Eine Religion ringt mit der Moderne


Eine Gebetskette liegt auf einem Koran (Bild: picture alliance / dpa / Roos Koole)
Wie groß der Einfluss der Reformdenker heute ist, lässt sich nur schwer messen. Doch die, die sich über die Zeit mit Erscheinungsbild und Auftreten des Islams auseinandergesetzt haben, hinterließen Spuren, die nicht mehr auszuwischen sind. Vor allem in der jüngeren Generation.

Von Jan KuhlmannDeutschlandfunk

Es begann mit Napoleon. Als die Truppen des französischen Feldherrn 1798 Ägypten attackierten, spürte die arabische Welt zum ersten Mal die neue Stärke Europas. Schritt für Schritt bauten die Kolonialmächte in den Jahrzehnten danach ihre Herrschaft in der Region aus – für viele Muslime ein Schock. Im Mittelalter war die arabisch-islamische Welt Zentrum der Macht. Wissenschaft, Philosophie und Theologie blühten. Jetzt erlebte das Osmanische Reich, einst Herrscher über große Teile Europas und der arabischen Welt, seinen Niedergang. Die Macht Europas führte den Muslimen die eigene Rückständigkeit vor Augen, sagt Sonja Hegasy vom Zentrum Moderner Orient in Berlin:

„Die Intellektuellen haben sich natürlich sehr dafür interessiert, warum Europa auf einmal so stark war, in der Wissenschaft, in der Kultur, in der Kunst. Und deswegen gab es im 19. Jahrhundert ganz stark diese Bewegung, diese Idee: von Europa lernen. Man hat Studienmissionen nach Paris geschickt, um sich mit Europa zu beschäftigen. Und daraus ist dann sehr stark auch diese Reformdebatte entstanden.“

Politiker, Religionsgelehrte und Intellektuelle diskutierten intensiv, wie sich der Niedergang stoppen lassen könnte. Viele kritisierten intellektuellen Stillstand und Aberglauben. So stellten sie auch das Erscheinungsbild der eigenen Religion in Frage, sagt Serdar Günes, der sich an der Universität Frankfurt mit islamischem Reformdenken beschäftigt.

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1 Comment

  1. Noch haben herbeifantasierte Gespenster die Welt fest im Griff. Erst wenn diese durch Verstand und Vernunft abgelöst werden, darf die Menschheit auf ein friedliches, globales Miteinander hoffen. Was sind 2 oder 3 Tausend Menschenjahre im Vergleich zur Entwicklungsgeschichte unseres Universums? Nicht mehr als das aufsprühen eines Funkens. Eine kurze Epoche spiritueller Fehlentwicklungen. Und das auch noch auf Basis von selbstersponnenen, traumtänzerischen Wunschvorstellungen steinzeitlicher Nomaden. Würden alle Menschen darüber nachdenken, würde wahrscheinlich, ausser der Lächerlichkeit und möglicherweise auch etwas Schamgefühl, nicht mehr viel davon übrig bleiben.

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