Alain de Botton: Wir Atheisten haben noch viel zu lernen


©Vincent Starr
Philosoph Alain de Botton über Religion als Ideengeber und Psychotherapie, die Trennung von Staat und Kirche, Nationalstolz und die Musik Johann Sebastian Bachs.

Interview: Ralf KrämerPlanet Interview

Alain de Botton, in diesem Frühjahr gab es eine kurze Zeit, in der das überwiegend katholische Italien weder einen Papst, noch eine arbeitsfähige Regierung hatte. Wie haben Sie als Philosoph dieses Vakuum wahrgenommen?
de Botton: Es gibt nicht besonders viele Länder auf der Welt, vielleicht zehn, von denen man sagen könnte, dass sie ordentlich regiert werden. Sie haben effiziente Standards, eine funktionierende Polizei, wenig Korruption etc. Deutschland gehört dazu, Italien nicht. Das ist ein sehr trauriger Zustand, es ist schließlich ein Land, aus dem die Renaissance hervorging, es war Vorreiter in der Architektur, in der Musik und im Denken. Es kommen immer noch wunderbare Dinge aus Italien. Aber es bekommt seine Politik einfach nicht in den Griff. Das ist ein Desaster.

Das Schulsystem in Italien zeichnet sich allerdings dadurch aus, dass Philosophie als Pflichtfach für alle verbindlich ist…
de Botton: Das macht es nur noch umso trauriger, denn das scheint an der Lage Italiens nichts zu ändern. Das Fach Philosophie verfehlt bei den Italienern offenbar seine Aufgabe. Vielleicht wird es aber auch zu oft zu schlecht unterrichtet.

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