GBS: Aufklärung im Rückwärtsgang


Bild: louislevy.wordpress.com
Die Giordano Bruno Stiftung (GBS) hat sich auf die Fahne geschrieben, Aufklärung und Humanismus im 21. Jahrhundert forcieren zu wollen. Daran gibt es sicher nichts auszusetzen, denn immer noch steckt auch die sogenannte „aufgeklärte Welt“ Hals-tief in irrationalen esoterischen Verhaltensmustern.

Louis Levy’s Blog

Aufzuklärendes gibt es mehr als genug. Viele der GBS-Aussagen und -Aktionen waren mir deshalb weitgehend sympathisch und gesinnungsverwandt. Kampagnen wie „Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt!“, „Aufklären statt verschleiern!“ oder Proteste gegen die Todesstrafe konnte ich nur goutieren.

Leider ist aber nicht überall Aufklärung drin, wo Aufklärung draufsteht, so dass auch die GBS zuweilen dieser, bzw. zumindest einiger Kritik bedarf. Dass die Stiftung mit letzter nicht besonders umgehen kann, ist schade, sollte sie sich doch besser das seit der Antike gebräuchliche Sprichwort „Amicus Plato, sed magis amica veritas“ zu eigen machen.

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15 Comments

  1. Es gibt eigentlich nichts zu „verstehen“, weil die Sache eben nicht klar ist. Deshalb hat das auch nichts mit persönlichem „Wollen“ zu tun. Auch Erlerntes, Erfahrenes und Erlebtes wurde maßgeblich BEWUSST, also nicht „am eigenen Willen vorbei“, aufgenommen. Bei einer neuen, nicht im Schlaf stattfindenden und daher bewussten Willensfindung, die ggf. im Unterbewusstsein, also im Schlaf, noch modifiziert und effektiviert wird, greifen wir auf dieses „vorgehaltene Reservoir“ bewusst und möglicherweise auch unbewusst zurück. Das heißt aber nicht, dass unser Wille unfrei wäre. Alles ist unser Wille, weil es auch unser Unterbewusstsein und unser Bewusstsein ist. Wenn auf der Straße zu Ihrer Wohnung infolge von Bauarbeiten eine Ampel Ihnen „rotes Licht“ zeigt, glauben Sie wirklich, sie würden nur als „Sklave Ihres chemischen Computers in Ihrem Kopf“ auf die Bremse treten oder als „Sklave Ihres chemischen Computers in Ihrem Kopf“ mir hier antworten? Wer, denken Sie denn, ist dieser chemische Computer in Ihrem Kopf? Könnten das nicht ggf. Sie sein? Ich kann Ihnen nur sagen, dass ein mentaler Zustand neurowissenschaftlich nicht hinreichend zu beschreiben ist. Umgekehrt kann aus Neurowissenschaftlichem nicht hinreichend auf Mentales geschlossen werden. Zumindest derzeit nicht, so wie es aus dem Artikel von Christian Wolf, der mittlerweile nur noch angemeldet gelesen werden kann, hervorging. Aber vielleicht meldet Sie ja Ihr chemischer Computer in Ihrem Kopf an? 😉

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  2. @Louis Levy
    Sie scheinen es nicht verstehen zu wollen
    Ein Entscheidung des Bewustseins erfolgt nach gegenseitiger Abwägung von Erwünschtem, Erlernten, Erfahrenem und Erlebten, also frei als eigener Wille

    Eine Vorgabe des Unterbewutsein als Pseudo-Entscheidung des Bewußtseins erfolgt teilweise oder meistens ganz am eigenen Willen vorbei. Irgend etwas in mir manipuliert mich derart, dass ich handle ohne es richtig überlegt zu haben oder es wirklich zu wollen. Das ist kein freier Wille, ich bin ausführender Sklave des chemischen Computers im Kopf

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  3. @emporda

    Wir entscheiden ggf. auf der Grundlage aber nicht MIT dem Unterbewusstsein. Die Entscheidung fällt nicht im Schlaf, sondern im Bewusstsein. Insofern stammt der Wille immer noch von unserem „chemischen Computer“ und ist unser Wille. Weil wir Wünsche suspendieren können und daher auch anders entscheiden können, ist er nicht unfrei.

