Kirche will sich zu Versagen in Nazizeit bekennen


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Die evangelische Landeskirche Hannover möchte ihre Vergangenheit während der Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten und damit mehr Nähe zum Judentum herstellen. Als Beispiel dient das zweifelhafte Verhalten von Bischof August Maharens während des dritten Reiches.

Hannoversche Allgemeine

Die evangelische Landeskirche in Hannover will sich zu ihrem Versagen in der Nazizeit bekennen. Außerdem will sie ihr seit langem gutes Verhältnis zum Judentum auch in ihrer Verfassung verankern. Dabei müsse die ungenügende Distanz der Kirche zum Nationalsozialismus zur Sprache kommen, sagte Landesbischof Ralf Meister am Donnerstag vor dem Kirchenparlament. „Es ist allerhöchste Zeit, dass sich unsere Landeskirche in dieser Form zu einem anderen Verhältnis zum Judentum verpflichtet.“

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3 Comments

  1. @emporda: Kein Widerspruch meinerseits, so ist es. Nur der begrenzte Platz ist es, dass ich mich auf zwei Dokumente beschränkte. Einen sehr guten Überblick über die tatsächliche (und später geleugnete) Zusammenarbeit führender Kirchenvertreter mit den Machthabern des 3. Reichs mit ausschließlich wörtlichen Zitaten gibt Wolfgang Klosterhalfen auf seinen, der so lesenswerten »Reimbibel« gewidmeten Seiten:

    http://www.reimbibel.de/

    Hier auf »Kirche im 3. Reich« klicken!

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  2. @Uwe Lehnert
    Du hast einen Punkt vergessen, die Evangelikalen haben ihrern NAZI Patriotismus nicht etwa 1945 weggeworfen, das ging bis in die 60er Jahre immer fröhlich weiter

    Der evangelische Landesbischof und NSDAP-Mitglied August Marahrens zerstreut 1936 Zweifel an der Hitler-Treue
    „Wir wiederholen es an dieser Stelle ausdrücklich, dass wir unzählige Male seit dem Anbruch unseres nationalsozialistischen Staates öffentlich und feierlich erklärt haben: daß wir in Opferbereitschaft und Treue für diesen Staat einzutreten bereit sind. …Es ist also bis auf diese Stunde die Verdächtigung politischer Unzuverlässigkeit unbegründet und, von wo aus sie auch versucht werden sollte, nachdrücklich und feierlich abzuweisen.“

    Die Führer der evangelischen Landeskichren erklären 1941: „Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichneten deutschen Evangelischen Landeskirchen und Kirchenleiter in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der u.a. die Reichspolizeiordnung über die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat, wie schon Dr. Martin Luther nach bitteren Erfahrungen die Forderung erhob, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen.“

    Die evangelischen Landeskirchen gründen am 6. Mai 1939 auf der Wartburg ein 200 Mann starkes Institut zur Entjudung des Christentums als Aufgabe der Theologie. Der christliche Glaube ist in Entstehung und Bevölkerungspolitisch auf rassistische Verhältnisse in Palästina zu untersuchen, minderwertige jüdische Elemente sind aus dem theologischen Leben zu entfernen.

    Die EKD fordert 1960 von BRD Regierung für den entführten Holocaust Organisator Milde und Verständnis ein, der Präses und ex-NAZI Pfarrer Mensing-Braun bescheinigt dem Kumpan Adolf Eichmann eine „grundanständige Gesinnung, ein gütiges Herz, große Hilfsbereitschaft, er wäre für ihn nicht vorstellbar, dass Eichmann je zu Grausamkeit oder verbrecherischen Handlungen fähig gewesen wäre“.
    Der typische Antisemit Pfarrer Walter Hoff gesteht der EKD unter Mensing-Braun schriftlich seine Täterschaft an der Ermordung Hunderter Juden in Weißrussland und wird weiterhin als Geistlicher eingesetzt, der seinen anvertrauten Einfaltspinseln ein Vorbild in ausgeübter christlicher Moral ist.

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  3. »Dabei müsse die ungenügende Distanz der Kirche zum Nationalsozialismus zur Sprache kommen, sagte Landesbischof Ralf Meister«.

    Das kann man wohl nur als Geschichtsvergessenheit bezeichnen, wenn nicht als grobe Lüge. Man nehme die beiden folgenden, wörtlichen »Bekenntnisse« von Bischöfen im 3. Reich zur Kenntnis und urteile dann:

    Die evangelischen Landesbischöfe und Landeskirchenpräsidenten von Sachsen, Hessen-Nassau, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Anhalt, Thüringen und Lübeck am 17.12.1941 stellten sich mit folgender Erklärung eindeutig hinter das nationalsozialistische Programm der Judenverfolgung:

    »Die nationalsozialistische deutsche Führung hat mit zahlreichen Dokumenten un-widerleglich bewiesen, daß dieser Krieg in seinen weltweiten Ausmaßen von den Juden angezettelt ist. Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichneten deutschen Evangelischen Landeskirchen und Kirchenleiter in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der unter anderem die Reichspolizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichs-feinde notwendig gemacht hat. Schon Dr. Martin Luther erhob nach bitteren Erfahrungen die Forderung, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen. Von der Kreuzigung Christi bis zum heutigen Tage haben die Juden das Christentum bekämpft oder zur Erreichung ihrer eigennützigen Ziele missbraucht oder verfälscht. Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart des Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert. Eine deutsche evangelische Kirche hat das religiöse Leben deutscher Volksgenossen zu pflegen und zu fördern. Rassejüdische Christen haben in ihr keinen Raum und kein Recht. Die unterzeichneten deutschen Evangelischen Kirchen und Kirchenleiter haben deshalb jegliche Gemeinschaft mit Judenchristen aufgehoben. Sie sind entschlossen, keinerlei Einflüsse jüdischen Geistes auf das deutsche religiöse und kirchliche Leben zu dulden.«

    Der evangelische Landesbischof von Thüringen, Martin Sasse, schrieb 1938 im Vorwort zu seiner Schrift »Martin Luther über die Juden – Weg mit ihnen!«:

    »Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird zur Sühne für die Ermordung des Gesandtschafts-rates vom Rath durch Judenhand die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zur völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. … In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahr-hundert aus Unkenntnis einst als Freund der Juden begann, der, getrieben von sei-nem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte An-tisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden.«

    (Quellen leicht im Internet zu finden oder in dem Buch »Warum ich kein Christ sein will«)

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