A. Glück: Was auf Dauer mit der Tradition begründet wird, hat keinen Bestand


Der Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (Bild: AP Archiv)
Im Interview der Woche spricht Alois Glück über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Ämtern der katholischen Kirche und den Umgang mit Homosexuellen. Er schaut auf die ersten 100 Tage von Papst Franziskus im Amt und das Verhältnis des Heiligen Vaters zur Kurie.

Alois Glück im Gespräch mit Matthias GierthDeutschlandfunk

Matthias Gierth: Herr Glück, vor 100 Tagen ist Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt worden. Welches waren für Sie die herausragenden Momente dieser ersten Zeit?

Alois Glück: Wie sehr dieser Papst auf die Menschen wirkt, was es für eine Botschaft ist und wie die Menschen darauf reagieren in so einer großen Zahl – auf die Zuwendung dieses Papstes zu den Menschen. Es sind vor allem seine Gesten, so wie sie sie erleben in diesem Amt – so menschennah, so wirklichkeitsnah. Und das gibt vielen Menschen Hoffnung. Er setzt Kräfte frei in unserer Kirche, die auch genau in diesem Sinne sich angesprochen fühlen und auch pastoral und Seelsorge und Glaube verstehen. Auf der anderen Seite will ich gleich hinzufügen: Es hat in sich natürlich auch die Gefahr einer Übererwartung, dass dieser Papst alles richtet. Aber ich finde, es ist geradezu phänomenal. Das geht an bei dem, was ich in Gesprächen erlebe von Menschen, ja, die sich mehr oder minder oft schon enttäuscht abgewandt haben und es geht bis zu diesem unglaublichen Zuspruch beim Angelus auf dem Petersplatz, der regelmäßig jetzt zu klein ist.

Gierth: Aber wie ist das zu erklären, dass er zu einem solchen Hoffnungsträger in der katholischen Kirche in so kurzer Zeit geworden ist – mithilfe einiger Gesten der Bescheidenheit.

Glück: Wobei natürlich die Menschen spüren: Diese Gesten sind eben nicht nur Gesten, sondern es ist sein Wesen, es ist sein Glaube, es ist seine Theologie. Nun ja, und letztlich ist es wohl eine starke Reaktion, weil viele Menschen Kirche anders erlebt haben. Und jetzt kommt da jemand, der so ganz anders erlebt wird: Der Papst, der Seelsorger ist von seinem Verständnis und von seiner Art her.

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