    Zu meinem letzten Argument, dass „abstrakte Fakten mit Logik und Wissen“ gerade bei DIR NICHT wirkungslos sind, hast Du immer noch nichts gesagt.

    lg LL

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  4. @rhenus

    Ich hatte nie behauptet, dass keine Zweifel angebracht wären, bewiesen ist jedoch die VERMUTUNG von Schatz so wenig, wie meine „Wahrheit“. Eine Falsifizierung des freien Willens liegt nicht vor. Logisch, man muss offen sein für neue Erkenntnisse. Kann sein, dass Parasiten unser Verhalten verändern. Schatz habe ich nicht gelesen. Aber was Du berichtest, ist eigentlich nicht neu. Ich denke da z.B. an eine Pilzerkrankung, die über Vitamin-B-Mangelerscheinungen in uns ein gesteigertes Verlangen nach Süßem erzeugt und uns insofern zum Griff nach der Schokolade steuert oder zwingt. Die Krone der Schöpfung ist in zweierlei Hinsicht Schwachsinn. Einerseits gibt es keine Schöpfung, sondern nur den Prozess der Evolution, andererseits gereicht es mächtig an Hybris, wir Menschen glauben, das Universum sei wegen uns da. Das ist an Egozentrik eigentlich nicht zu überbieten. Aber was heißt das, dass Parasiten unser Verhalten verändern, uns beeinflussen? Lieber rhenus, glaubst Du, dass Du die Zeilen mit der Information von Schatz wegen einer Einflussnahme von Parasiten hingeschrieben hast? Ich denke, diese wissenschaftlichen Ergebnisse wären so deutlich überinterpretiert bzw. die Theorie des wegen der Parasiten unfreien Willens deutlich unterdeterminiert. Ich kenne die Quantenmechanik einigermaßen, ich habe Physik studiert, aber interessant ist doch, dass es eine Kausalität in der makroskopischen Welt trotz des quantenmechanischen Zufalls gibt. Allein schon Naturgesetzte vermögen aus quantenmechanischem Zufall eine Strukturähnlichkeit zu erzeugen. Aber unterliegen auch Naturgesetze einer Evolution? Hierzu gibt es genauso, wie beim freien Willen, geteilte Ansichten. Wir sind immer geneigt, uns auf eine Seite zu schlagen, aber eine ehrliche Antwort, wie sie im Übrigen auch Schulz von scilogs vertritt, würde derzeit lauten: Wir wissen es nicht genau, auch wenn ein „Spezialist“ glaubt es zu wissen und ein anderer „Spezialist“ es anders zu wissen glaubt. Ich „tendiere“ eben zum freien Willen und bleibe immer offen für plausible Gründe, die mich ggf. widerlegen. Aber zurück zum Thema: Sind deshalb (wegen Parasiten) wirklich unsere Entscheidungen manipuliert oder gar dominiert? Ich glaube es derzeit noch nicht. (Vielleicht ist, neben den fehlenden zwingenden Gründen das Gegenteil anzunehmen, unserer freier Wille mir auch nur deshalb so attraktiv, weil er ein sicherer Garant zur Widerlegung eines „Allwissenden“ ist!) Warum machen wir Tiere oder kleine Kinder nicht verantwortlich? Es liegt an der bei ihnen nicht vorhandenen oder noch nicht ausgeprägten Fähigkeit Wünsche (trotz Parasiten) suspendieren zu können. Der „valid-adulte“ Mensch hat diese Fähigkeit. Die Wirklichkeit ist kompliziert, eine Beeinflussung (von Parasiten) mag noch zutreffen, eine Prädomination meines Geistes vermute ich nicht, vermutlich reicht unsere Freiheit aus, um uns Verantwortung zuzuschieben. Die Dringlichkeit das Strafrecht abschaffen zu müssen, sehe ich nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, die naturwissenschaftlichen Ergebnisse nicht esoterisch zu interpretieren, sonst landen wir dort, wo der Gläubige schon ist.

