Engelswelten: Hymnische Hochgefühle, geschickt provoziert


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Den Erfolg der Esoterikbranche erklärt sich der Autor Johannes Fischler mit den permanenten Identitätskrisen der Menschen

Interview | Sophie NiedenzuderStandard.at

Weil einer seiner Bekannten in die Welt der Esoterik geflüchtet und dadurch der Kontakt abgebrochen ist, hat Johannes Fischler zu recherchieren begonnen. Daraus ist ein Buch entstanden. Wie es dem Autor bei den Hintergrundrecherchen ergangen ist, wie Betroffene reagieren können und welche Ideologie hinter den Produkten der von ihm so genannten „Hardcore-Esoterik“ steckt, erzählt er im Gespräch mit derStandard.at.

derStandard.at: Sie sprechen in Ihrem Buch von der „Hardcore-Esoterik“. Warum „Hardcore“?

Fischler: Diese Art der Esoterik ist mehr als nur Wünschelrutengehen, in Wahrheit schaffen diese Engelswelten bewusst Abhängigkeiten. Außerdem sind die dahinterstehenden Doktrinen oft elitär und rassistisch. Ein Engel ist selten schwarz, zu dick oder sitzt im Rollstuhl. Auch die Symbolik zahlreicher Produkte speist sich aus der Esoterik des 19. Jahrhunderts, maßgeblich beeinflusst durch die Theosophie von Helena Petrovna Blavatsky. Sie redet von sieben Wurzelrassen, die dritte ist die lemurische, die vierte ist die atlantische, die fünfte sei die arische Wurzelrasse – das hat nicht nur Rudolf Steiner, den Begründer der Waldorfschulen, beflügelt, auch Heinrich Himmler fand bei Blavatsky und ähnlichen Okkultisten zweckdienliches Gedankengut für seine „Ariosophie“. Derartige Vorstellungen leben nun in der „modernen“ Esoterik unbemerkt weiter.

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