Gesellschaftskunde: Warum Religion durch nichts zu ersetzen ist


napoleon_religionDie Wissenschaft ist so abstrakt geworden, dass sie dem Laien bei der Orientierung im Leben kaum helfen kann. Dieses Vakuum kann die Religion füllen.

Von Dorothee KringsRP ONLINE

In Wahrheit sind die Tage ja vorbei, da Wissenschaft und Theologie einander feindlich gegenüber standen, der Mensch glaubte, sich entscheiden zu müssen zwischen Aufgeklärtheit und dem alten Halt im Glauben. Doch das war zu einer Zeit, als Wissenschaft noch Dinge erklärte, die für jeden greifbar und bedeutsam waren. Dass die Welt eine Kugel ist und keine Scheibe, dass der Mensch sich evolutionär entwickelt hat und nicht aufrecht auf die Erde kam, das waren naturwissenschaftliche Erkenntnisse, die Weltbilder verändert haben.

Inzwischen hat sich die Wissenschaft ins Nano-Detail oder die hyperkomplexe Sprache der Algorithmen verabschiedet. Natürlich ist diese Forschung Grundlage für die technische Fortentwicklung der Menschheit, ihre Relevanz also gar nicht zu überschätzen. Und natürlich werden etwa in der Gentechnik noch immer Forschungsergebnisse erzielt, die das Zeug haben, unser Selbstverständnis zu revolutionieren. Doch diese Erkenntnisse sind so abstrakt und komplex geworden, dass die Deutung Experten vorbehalten ist. In seiner alltäglichen Lebenspraxis fühlt sich der Laie kaum berührt. Vor allem scheint ihm die Wissenschaft bei der Orientierung in der Welt keine Hilfe zu sein. „Gerade indem sie sich souverän behauptet und jeden Zweifel an ihrer Legitimität niederschlägt, erzeugt die Wissenschaftswelt ein Vakuum der Bedeutsamkeit“, schreibt der Soziologe Norbert Bolz.

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