    lg LL

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  5. Wir „entscheiden“ auf Grundlage der von uns nicht bemerkten Vorgaben des Unterbewusstseins, sind also nur Ausführungsorgan eines chemischen Computers genannt „Gehirn“ – ade freier Wille

    Die Leistungsfähigkeit des Computers bestimmt die Qualität der Vorgaben. Bei einfachen Aufgaben wie „Du musst essen, trinken, kratzen usw.“ sind die Randbedingungen fast problemfrei, bei anderen sind sie eine Gefahr oder gar vernichtend für die Umwelt. Dies wird besonders kritisch beim Schaden am Gehirn wie Demenz, Alzheimer, Fanatismus, Religiotie usw.

    Juristisch haben wie nur den Grenzwert von &51B, jemand ist unzurechnungsfähig und nicht verantwortlich. Dabei sind verantwortliche Aktionen der Religion mit Diskriminierung in Doppelmoral nach Geschlecht, Glauben, Handeln, Denken und Lebensweise als von Gott gewollt viel krimineller, denn der Handelnde kann ja noch denken. Das kann man von einem Demenzkranken, der mit der Krücke blindwütig auf andere Heiminsassen einschlägt, nicht mehr erwarten

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  6. Der BioChemiker Gottfried Schatz hat gute Argumente gegen den „Freien Willen“, weil bewiesen ist, das Parasiten das Verhalten von Gastorganismen verändern. 😉

    Die Anwendung dieser Erkenntnis auf „die Krone der Schöpfung“ mag zwar so schmerzlich erscheinen, wie die vormalige „Entfernung der Erde aus dem Mittelpunkt des Universum“. 😉

    Schatz‘ Vermutung, das Verhalten ganzer menschlicher Populationen könne sich durch eine parasitäre Infektionen verändern, müsste ernsthaft nachgegangenwerden, auch wenn sie uns endlich wieder in das biologische Netzwerk des Blauen Planeten eingliedert.

    Aus der Sicht der experimentellen Quantenphysik bestehen auch offensichtlich Zweifel. 😉

    http://www.scilogs.de/wblogs/blog/quantenwelt/experimentelles/2008-04-18/zufall-ist-kein-freier-wille

    Wie auch in den Beiträgen diskutiert, stehen inzwischen andere Professionen dem „Freien Willen“ aufgrund von Experimenten skeptisch gegenüber. 😉

    Das alles könnte man auch als Menetekel zum „Freien Willen“ auffassen? 😉

    Klassisches Dilemma:
    Passen wir die Natur dem Dogma (des Freien Willens) an ?
    😉
    ….
    oder lassen wir die Falsifizierung der These vom „Freien Willen‘ zu?
    😉

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  7. @emporda

    Warum sollte ich „da“ (wo?) falsch liegen? Seite 4-11 ist zu 95% OT. Dann bräuchten wir uns also gar nicht mehr weiter unterhalten, weil wir ja BEWUSST keine Entscheidung treffen können und wir unterbewusstseinsgesteuert nach Goerke keinen freien Willen haben, oder? So gesteuert, unfreiwillig und unbewusst habe ich keine Lust mehr. Nein, Spaß bei Seite. Hier liegt Goerke falsch. Er hat viele Fakten gesammelt, aber auch einiges Selbstimaginiertes darunter gemischt, wo er eben auch nicht immer richtig liegt. Ist das Unterbewusstsein etwa kein Teil von UNS? Warum sollte es dann nicht UNSEREN freien Willen geben? Du darfst nicht „frei“ mit „unbedingt“ verwechseln. Bedingt ist er natürlich, bedingt eben von UNS, sonst wäre er ja nicht UNSER Wille. Auch wenn aus UNSEREM Unterbewusstsein Vorbedingungen kommen, treffen wir unsere Entscheidungen doch nicht im Schlaf, sondern während des Bewusstseins. Auch wenn hier nur eine „gereinigte“ Version der Akten vorliegt, wäre dies sinnvoll, wenn darunter „aufs Wesentliche reduzierte“ Akten zu verstehen sind (der Verfassungsschutzvergleich hinkt deshalb!). Insofern sind es auch bewusste Entscheidungen, selbst wenn vorher noch im Unterbewusstsein „gescannt“ wird.

