Vatikan-Kenner Berger: „Schwulen-Netzwerk existiert bis in höhere Klerikerkreise“


Foto: Jo Goede Photography
David Berger, 45, machte jahrelang Karriere in konservativen katholischen Kreisen, zuletzt als Chef der Monatsschrift „Theologisches“. Heute ist er Chefredakteur des Homosexuellen- Magazins „Männer“.

Wochenblatt

SPIEGEL: Gibt es ein Schwulennetzwerk im Vatikan, von dem angeblich Papst Franziskus gesprochen hat?

Berger: Ja, aber nicht so, wie es sich die konservativen Kräfte in der Kirche ausmalen. Denn es geht nicht um eine schleichende Unterwanderung des Vatikans, nicht um Machtergreifung. Im Gegenteil, die meisten schwulen Kleriker sind besonders papsttreu. Das schwule Netzwerk im Vatikan ist pragmatisch orientiert. Man tauscht sich darüber aus, wo man unauffällig neue sexuelle Kontakte knüpfen kann, wo die besten käuflichen Liebhaber sind und wo die von Schwulen besuchten Lokale. Auf dem Monte Mario etwa wurde für heimliche Treffen sogar eine Wohnung angemietet, zu der viele einen Schlüssel hatten. Dieses Netzwerk existiert bis in höhere Klerikerkreise, in die Gottesdienstkongregation und ins Staatssekretariat.

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