„Die Kreuzzüge waren Notwehr“


Die Kreuzzuege / Bild: (C) Palazzo Reale di Turino
Das Buch „Gottes Krieger“. Raffgierige, barbarische Kreuzritter, ein toleranter Saladin und eine überlegene islamische Zivilisation? Über Kreuzzugsmythen, ihre Wurzeln und ein amerikanisches Gegenbuch.

Von ANNE-CATHERINE SIMONDie Presse.com

Ich entschuldige mich“, stand auf den T-Shirts der protestantischen Christen, die 1999 von Köln nach Jerusalem marschierten – gemeint war: für die Kreuzzüge. Auch Bill Clinton erinnerte nach den Anschlägen von 9/11 an die Schuld aller, die Vorfahren aus Europa hätten – wegen der Kreuzzüge. Skurriler ist nur noch der Aufruf seines Nachfolgers George W. Bush zum „Kreuzzug“ gegen den Terror (nach Bin Ladens Aufruf zum Krieg „gegen Juden und Kreuzzügler“) oder die Behauptung der Mediävistin Karen Armstrong, die Kreuzzüge seien „Ursache des Nahost-Konflikts“.

Die Kreuzzüge als schwelende Wunde im Gedächtnis der Muslime? Als erster imperialistischer Eroberungszug des Westens? Diese Vorstellung ist heute etabliert, in muslimischen wie in westlichen Ländern. An der Wissenschaft vorbei halten sich schwarz-weiße Mythen von Tätern und Opfern, von barbarischen und beutegierigen Kreuzfahrern versus hochkultivierte Muslime. Woher kommen sie? Aus dem 19. Jahrhundert.

weiterlesen