    Mit Deiner und Goerkes Vorstellung kann ich nichts anfangen. Dann könntest Du Dir sollte Begrifflichkeiten wie „Religiot“ gleich wieder abgewöhnen, weil dieser ja nach Deinem (und Goerkes) Dafürhalten gar nichts kann (unterbewusstseinsgesteuert, unbewusst, unfreiwillig, keine Schuld etc.).

    Was willst Du bzgl. der Erinnerungen genau sagen? Unserem Gehirn ist nicht zu trauen? Traust Du Deinem Gedächtnis nicht, nur weil ggf. im Schlaf nachgebessert, verarbeitet etc. wird und sich Deine Sicht mit dem Abstand von Jahren ggf. modifiziert hat? Wenn das der Tenor dieser Rede ist, dann lägen ja die Religiösen gar nicht so falsch, oder?

    Der Satz „wir…sind die Funktion des Bewusstseins“ kann nicht stimmen. Wer ist denn „wir“? Was verstehst Du unter „sein“? Die Materie unseres Körpers? Das könnten doch WIR sein. Die ist sicher keine Funktion des Bewusstseins, sondern existiert auch ohne. Vielleich unsere Wahrnehmung könnte eine Funktion unseres Geistes sein, aber das SIND nicht WIR, auch wenn sie von UNS abhängt. Nein, es ist umgekehrt. Das Bewusstsein ist eine Funktion des Gehirns. Und das Unbewusstsein natürlich auch. Insofern lag ich begrifflich zu einseitig. Ich meinte nicht „Bewusstsein“ allein, sondern mehr alle „Gehirnaktivitäten“. Diese sind eine Funktion des Gehirns, das wiederum vom Körper abhängig ist, sowie der Körper auch des Gehirns bedarf. Auch wenn man davon ausginge, dass der Anfang bei Unterbewusstsein läge, das ja nur durch unser Bewusstsein gefüttert worden sein kann, dann wäre es UNSER Wille und damit ein freier Wille, der da entsteht.

    Und was sagst Du zu meinem Argument, dass „abstrakte Fakten mit Logik und Wissen“ gerade bei DIR NICHT wirkungslos sind?

    lg LL

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  8. @Louis Levy
    Hierauf im Detail zu antworten, reicht der Platz nicht. Lies bitte

    Klicke, um auf Kreationismus.pdf zuzugreifen


    Seite 4-11

    Die Frage was zuerst war, erscheint wie das Henne und Ei Problem. Nur das Unterbewußtsein mit Infos von 2,5 Mill. Neuronen ist immer da, das Bewußtsein nur wenn wir wach sind. Also liegst Du da falsch, zumal unser Bewußtsein wie beim Verfassungsschutz nur eine gereinigte Version der „Akten“ von geschätzt 3-10% erhält. Folglich ist eine Entscheidung des Bewußtseins schon lange vorher allein durch die Auswahl manipuliert – leb wohl freier Wille

    Erinnerungen sind nie statisch, sie werden immer nachgebessert. Jeder Kriminalist kennt das von Zeugenaussagen, der Täter war groß und klein, dick und dünn, schwarz und weiß, hatte einen Bart oder war glatt rasiert usw.. Nach Jahren sind die Aussagen wieder ganz anders

    Bei vielen Menschen werden Erinnerungen als Lösung von eigenen Problemen wissentlcih gefälscht, am Ende ist derjenige sogar überzeugt alles war wie zuletzt ausgesagt – selbst wenn eine Überwachngskamera das krasse Gegenteil zeigt. Das trifft besonders auf Religioten zu, da deren Meinungsbildung immer nur eine Lösung erlaubt, die sehr selten die ihre ist.

