Winfried Kretschmann: Dodo des Monats Juni 2013


Dodo des Monat Juni 2013
Dodo des Monat Juni 2013

kretschmann150Ernst-Wolfgang Bockenförde tut mir leid. Sein Zitat, zum Thema Religion, säkularer Staat darf nicht vergessen werden. Politiker, Schwarzkittel jedweder Couleur tragen es wie eine Monstranz vor sich her.

Ernst-Wolfgang Bockenförde

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“Staat, Gesellschaft, Freiheit. 1976, S. 60.

Winfried Kretschmann, Mitglied des ZK der Katholen, Mitglied im Diözesanrat der Erzdiözese Freiburg, im Verein der Freunde der Erzabtei St. Martin e. V., im Kuratorium der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, liebt das Bockenförde-Diktum. Er hofft auf die Frömmigkeit seiner grünen Anhängerschaft in der Partei und er lässt kaum eine Gelegenheit verstreichen, seinen Glauben nuttig anzupreisen. Interessiert es, ob der Ministerpräsident eines Landes betet? Überhaupt nicht. Beurteilungsgrundlage ist und bleibt seine Arbeit als selbiger. Katholische Ministerpräsidenten haben natürlich einen großen Vorteil, Wahllügen werden gebeichtet und mit dem ego te absolvo ist die Welt in Ordnung. Das dumme Wahlvolk glaubt, der entscheidende Punkt, da man gewohnt ist irrational zu denken, transportiert man die Irrationalität in die Realität des Lebens und lebt so die gut-christliche Lüge.

Drehen wir das Bockenförde-Diktum um und wenden es auf die Religionen an:“Religionen in einer pluralistisch verfassten Gesellschaft/Staat leben von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren können.“

Na Herr Kretschmann, dämmert da etwas im katholischen Oberstübchen auf, wir zweifeln. Pluralistisch verfasste Gesellschaft heißt auch jene zu berücksichtigen die nicht der eigenen Weltanschauung zugehörig sind. Wer Respekt für die eigenen inneren Überzeugungen einfordert, sollte diesen Respekt anderen nicht absprechen bzw. vorenthalten. Wir brauchen kein kirchliches Arbeitsrecht, der säkulare Staat bedarf keiner juristischen Parallelwelt. Vor dem Gesetz sind alle gleich, es wird nicht getrennt nach Katholiken, Protestanten, Juden, Muslimen und was da noch alles in Gottes Zoo kräucht und fleucht.
Wer von religiösen Pluralismus spricht grenzt aus, nämliche jene, die nicht religiös sind respektive eigene weltanschauliche Vorstellungen besitzen. Der Kitt, der ein gesellschaftliches Gemeinwesen zusammenhält ist die Kultur. In diesem Sinne sind Religionen eine Untermenge, sie gehören dazu, sind aber nicht das bestimmende Element der Gesellschaft. Kooperation ja, aber nicht unter dem Diktum antiker Märchen. Der säkulare Staat gewährt Religionsfreiheit, zugespitzt, ohne Religionsfreiheit gibt es keine Religionen.

Im Erfurter Programm der SPD, von 1891 finden wir den Satz:“Religion ist Privatsache.“ Ganz abstrakt galt es den Einfluss von Religionen auf die Politik zurückzudrängen. Heute hängen Kruzifixe aller Orten, in Ministerien, Gerichten, Schulen. Politiker von der Bundeskanzlerin an verkünden und lobpreisen Jesus Christus bei erstbester Gelegenheit. Der Ministerpräsident Kretschmann singt wenn er kann, auch im Parlament seine Kirchenlieder. Wir sind weit davon entfernt festzustellen, dass Religion Privatsache sei. Der öffentliche Raum ist quasi religiös verseucht.

Dank solcher Politiker wie Winfried Kretschmann wird der Zustand der religiösen Verunreinigung von Politik und öffentlichen Raum wohl noch eine Weile anhalten.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

2 Comments

  1. Der Kretschmann kann noch so „grün“ daherkommen, er ist und bleibt ein verbohrter „Schwarzer“. Dagegen hilft auch keine homöopatische Medizin. Schlimm für ihn, schlimmer aber noch für den, sich in der Minderheit befindlichen, denkenden Teil der Öffentlichkeit.

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