Neuapostolische Kirche: „Ich bin kaputtgemacht worden“


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Vor einer Woche (03.06.2013) berichtete WDR.de zum 150-jährigen Bestehen der Neuapostolischen Kirche (NAK). Der Beitrag löste starke Leserreaktionen aus. Während sich die NAK, die noch vor wenigen Jahren als Sekte galt, heute als moderne Kirche darstellt, schreiben viele Leser von Repression und Angst.

Von Nina MagoleyWDR

Immer, wenn es in Bonn eine Kirmes gibt, bekommt Birgit Schmoll Bauchschmerzen. Ihrem kleinen Sohn verspricht sie zwar, dass er Karussell fahren darf – aber insgeheim ist der Kirmesbesuch für die Mutter von acht Kindern eine Qual. „In dem Moment, wo ich meinen Fuß auf das Gelände setze, fange ich an zu zittern, kann nicht mehr richtig atmen“, sagt sie. Als Kind waren ihr Kirmesbesuche – genauso wie Kino, Fernsehen oder später die Disco – streng verboten. Statt dessen: „Dreimal in der Woche Gottesdienst, kirchliche Veranstaltungen an fast allen anderen Tagen.“ Birgit Schmoll wuchs in einer neuapostolischen Familie auf, nach deren Glauben die Wiederkehr Jesus‘ in naher Zukunft zu erwarten ist. Auf der Kirmes aber, so wurde ihr gesagt, hätte Jesus sie nicht finden können – und nicht in den Himmel mitgenommen, sondern in einer Welt zurücklassen, in der fortan der „Satan“ regieren würde.

Der Rat des Seelsorgers: Eine Tracht Prügel

„Ich bin kaputt gemacht worden“, sagt Birgit Schmoll, „mein Leben bestand aus Angst und völliger Willenlosigkeit“. Die Kirche habe die totale Überwachung auch über das Familienleben gehabt, „wenn wir Kinder nicht gespurt haben, bekamen wir zu Hause ‚Familienbesuch'“. Das war der sogenannte Seelsorger der Gemeinde, auch „Familienpriester“ genannt.

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5 Comments

  1. Ganz ehrlich, diese Familie war nicht Normalzustand. Ich bin selbst in einer neuapostolischen Familie aufgewachsen und wir wurden nie gezwungen. Es war immer unsere Entscheidung, ob wir mitgegangen sind in den Gottesdienst oder nicht. Es gibt schließlich in jeder Glaubensrichtung Leute, die es ein wenig zu ernst nehmen. Die Kinder schlagen spricht ja schon im Kern gegen alles, was wir jeden Sonntag in der Kirche hören können! Wir haben uns immer gefreut, in die Kirche zu gehen, wo es ja auch Kinder- und Jugendangebote gab, und ich bin heute noch froh, dass meine Eltern mich neuapostolisch erzogen haben!

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  2. Hallo Eso-Policier,

    besser wäre es, wenn die Kirchen sich auflösen und die Religionen gleich ganz abgeschafft würden. Man würde der Menschheit unwahrscheinlich viel Leid ersparen und den Intellekt von dem Schwachsinn der Religion fernhalten und größere Kapazitäten des menschlichen Denkens für wichtigere Dinge gewinnen können.
    Außerdem heißt Kirche und Religion immer Rassismus dem und den Anderen gegenüber. Dabei geht es vordergründig noch nicht einmal um den alltäglichen Rassismus der Gläubigen gegenüber Ungläubigen, sondern vor allem um den Rassismus der Gläubigen untereinander.
    Warum es lt. Ihrem Statement nach falsch sein soll „Ungläubiger“ zu sein und nach Ihrer Meinung an die ewig verborgenen Dinge in der Natur geglaubt werden muss, erschließt sich mir nicht im Geringsten.
    Meine Erfahrung mit Gläubigen und deren Institutionen ist ein ausgeprägter Herrschaftsanspruch dieser, anmaßende Arroganz Andersdenkenden gegenüber und eine unerklärbare Hinterhältigkeit, wenn es um Kritik an und um deren Wirken geht. Und was Ihren Blog betrifft, in dem ich mich mal etwas näher umgeschaut habe, bestärkt mich Ihre Form der Diskussion in der Ansicht, dass Gläubige im Glauben ihrer Unfehlbarkeit und der vermeintlich Gott gegebenen Deutungshoheit, dem Rassismus mehr frönen als der Menschen- Natur- und Nächstenliebe. Abgesehen von der gnadenlosen Dummheit in Sachen Verteidigung des Glaubens und den kindlich naiven Argumenten bezüglich vollkommen zusammenhangloser, widersprüchlicher und irrationaler Schriften und deren wundersamer Auslegung durch die Gläubigen, von denen sich jeder noch so dummer Gläubiger berufen und auserwählt fühlt, der gemeinen Öffentlichkeit die Ergebnisse deren Kaffeesatzleserei zu präsentieren. Unberührt davon, dass selbst die meisten Gläubigen in unserem Breiten- und Längengrad, damit nicht mehr auf Linie zu bringen sind.

    Trotzdem noch einen schönen Tag und viele Grüße

    Hermann

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  3. @ Rolo
    Wenn etwas dem Menschen ewig verborgen ist, kann es trotzdem u. U. das Leben der Menschen auf geheimnisvolle Weise beeinflussen. Ich habe Respekt vor Atheisten, aber ich sehe auch eine Gefahr. Die Gefahr besteht darin, dass viele Atheisten meinen, sie könnten die Welt erklären. Z. B. sind manche Wissenschaftler der Meinung, dass es einen Urknall gegeben hat. Diese Wissenschaftler meinen, sie wüssten, wann das Universum entstanden ist, wie groß es ist, usw.
    Meiner Meinung nach brauchen wir einen Mittelweg zwischen Gottglaube und orthodoxer Wissenschaft.

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  4. @Eso-Policier
    Soll es wirklich sinnvoll sein an etwas zu glauben, was angeblich sowieso ewig verborgen ist ? Man kann über ewiges (bzw. über zur Zeit noch) Verborgenes nachdenken, aber zum „Gläubigen“ muss man deswegen bestimmt nicht werden. Desweiteren, das es Kirchenreformen geben muss, geht eigentlich nur die kirchentreuen Religioten etwas an. Den Anderen geht dieses Thema mehr oder weniger am Hintern vorbei und es wäre für sie bestimmt nicht weiter tragisch, wenn der ganze Reli-Zauber restlos und ohne, letztlich eh´nur Unsinn ergebende Reformen, plötzlich vom Erboden verschwinden würde.

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  5. Es ist falsch, an einen allmächtigen Gott zu glauben. Aber es ist auch falsch, ein Ungläubiger zu sein. Es ist sinnvoll, an ewig verborgene Dinge in der Natur zu glauben. Zudem muss es weitere Reformen in der Kirche geben. Mehr dazu auf meinem Blog (bitte auf meinen Nick klicken).

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