechungen auf eine Wiederauferstehung und ein Wiedersehen werden gemacht, wohl wissend, dass man mit solchen Phantasien der trauernden Gemeinde nur ein missbilligendes Kopfschütteln abringen und den Verstorbenen im Nachhinein noch kränken würde. In Berlin ist es vor allem der Humanistische Verband, der inzwischen eine eigene Begräbniskultur zelebriert, die an Angemessenheit und Feierlichkeit nicht im Geringsten dem nachsteht, was die Kirchen über die Jahrhunderte entwickeln konnten.

    Was mir – zumindest in Berlin – immer mehr auffällt ist, dass auf heutigen kirchlichen Beerdigungen immer seltener überzeugt und vollmundig von der Wiederauferstehung und der zu erwartenden Unsterblichkeit gesprochen wird. Die meisten Prediger haben offenbar nicht mehr den Mut, heutigen Zuhörern die »frohe Botschaft« des Wiedersehens dereinst im Jenseits zu verkünden. Sie wenden sich mit viel- und letztlich nichtssagenden Worten an die Trauergemeinde und verweisen doch nur in vagen Formulierungen auf ein Jenseits, das sie offenbar selbst auch nur noch mit einer unbestimmten Hoffnung erwarten. Müsste man nicht redlicherweise von einer großen Lebenslüge sprechen, mit der sich heute die Mehrheit unter den Christen und ihren amtlichen Verkündern an der Wahrheit vorbeidrückt? Umfragen bestätigen eindeutig, dass katholische und evangelische Christen immer weniger überzeugt sind von einem Weiterleben nach dem Tod im Jenseits. Weniger als die Hälfte der deutschen Kirchenmitglieder glaubt noch an eine jenseitige Fortexistenz.

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