Eine Lanze für Darwins Theorie in Russland


©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
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Wissenschaftler der Universität Jena haben gemeinsam mit russischen Fachkollegen ein Buch über die Evolutionstheorie herausgegeben. Der Band „Evoliutzionnyj Sintez: granizy, perspektivy, alternativy“ (deutsch: Evolutionäre Synthese: Grenzen, Perspektiven, Alternativen) erschien jetzt in einem St. Petersburger Verlag.

Pressemitteilung vom 19.07.2013
Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Der moderne Darwinismus wird in Russland vielerorts in Frage gestellt“, sagt Dozent Dr. Georgy S. Levit. Der Biologe von der ITMO Universität in St. Petersburg, die eine der neuen Exzellenzuniversitäten Russlands ist, arbeitet zugleich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Universität Jena. Levit ist Hauptherausgeber des neuen Lehrbuchs zur Evolutionstheorie. Er sagt, es sei dem zunehmenden Einfluss der konservativen klerikalen Kreise geschuldet, dass die Evolutionstheorie in Russland weniger einflussreich geworden ist.

Um dagegen einen Kontrapunkt zu setzen, hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern in den letzten Jahren mehrere Bücher herausgegeben und Fachaufsätze veröffentlicht. Das letzte, hier angezeigte Buch entstand u. a. in Kooperation mit der Russischen Akademie der Wissenschaften. Es beschreibt die Geschichte der weniger bekannten nicht-darwinschen Theorien ebenso wie moderne Ansichten über die Evolution. Die Hauptfrage des Bandes sei aber die nach dem Selbstverständnis der Evolutionstheorie heute.

„Wir fragen, wie sich die moderne Evolutionstheorie definieren soll, und wo die Grenzen der Erweiterung der modernen ‚erweiterten Synthese‘ liegen“, sagt Levit, der als Fellow der St. Petersburger Partneruniversität in Jena weilt. Neben Levit beteiligten sich von der Universität Jena der Biologiedidaktiker Prof. Dr. Uwe Hoßfeld, der Zoologe Prof. Dr. Lennart Olsson und der Genetiker Prof. Dr. Günther Theißen an dem neuen Buch.

Wie Georgy S. Levit erläutert, sei das Buch als Hilfsmittel für Studierende, Doktoranden der Biologie und Wissenschaftsgeschichte sowie weitere Akademiker gedacht, die sich für die Evolution interessieren. Für die russischen Kollegen sei es wichtig, mit führenden Wissenschaftlern aus dem Westen zusammenzuarbeiten, so Levit. Das erhöhe das Ansehen des Buches in Russland.

Bibliographische Angaben:
Georgy S. Levit, Eduard I. Kolchinsky, Ulrich Kutschera, Uwe Hoßfeld, Lennart Olsson (Hg): Evoliutzionnyj Sintez: granizy, perspektivy, alternativy, Windrose Press, St. Petersburg 2013, 274 Seiten, ISBN: 978-5-903722-20-4

Kontakt:

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 (Bienenhaus), 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de