Mathematikerbiographie: Genie, Wahnsinn und Alltag


Der Reiz der hohen Mathematik: Die Grenzen zur Kunst und zum Irrsinn sind in der hohen Mathematik fließend. Bild: Cicero
Was macht der Mathematiker im Supermarkt? Wie leben die abstraktesten Denker unserer Zeit? Drei neu erschienene Biografien erzählen davon

Von Philipp FelschCicero

Der alte Charles Darwin rühmte sich, über keine der Eigenschaften zu verfügen, die ein Genie ausmacht. Eine ungewöhnlich schnelle Auffassungsgabe? Fehlanzeige. Geistige Beweglichkeit? Nicht besonders. Seine Entdeckung, die die Welt veränderte, habe er nur seiner Beharrlichkeit und seinem lebenslangen Fleiß zu verdanken. Es spricht viel dafür, dass Darwin ein bescheidener Mann war. Doch ist sein britisches Understatement mehr als das. Es traf den Nerv einer Zeit, die das Understatement liebte. Zumindest in der Kirche ihrer Wissenschaften.

Spinnerei und wilde Geistesblitze gestand das ­­­19. Jahr­­hundert seinen Künstlern zu. Wenn es sich jedoch seine Idealgelehrten ausmalte, kamen grundsolide, eher unauffällige Typen heraus: disziplinierte Arbeiter und Frühaufsteher, die sich nach Feierabend in sorgende Gatten und liebende Väter verwandelten. Staatstragend, pedantisch und ein bisschen langweilig. Als Ritter der Objektivität galt in diesen Jahren, wer in der Lage war, seine Persönlichkeit an der Tür des Laboratoriums oder der Bibliothek abzugeben.

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