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  9. @emporda

    „…eine bewusste Entscheidung, die gibt es nicht…“ und „Freier Wille ist nicht existent,…“, das ist Deine Meinung. Warum sollten aber unsere Entscheidungen UNbewusst sein, nur weil es neuronale Vorbedingungen, Prozesse im Unterbewusstsein etc. gibt? Ich denke, würde es keine Vorbedingungen geben, erst dann wäre der Wille nicht frei genug um wirklich Verantwortung dafür tragen zu müssen, denn so ein Wille ohne Vorbedingungen wäre zufällig, wäre gar nicht UNSER Wille. Du schreibst: „…wir…sind die Funktion des Bewusstseins“. Ich denke, es ist umgekehrt. Unser Bewusstsein, Religiöse nennen es vielleicht Seele, ist eine Funktion unseres Gehirns. Auch Deine Meinung „..Erinnerungen erscheinen uns real geschehen aber niemals als frei fabriziert…“ teile ich nicht. Sind sie also UNfrei fabriziert? Doch wohl auch nicht. Worauf basieren denn Erinnerungen? Meistens doch auf vergangenen Handlungen. Hier darf Willensfreiheit nicht mit Handlungsfreiheit, die z.B. auch Tiere besitzen, verwechselt werden. Aufgrund unserer Fähigkeit, Wünsche suspendieren zu können, kann uns auch, zu Recht, wie ich meine, Verantwortung und damit ggf. Schuld zugeschoben werden. Was sollen magnetisch angeregte Atomkerne oder der Ort der im Gedankenprozess involvierten Gehirnbereiche denn beweisen? Nicht dass ein menschliches Hirn mit einer Festplatte vergleichbar wäre, aber beim Computer lassen sich auch keine Rückschlüsse vom Speicherort, der nach der Defragmentierung bei gleichem Informationsgehalt wieder ganz anders ist, auf die gespeicherten Informationen ziehen. Moral ist für mich trotzdem wichtig, auch wenn sie sich nicht logisch begründen lässt. Niemand kann begründen, warum man einen gesunden Menschen nicht schlachten soll, wenn man zwei oder drei andere mit seinen Innereien retten könnte. Dennoch weiß es jeder (gesunde) Mensch, dass man das nicht macht. Das muss man auch als „Vollrationalist“ akzeptieren. Das ist eben „human“ und auch aus menschlicher Sicht „bright“. Eine andere Sichtweise haben wir nicht. Wir können nicht wissen, wie es ist, eine Fledermaus zu sein. Das wäre reine Projektion, wie Religion für mich Projektion ist. Dass Religion teilweise einen evolutionären Vorteil durch die Gruppenbildung darstellte, der heute auch anders kompensiert werden kann, deshalb für einen „Bright“ überflüssig wie ein Kropf ist, darin sind wir uns einig. Aber es gibt eben auch andere Menschen. Insofern stimmt auch Deine Behauptung „Vorträge beeindrucken wenn sie mit Emotionen überladen sind, abstrakte Fakten mit Logik und Wissen sind wirkungslos.“, grob betrachtet, nur für einen Teil der Menschheit, genau genommen, gar nicht. Du bist doch selbst ein Mensch, bei dem „abstrakte Fakten mit Logik und Wissen“ eben NICHT wirkungslos sind. In Wahrheit sind die Vernunft- und Gefühlsanteile beim Denken aufgrund des vernetzten Gehirns immer vermischt, die unterschiedlichen Bereiche interagieren. Es gibt nicht „den Vernunftmenschen“, „den Gefühlsmenschen“. Kein Gefühl kommt ohne Vernunft zustande, auch wenn man bei mehr religiös orientierten Menschen manchmal den Eindruck gewinnen könnte.

    lg LL

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  10. Als freier Wille gilt gemeinhin ein bewußte Entscheidung, die gibt es nicht

    Wir existieren nicht irgendwo im Gehirn, sondern sind die Funktion des Bewusstseins. Unser Gehirn ist manipulierbar, was der Person als abwegig erscheint. Freier Wille ist nicht existent, jede Entscheidung basiert auf vielen Prozessen im Unterbewusstsein, die nach unkontrollierten Kriterien bis zu 8 Sekunden vorher ablaufen. Unkontrollierte Kriterien entziehen moralischen Begriffen wie Seele, Schuld, Sühne, Sünde und Buße jeden Sinn.

