Dodo-Thierse beklagt „Politiker-Verachtung“ in Deutschland


thierse_zdfEin Jahr Volkskammer und 23 Jahre im gesamtdeutschen Parlament: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse verabschiedet sich am Ende dieser Legislaturperiode – und stellt eine bittere Diagnose zu unserer politischen Kultur. In Deutschland gebe es einen „abgrundtiefen Respektverlust“ vor demokratischen Politikern.

Wolfgang Thierse im Gespräch mit Christoph HeinemannDeutschlandfunk

Christoph Heinemann: Bis ein Uhr Früh in der Nacht oder am frühen Morgen genauer gesagt hat der Deutsche Bundestag getagt, und der Vizepräsident des Hohen Hauses sagte anschließend:

O-Ton Wolfgang Thierse: „Die Tagesordnung ist erschöpft, ich auch.“

Heinemann: Heute tagt der Bundestag also zum letzten Mal vor der Sommerpause und abgesehen von einer Sondersitzung Anfang September: damit endet in dieser Legislaturperiode – sie trägt die Nummer 17 – die Arbeit im Plenum des Hohen Hauses. Das ist der eine Schlusspunkt. Der andere ist endgültiger, denn nach fast einem Viertel Jahrhundert scheidet der SPD-Politiker Wolfgang Thierse nach der Bundestagswahl aus dem Bundestag aus. Wir sind jetzt mit dem Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages am Telefon verbunden. Guten Morgen!

Wolfgang Thierse: Guten Morgen, Herr Heinemann.

Heinemann: Herr Thierse, erst mal danke schön. Sie hatten eine sehr, sehr kurze Nacht.

Thierse: Ja, das ist so.

Heinemann: Wie sinnvoll sind solche Marathon-Veranstaltungen so kurz vor Ende der Legislaturperiode?

Thierse: Das sind ja Ausnahmesituationen. Sie wissen, es gilt das Prinzip der Diskontinuität. Wenn die Legislaturperiode endet, dann verfällt gewissermaßen alles, und das führt dazu, dass man noch kurz vor Toresschluss viele Anträge, Gesetzesentwürfe, die in den vergangenen Monaten in den Ausschüssen lagen, beraten wurden, aber noch nicht ins Plenum gekommen sind, dass man sie noch absolvieren will. Wenn wir das alles debattiert hätten, alle Reden gehalten worden wären, dann wäre diese Sitzung bis heute Früh um zehn gelaufen. Also geben viele ihre Debattenbeiträge zu Protokoll. Das heißt, sie schreiben sie auf und geben sie zu Protokoll. Das ist dann nicht mündlich gehalten, aber sozusagen schriftlich gehalten, und das führt dazu, dass man dann eine endlos lange Verlesung von Tagesordnungspunkten, Themen und Abstimmungen absolvieren muss. Ich glaube, ich habe knappe anderthalb Stunden zu reden gehabt, Abstimmungen durchzuführen gehabt. Da ist man dann am Schluss wirklich erschöpft.

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2 Comments

  1. Das ist wohl Thierse’s Art einer Publikumsbeschimpfung; ahnungslos giert dieser Staatsschauspieler nach Applaus. Aber er kann doch ruhig sein, er ist nun üppig versorgt; das Publikum zahlt die Zeche, auch wenn der Vorhang gefallen ist…. ;-). 😉

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  2. Der Thierse ist so einfältig und wundert sich noch über einen „abgrundtiefen Respektverlust“ gegenüber sich und seinesgleichen. Respekt muss man sich redlich verdienen und kann man nicht einfach erschwafeln! Leute mit solchen verkorksten, vorsintflutlichen versponnenen und geistergläubigen Ansichten sind überhaupt nur sehr schwer für „voll“ zu nehmen, geschweige denn zu achten. Da ist Geltungsbedürfnis oft eine Sache, die andere ist die, dass man in jeder Gemeinschaft natürlich auch Typen braucht, welche, die allgemein nicht besonders erstrebenswerten, ach so sehr erschöpfenden Arbeiten machen. (Aber bestimmt nicht ohne Gegenleistung. 😉 ) Aus dieser Perspektive betrachtet, hat der Herr Thierse dann doch einen kleinen Dank aus dem Volk verdient. 🙂

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