Vatikanbank, Korruption und Köpferollen


Bild: dpa
Der Direktor der Vatikanbank IOR und sein Vize-Direktor sind von ihren Ämtern zurückgetreten. Paolo Cipriani und Massimo Tulli hätten nach vielen Dienstjahren entschieden, dass dieser Schritt im Interesse des Geldinstituts und des Vatikan sei, teilte das vatikanische Presseamt am Montagabend mit. Italienische Medien verweisen aber auch auf den aktuellen Skandal um den verhafteten dubiosen Schwarzgeld-Geldboten Msgr. Nunzio Scarano, einen Duz-Freund Tullis, der Scaranos Schecks gegengezeichnet haben soll. Papst Franziskus wolle durchgreifen, und es beginne ein „Köpferollen“ im IOR, so die Berichte.

kathweb

Die zuständige Kardinalskommission sowie der Aufsichtsrat nahmen die Rücktritte an. Aufsichtsichtsrats-Präsident Ernst von Freyberg wurde laut Vatikan-Kommunique gebeten, die vakanten Aufgaben vorübergehen zu übernehmen.

Das IOR war in den vergangenen Jahren auch im Zusammenhang mit Vatileaks und mit verdächtigen Transaktionen in die Schlagzeilen geratenen. Internationale Anti-Geldwäsche-Experten hatten im Sommer 2012 die Kontrolle des IOR als nicht ausreichend bezeichnet. In dieser Untersuchung des Europaratskomitees Moneyval wurden dem Vatikan jedoch insgesamt Fortschritte bei der Anpassung an internationale Transparenzstandards bescheinigt.

Nach einer Neubesetzung im IOR-Aufsichtsrat hatte der Papst in den vergangenen Tagen eine weitere Kontrollkommission eingerichtet. Sie soll unter Leitung mehrerer Kardinäle sowie der Harvard-Professorin Elizabeth McCaul eine „bessere Harmonisierung“ des vatikanischen Geldinstituts mit dem universalen Auftrag des Vatikans und der Kirche ausleuchten.