Zensur? Selbstzensur! Der Islam, religiöse Gefühle und die Meinungsfreiheit


Foto: Reprodukt/Craig Thompson
An der Uni Duisburg-Essen wird eine studentische Ausstellung geschlossen – aus Angst vor Muslimen, die sich provoziert fühlen könnten. Wieder ein Fall von Selbstzensur in Deutschland.

Von Christiane PeitzDER TAGESSPIEGEL

Es ist nur eine kleine Ausstellung in einer Uni-Bibliothek, eine Studentensache. Dass die aus gerade mal zwölf Comic-Plakaten bestehende Präsentation eines Anglistik-Seminars in der Bibliothek der Universität Duisburg-Essen nicht mehr zu sehen ist, weil muslimische Studenten sich an einem oder zwei Exponaten störten – warum soll man sich jenseits des Campus darüber aufregen?

Aber dann liest man die Erklärungen der Universitätsleitung und der Professoren des Fachbereichs und glaubt es nicht. Auf den schließlich handgreiflichen Protest einer Studentin haben die Geisteswissenschaftler einer staatlichen Universität mit Selbstzensur reagiert.

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1 Comment

  1. Der Artikel von Christiane Peitz ist überraschend deutlich, argumentiert klar gegen Zensur (was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist) und hat mir den politischen Teil des Tagesspiegels wieder sympathischer gemacht.

    Ganz viele unserer tonangebenden Politiker und auch Verantwortlichen in Universität und Verwaltungen sind durch Feigheit und Duckmäusertum charakterisiert. In Festtags- und Sonntagsreden werden die demokratischen Tugenden und politische Wachsamkeit gefordert, „Wehret den Anfängen“ heißt es dann volltönend, und man schlägt sich selbstbewusst an die eigene Brust, wenn man gegen rechtsgerichtete Äußerungen sein Verdammungsurteil gesprochen hat. Viele glauben dann, dass ihr politischer Mut nicht mehr zu steigern wäre. Wie einfältig und wie billig, als ob es Mut bedürfte, sich heute gegen rechts- und linksextreme Haltungen zu engagieren. Tatsächlich schauen sie weg, wenn undemokratische, rechtsverletzende, Freiheitsrechte abbauende, aber islamisch-religiös motivierte Auftritte und Handlungen sich abspielen. Dann kuschen und buckeln sie nach oben und gewöhnen das Publikum an Tabuisierung von Themen und zunehmender Meinungsunterdrückung. Es sind dies jene Menschen, mit denen man stets Systeme aufbauen konnte, die letztlich in der Tyrannei der Gleichschaltung und in Schlimmerem endeten. (Da im Tagesspiegel eine unübersehbar große Zahl an Kommentaren eingestellt wurden, habe ich ihn hier nochmal wiederholt.)

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