Theologe Kuschel: Religionen sind „keine unschuldigen Phänomene“


Karl-Josef Kuschel, Bild: planet-wissen.de
Religionen sind „alles andere als unschuldige Phänomene“, sondern vielmehr „zum Teil Mitverursacher der Krise“. Das betonte der Professor für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der Universität Tübingen, Karl-Josef Kuschel, in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Furche“ (Ausgabe 18. Juli). Kuschel hält Donnerstagbend einen Vortrag im Rahmen der Grazer interreligiösen Konferenz „ComUnity Spirit“.

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Religionen seien „ambivalent“, so Kuschel. Schon wegen ihrer Rolle in der Krise müsse man sie ernst nehmen. Damit sie nicht „Verursacher der Krise“ würden, sei ein interreligiöses Dialogbemühen unabdingbar, das seinen Ausdruck in gesellschaftlicher Mitgestaltung finde.

Gerade in Österreich, Deutschland und der Schweiz stehe man vor dem paradoxen Phänomen, „dass die Zahl der Gläubigen im Bereich der muslimischen und jüdischen Religion steigt“, gleichzeitig aber „viele Menschen von Religionen, die bisher das Monopol auf Religion hatten, abgestoßen werden“. Um hier ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen, müssten sich die Menschen für ein religiöses Miteinander engagieren.

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2 Comments

  1. Religionen sind eine – vermutlich zwangsläufige – Phase in der Entwicklung der Menschheit. Hoffen wir, dass diese Phase bald überwunden sein wird. Zumindest in den gebildeteren und aufgeklärteren Regionen dieser Welt, in anderen Teilen der Erde wird es noch viele Jahrzehnte, wohl eher Jahrhunderte dauern, bis sich eine Art naturalistisch-humanistische Weltanschauung herausgebildet haben wird. Letztere basierend auf einem Weltbild, das sich an den Naturwissenschaften, sprich: Wirklichkeitswissenschaften, orientiert.

    Der Theologe Kuschel meint, dass »sich die verschiedenen Religionsgemeinschaften noch intensiver miteinander auseinandersetzen müssten«. Sein Wunsch ist längst Wirklichkeit, er braucht beispielsweise nur nach Ägypten, dem Irak, in Richtung des indischen Kontinents oder vor unsere Haustür zu schauen, nach Nordirland, da finden intensive Auseinandersetzungen statt. Aber nochmal: Religionen sind wohl eine nicht zu vermeidende Durchgangsphase der Menschheit hin zu einem »vernünftigerem« Miteinander.

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