Türkei: Keine Macht den Generälen


Erdogan hat erreicht, dass die Armee kaum noch Einfluss auf die Politik nimmt. (Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com / Lu Zhe)
Das türkische Militär hat schon mehrfach gewählte Regierungen gestürzt und angeblich auch versucht, den amtierenden Regierungschef Erdogan zu putschen. Dieser aber hat die Macht der Armee gebrochen.

Deutschlandfunk

Vier Mal schon hat die türkische Armee eine gewählte Regierung aus dem Amt geputscht; die ersten drei Male war das sehr blutig: 1960, 1971 und 1980. General Kenan Evren wandte sich am 12. September 1980 im Fernsehen an das türkische Volk:

„Die türkischen Streitkräfte sehen sich genötigt, für die Einheit und Integrität der Nation und des Vaterlandes, für die Stabilisierung der außer Kontrolle geratenen Demokratie sowie die Wiederherstellung der geschwächten Staatsautorität die Führung des Landes zu übernehmen.“

Das Militär verhaftete damals 650.000 Menschen, es vollstreckte Hunderte Todesurteile; Tausende Menschen flüchteten aus der Türkei ins Ausland. Im Jahr 1997 dann putschte die türkische Armee ohne Blutvergießen. Sie ließ am Rande der Hauptstadt Ankara Panzer auffahren und verlangte, dass Ministerpräsident Necmettin Erbakan zurücktritt.

Erbakan war streng religiös, ein Islamist. Das Militär sah durch ihn das Erbe der laizistischen Türkei in Gefahr, in der die Religion keinen Einfluss auf die Politik nehmen darf. Das Säbelrasseln der Militärs im Frühjahr 1997 hatte Erfolg – Erbakan trat zurück. Zehn Jahre später, im April 2007, drohte das Militär noch einmal.

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