Die neue Macht der Religion im modernen Rechtsstaat


Bild: Basler Zeitung
Jürgen Habermas bezieht in seinen neuen Aufsätzen Stellung zur aktuellen Renaissance des Glaubens.

Von Rudolf WaltherBasler Zeitung

Auch wenn sie nicht neu ist, frappierend ist die unglaubliche Produktivität von Jürgen Habermas immer wieder. Dies belegt auch sein zweiter Band über «Nachmetaphysisches Denken II», der auf über 300 Seiten zehn Aufsätze und Repliken enthält, die der 84-Jährige in den letzten fünf Jahren verfasst hat.

«Nachmetaphysisch» nennt man ein philosophisches Denken, das keinen privilegierten Zugang zur Wahrheit beansprucht – im Unterschied zur Philosophie von der Antike bis zur Aufklärung. Das Wissen, das Philosophie heute vermittelt, kann keine Position oberhalb weltlichen Wissens oder gar eine Art Schiedsrichterrolle über andere Wissenschaften mehr anbieten. Für nachmetaphysisches Denken gilt, dass es prinzipiell davon ausgeht, dass sich alles Wissen als revisionsbedürftig herausstellen kann.

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1 Comment

  1. Dazu fällt mir nur ein, dass Einzig der wahren Menschlichkeit bedingt es eine Form zu leben gilt, deren alle Mitglieder der menschlichen Rasse gleichermaßen Genuss davon tragen können. Humanismus.
    Keine einzige Glaubensform und Religion ist bezüglich deren eigenen eifersüchtig überwachten Ansprüche eingeforderter Alleinstellungsmerkmale im Stande den Menschen diesen Part zu liefern. Keine.
    Wer es nicht zulässt, dass bar aller Religionen und Ideologien Regelung gelten, allen Gesellschaftsmitgliedern die gleichen Rechte gewährt, erhebt sich automatisch den Anderen gegenüber. Zumindest eine Konsequenz zu Habermas Sicht bezüglich seiner nachmetaphysischen Gedanken. Wobei Habermas den Religionen immer wieder versucht Menschlichkeit zu unterstellen, aber im gleichen Atemzug nicht wahrhaben will, dass ausgerechnet Religiöse immer wieder Rechte und Toleranz für ihren Glauben einfordern, welche sie anderen Gesellschaftsmitgliedern bezüglich ihres eigenen Glaubens verwehren und allein genommen dieser Umstand Beleg für die Erkenntnis und Verleugnung dessen ist, Religion automatisch mit Rassismus und Diskriminierung Anders- und Ungläubigen gegenüber einhergeht.
    Egal wie lieb z.B. Jesus seinen Anhängern daher kommt, für Anders- oder Ungläubige sind seine Worte Rassismus pur, inklusive Aufruf zum Mord, ja sogar zum Völkermord, der bekanntlich in der Geschichte bis zum heutigen Zeitpunkt wohl allzuoft wortwörtlich genommen wurde und wird, zumindest, wenn die vorhandene Macht dafür ausreichend ist.
    Abgesehen vom institutionalisierten Glauben – den Kirchen, welche diesbezüglich Anders- und Ungläubigen ständig ungefragt deren eigenartige Form der Moral als einziges Lebensmodel aufdrücken.

    Wer Jesus nicht folgt, gilt diesem als nicht liebenswert – Stichpunkt Nächstenliebe ohne Vorbedingungen. Die Bibel und das tagtägliche Tun der Gläubigen und deren Kirchen gibt dafür genug katastrophale Beispiele.
    Unter humanitären Gesichtspunkten sind Jesus und derer sich anmaßend leitkulturgebende gottesvertretende Heilsorganisationen als Hetzer Anders- und Ungläubigen gegenüber zu bewerten.
    Dass in unseren Breitengraden der Widerspruch zwischen dem Anspruch der Religionen und den Grundsätzen des Humanismus dazu führt, dass immer mehr Gläubige mit dem eigentlichen Inhalt der Religionen immer weniger anfangen können, zeigt sich in den vielfachen Austritten aus den Kirchen, den weiter um sich greifenden Nichtaktivismus der Gläubigen (Taufscheinchristen) und/oder den Zuwendungen hin zu anderen Formen bezüglich der Suche nach Sinn und Inhalt vom Leben.
    Nur gut, dass es Jesus als Figur der Geschichte nie gegeben hat und dieser nur die Rolle als Hauptdarsteller eine der vielen religiösen Geschichten der Menschheit besetzt.
    Man kann die Geschichte der Bibel glauben oder auch nicht, nur ernst nehmen sollte man sie nicht wirklich, zumindest nicht, wenn man Humanismus für alle Mitglieder der menschlichen Gesellschaft einfordert.

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