Esoterik: Im direkten Kontakt zum Erzengel


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Lebensberatung per Telefon und Internet boomt. Wie leicht es für jeden Laien ist, als Wahrsager Unheil anzurichten, hat Bernd Kramer ausprobiert.

Von Bernd Kramer ZEIT ONLINE

Um 17.04 Uhr habe ich mein Vorstellungsgespräch als Hellseher. Ich habe mich bei einem Internetportal beworben, das gebührenpflichtige Lebensberatung vermittelt. Nicht dass ich medial begabt wäre. Ich will bloß verstehen, wie das System funktioniert. Meine telefonische Probeberatung, die ich einer Mitarbeiterin des Portals vorführen soll, geht gründlich schief. Sie fragt mich in der Rolle einer möglichen Kundin: „Was sehen Sie zu meinem Herzensmann?“ Ich stammle nervös: „Ich sehe viele Enttäuschungen bei Ihnen, aber auch gute Chancen, dass Sie Ihrem Herzensmann bald begegnen.“ – „Ich habe ihn schon gefunden“, antwortet sie überraschend. „Oh“, dilettiere ich. „Na ja, was die Beziehung angeht, sehe ich eine positive Veränderung, Anfang nächsten Jahres.“ Meine Karriere als spirituelles Medium dürfte damit wohl beendet sein! Aber wieder liege ich falsch. „Ihr Beratername bei uns wäre dann also Osiris Jesaia.“*

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1 Comment

  1. Dummheit war noch nie ganz billig. Wer so bescheuert ist und meint sich irgendetwas Esoterisches reinziehen zu müssen, der soll halt auch anständig dafür zahlen. Aber bitte hinterher nicht jammern, dass er (von den weniger Dummen) auf die schamloseste, ja, verbrecherische Art und Weise, so richtig satt abgezockt wurde. Das mit Hirnrissigkeit viel Geld gemacht werden kann, wurde übrigens von den Religionen schon von jeher vorgeturnt. Man könnte daraus schließen, dass die Vorgehensweise der Esoterikgauner auf das christliche Kulturerbe zurückzuführen ist. Fest steht allerdings, dass das Klientel vom gleichen psychologischen Kaliber ist.

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