    Die Versorgung des Gehirns bestimmt die Effektivität seiner Funktion, religiöse Schuldkriterien sind Fiktionen und dienen nur der Dominanz. Erinnerungen erscheinen uns real geschehen aber niemals als frei fabriziert. Neurale Korrelate richtiger und falscher Erinnerungen werden in Gehirn unterschiedlich verarbeitet und sind durch ein MRT zu entlarven. Die mit Vertrautheit und Emotionen korrelierte front-partielle Region oberhalb der Stirn verarbeitet fabrizierte Erinnerungen und intern frei erfundene Fakten. Der mediale Temporallappen (MTL) seitlich der Schläfen korreliert externe Reize der Neuronen. Bei komplexen Gedächtnisleistungen werden beide Gehirnbereiche aktiv.

    Eine Erinnerung an ein Ereignis, eine Aussage, ein Gefühl ist kein Beweis, dass dies je real war. Es ist heute möglich per MRT zu unterscheiden, ob jemand eine Person kennt oder dies nur vorgibt. Ob Vorsätze gehalten werden sollen oder nicht ist ebenso erkennbar. Religion als paranoider Wahn hämmert mit Emotionen irreale Fakten in die Gehirne. Vorträge beeindrucken wenn sie mit Emotionen überladen sind, abstrakte Fakten mit Logik und Wissen sind wirkungslos. Falsche „Erinnerungen“ blockieren die Fähigkeit die Realität zu verstehen.

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  11. @Louis Levy

    Das Vexierbild lässt sich anhand von Wikipedia erkennen: 😉
    Jede Profession hat inzwischen einen autarken Blick auf das Phänomen; aber die Explosion naturwissenschaftlicher Erkenntnisse im 20. Jahrhundert hat die Philosophie ihrer angestammten Rolle als „Scharfrichter“ beraubt…. 😉

    http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille

    So der BioChemiker Gottfried Schatz zum freien Willen in einer von Parasiten besiedelten Welt im vorher zitierten Büchlein: 😉

    „Die Vorstellung, dass Parasiten mein Denken und Handeln mitbestimmen, verletzt mein Selbstverständnis und mein Menschenbild. Darf ich das Lied „Die Gedanken sind frei“ immer noch so unbekümmert singen, wie ich es als Kind tat? Oder sollte ich versuchen, meine wissenschaftliche Sicht zu überwinden und die Natur als Ganzes zu fühlen, wie Künstler uns Mystiker das vermögen? Aus dieser Sicht wären gedankenverändernde Parasiten nur ein besonders grossartiges Beispiel für die Einheit des Lebensnetzes auf unserem Blauen Planeten. Unser Verstand schenkt uns ja auch die Waffen, um solche Parasiten zu erkennen und zu vernichten. Doch wer schützt uns vor den substanzlosen Parasiten, die sich unserer Gedanken und Emotionen bemächtigen? es gibt ihrer zuhauf – Rassenwahn, religiöser Fanatismus, Nationalhysterie, Spiritismus und Aberglaube. Sie sind hoch infektiös und entmenschlichen uns mehr, als Toxoplasma gondii je vermöchte. Solange wir nicht gelernt haben, diese unheimlichen Gäste rechtzeitig zu erkennen und wirksam zu bekämpfen, sind sie unsere grösste Bedrohung.“ 😉

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Schatz

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  12. Noch ein Gedanke zum „freien Willen“ und zum „Ferkelbuch“:

    Ich weiß nicht, ob „Vexierbild“ der richtige Ausdruck dafür ist, aber von unserem „freien Willen“ haben zumindest die meisten, die sich nicht eingehender damit beschäftigt haben, eine falsche Vorstellung. Naturgemäß ist unser Wille nicht unfrei, trotzdem ist er ein von unseren Erfahrungen und Erlebnissen bedingter Wille. Ein unbedingter Wille, also ein Wille ohne unsere Vorbedingungen, wäre auch gar nicht „unser Wille“, er würde uns sozusagen „geschehen“ und wäre damit mit Sicherheit alles andere als ein freier Wille. Nur ein von uns bedingter Wille, kann für uns ein freier Wille sein, für den wir schließlich auch Verantwortung tragen. Mehr dazu, hier!

