Karlheinz Deschner: Die düstere Seite des Christentums


Bild: Rowohl Verlag / privat
Seit 40 Jahren schreibt Karlheinz Deschner seine kirchenkritische „Kriminalgeschichte des Christentums“. Nun ist der abschließende zehnte Band erschienen. Darin lässt Deschner seine leidenschaftliche Lust manchmal vermissen.

Von Ingo PetzDeutschlandfunk

Wenn Karlheinz Deschner gegen Kirchen und Christentum zu Felde zieht, dann tut er das nicht mit der Stimme der Sanftheit und Ausgewogenheit. Ganz im Gegenteil. Deschner sticht, schießt, grollt und wütet sich durch 2000 Jahre Christentum – mit einer emotionalen, lodernden Sprache, die dem Leser in die Glieder und schließlich in den Verstand fahren soll. Im Schlusswort des gerade erschienenen zehnten Bandes der „Kriminalgeschichte des Christentums“ klingt das so:

„Wo sonst gibt es diese atemverschlagende Mischung von Wolfsgeheul und Friedensschalmei, Weihnachtsbotschaft und Scheiterhaufen, von Heiligenlegende und Henkersgeschichte! Wo sonst dies allumfassende Liebespalaver und den praktisch alles verschlingenden Hass! Wo sonst eine Religion, die aus Liebe tötet, aus Liebe foltert, aus Liebe raubt, erpresst, entehrt, verteufelt und verdammt!“

Dieser Ausschnitt, von Deschner selbst gelesen, steht exemplarisch für seine Art der Geschichtsschreibung. Sie steht eher in der Tradition von Aufklärern und Vernunftbegabten wie Voltaire oder Nietzsche als in der Tradition der abstrakten Historiografie. Für Deschner ist die Sprache der treibende Motor seiner Empörung gegen moralische Fehlleistungen einer Religion, die sich eigentlich als Predigerin der Barmherzigkeit versteht. Man spürt förmlich, wie Deschner mit jedem Wort, mit jedem Satz seine Auflehnung und Aufregung befeuert, sich hineingräbt in die Verbrechen und so zu diesem aufschreiartigen Ton kommt, der sich aus Enttäuschung, Wut und Trauer speist.

weiterlesen