Beschneidungsritual: Geht der Streit weiter?


Foto: Damien Meyer / AFP / Getty
Ein Jahr nach der großen Debatte um ein Beschneidungsurteil herrscht noch immer Verwirrung. Auch Männer fordern die juristische Anerkennung einer körperlichen Versehrung.

Von Gerhard HafnerderFreitag

Stellen wir uns folgendes Gesetz vor: Wer die äußeren Genitalien einer männlichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsentzug nicht unter einem Jahr bestraft. Gleichgültig, ob es sich um einen Jungen oder um einen erwachsenen Mann handelt, egal ob unter Narkose und wie viel am Penis geschnitten wurde, egal ob der Beschnittene einwilligt oder nicht, der Täter oder die Täterin muss für bis zu 15 Jahre hinter Gitter. Denn: Jegliche Verstümmelung von Genitalien verstößt gegen die guten Sitten.

War dies das Ergebnis der hitzigen Beschneidungsdebatte, die vor einem Jahr aus Anlass eines Gerichtsurteils begann und Deutschland in zwei Lager, in Beschneidungsgegner und Beschneidungsanhänger, teilte? Natürlich nicht. Ende Juni dieses Jahres fügte der Bundestag – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – im Strafgesetzbuch den Paragrafen 226a ein. Dort heißt es: „Wer die äußeren Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“ Bis zu 15 Jahren. Der strafrechtliche Schutz wird damit auf nur ein Geschlecht beschränkt. Das allein ist natürlich schon ein Gewinn, denn bisher wurde die Verstümmelung weiblicher Genitalien lediglich als schwere Körperverletzung mit einer Haft von maximal zehn Jahren geahndet. Durch das neue Gesetz avancierte diese Tat zum eigenen Straftatbestand.

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2 Comments

  1. Dieses unsägliche „Gesetz“ wird wohl erst wieder vom Bundesverfassungsgericht bearbeitet werden, wenn die ersten Opfer in’s klagefähige Alter kommen. Es ist eine Schande!

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  2. Die Bundesregierung und der Bundestag wurden Opfer eines bisher unbekannten „abrahamistischen“ Lobbyismus, zum Erhalt bronzezeitlicher religiöser Folklore zu Lasten jüdischer Säuglinge und muslimischer Jungen in Deutschland. Diese sind nun wieder schutzlos der Willkür verwirrter Eltern überlassen, indem der Bundestag diese Kinder der UN Kinderschutzkonvention gegen gewalttätige Erziehungspraktiken wieder entzog und sie so weiter der elterlichen Willkür anheim stellte.

    Kluge Juden weltweit wenden sich – wie die meisten zivilisierten Menschen – gegen diese barbarische und für die Säuglinge lebensgefährliche Beschneidung von Kindern.

    http://www.jewsagainstcircumcision.org/

    Prima wäre ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen die Diskriminierung von Säuglingen und Jungen, nachdem die Beschneidung von Mädchen und Frauen gemäss UN Konvention in Deutschland Gesetz wurde. Aber vielleicht landet diese offensichtliche Diskiminierung von Säuglingen und Jungen ja beim Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg, weil auch das deutsche Verfassungsgericht der internationalen abrahamistischen Lobby ausgesetzt ist 😉

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