Wenn Gott wieder mitregiert


Bild: wikipedia
Angst und Aufklärung: Mark Lilla über Politik im Machtfeld der Religionen

Von Alan PosenerDIE WELT

Es gibt Bücher, die einem auf beinahe jeder Seite Aha-Erlebnisse bescheren. Ein solches Buch ist Mark Lillas „Der totgeglaubte Gott“. Es ist, wenn man seine Botschaft kurz fassen will, eine Abrechnung mit der politischen Theologie. Und zugleich eine Aufforderung, die politische Theologie ernst zu nehmen. Und insofern auch eine Warnung vor der Ignoranz in religiösen Dingen, die im Westen, zumal in Europa, als Ausweis aufgeklärter Gesinnung durchgeht.

Der Professor für Ideengeschichte an der Columbia University in New York erinnert daran, dass die „Große Trennung“ von Politik und Theologie im Westen eine ziemlich neue Erscheinung ist. Erst Thomas Hobbes habe als Antwort auf das Völkerschlachten der Religionskriege und -bürgerkriege der Politik eine neue Bescheidenheit gepredigt. Sie sollte nicht mehr gegründet sein in der Erkenntnis Gottes und seines Wollens für die Menschheit; sondern in einer Kenntnis der Menschen und ihrer Anfälligkeit für religiösen Fanatismus. Diesen zu bändigen im Interesse des Friedens und des Wohlstands sei Aufgabe des Leviathan, den sich Hobbes nur als Diktator vorstellen konnte.

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