Karlheinz Deschner und Sturzbäche von Blut


Karlheinz Deschner 1999 Foto: Georg Pöhlein
Gespräch mit Gabriele Röwer. Über das Werk des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner, den Abschluß seiner »Kriminalgeschichte des Christentums« und seine Prognose für den neuen Papst

Interview Stefan Huth -jW

Joseph Ratzinger trat unlängst als Papst Benedikt XVI. zurück. Wenn ein kirchenkritischer Historiker wie Karlheinz Deschner zurückblickt – welchen Platz nimmt dieser Papst in der Geschichte der Päpste ein?

Die bedeutendsten Päpste des 20. Jahrhunderts waren, wie Deschner in seiner über 1000 Seiten umfassenden »Politik der Päpste« darlegt, stark politisch orientiert: Leo XIII (1878-1903) – »Ego sum Petrus«, »ich will eine große Politik führen« – die Faschistenpäpste Pius XI. und Pius XII. sowie schließlich Johannes Paul II. Dessen Nachfolger aber, Joseph Ratzinger, vordem Tübinger Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie, dann Präfekt der Glaubenskongregation (vor Zeiten »die heilige Inquisition«) setzte als Benedikt XVI. die Machtpolitik seiner Vorgänger nicht fort. Vielmehr suchte er durch Systematisierung und Festigung des Dogmengebäudes ein Bollwerk zu schaffen gegen die Gefahr wachsender Erodierung seiner Kirche, die in Westeuropa immer mehr Mitglieder an säkulare Strömungen verlor, in der restlichen Welt vor allem an die Evangelikalen.

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