    Nun zum Ferkelbuch. Nicht dass ich eine Verteidigung von Religionen betreiben möchte, aber ehrlicherweise sollte schon zugegeben werden, dass im „Ferkelbuch“ die jüdische Religion mindestens ebenso gewalttätig wie die anderen beiden abrahamitischen Religionen dargestellt wird. Dies ist aber geschichtlicher Unfug, denn im Gegensatz dazu war die jüdische Geschichte eine der Diskriminierung, Verfolgung und Pogrome. Außerdem erinnern z.B. der bewusst oder unbewusst abgebildete, in der „deukalionischen“ Wasserflut treibende Babyschnuller, sowie die Kinderschuhe, eine Schürze und ein Kochlöffel, wie sie auch das kleine Ferkel trägt, an das Stereotyp von jüdischen Kindermördern. Auch das Bild, auf dem der Rabbi, der Bischof und der Mufti gegeneinander handgreiflich werden, suggeriert, das Christentum, der Islam und das Judentum seien gleichermaßen gewalttätig, blendet damit die Geschichte aus und entlastet christliche und muslimische Täter. Man kann diese Dinge also wahrnehmen, wenn man will.

    lg LL

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  13. Betrifft: MSS „Jenseits von Gut und Böse“

    Die Schlüsse zum Buch sind sehr formal, wahrscheinlich voreilig und sehr weit hergeholt.

    Es mag noch ganz andere biologische Komponenten des vernetzten Lebens geben, als das Vexierbild eines freien Willens 😉

    Der Chemiker und Biologe Gottfied Schatz schreibt in seinem Büchlein „Die Welt in der wir leben“ NZZ Libro aus dem Herder Verlag, unter dem Kapitel „Bedrohliche Gäste“ S.11-14 über die Wirkung von Parasiten auf Gastorganismen, die deren Denken und Handeln manipulieren. Er stellt sogar die Frage ob die auch beim Menschen verbreiteten toxoplasma gondii Gene ganze menschliche Kulturen und deren Verhalten mitgeprägt haben? 😉 😉

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  14. Betrifft: das Ferkelbuch…
    …..das als Antwort gegen verkitschte Kinderbibeltexte der Amtskirchen gedachte „Ferkelbuch“ von MSS wurde auf politischen Druck staatsnaher Kirchen amtlich geprüft aber entgegen ihrer Behauptung nicht als jugendgefährdend eingestuft. 😉 Vielleicht war man auch nur um den Umsatz mit Kinderbibeln besorgt? ….. 😉

    Die Antisemitismuskeule wurde beim Verbotsantrag gegen das Buch nur deshalb von den Kirchen geschwungen, weil dies bei unserer staatlichen Vergangenheits propagandistisch einfacher ist….. 😉

    Aber kluge deutsche Juden durchschauten das Spiel unserer Kirchen und sind ihnen nicht auf den Leim gegangen – sie haben zur beabsichtigten Zensur „wegen Antisemitismus“ abgewunken… Weil man sonst das Alte Testament auch hätte indizieren müssen. 😉

    ….auch für Amateure und selbsternannte Profis der „Aufklärung und des Humanismus“ gilt das Rheinische ……jeder Jeck ist anders……
    😉
    …….so hatte sich der Franzose Alexis de Toqueville Anfang des 19. Jahrhunderts bei einer Reise durch das damals rückständige Deutschland gewundert, warum die Bürger in Frankreich revoltiert hatten, obwohl der „Revolutiondbedarf“ hier doch viel grösser war…. 😉

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